Women in Tech

Das Mannheimer Förderprogramm für Frauen in der Tech-Branche

Mannheim ist die Stadt der Gründer – und Gründerinnen! Das Startup-Zentrum gig7 fördert Frauen schon seit Jahren erfolgreich bei der Existenzgründung, und das neue STARTUP MANNHEIM-Programm WOMEN IN TECH inspiriert nun noch mehr Frauen zu Startups in Tech-Bereichen. Wir haben die drei Mannheimerinnen interviewt, die für diesen Erfolg maßgeblich verantwortlich sind.

 

Claudia, Du leitest bei Startup Mannheim den wichtigen Bereich Technologie. Welche Idee steckt hinter dem neuen Programm WOMEN IN TECH?

Dr. Claudia Rabe: Bei diesem Programm geht es zunächst mal um Inspiration: Wir wollen Frauen zur Gründung in Technologiebereichen motivieren, die bisher vielleicht noch gar nicht darüber nachgedacht haben. Und weil Frauen bei der Gründung häufig vorsichtiger agieren als Männer, machen wir Mut und bringen sie mit erfolgreichen Gründerinnen von Tech-Startups zusammen, die als motivierende Vorbilder wirken können.

 

Die Frauen hinter WOMEN IN TECH: Dr. Claudia Rabe, Pricilla Weixler und Lena Rübelmann (von links).

 

Pricilla, Du leitest das Projekt WOMEN IN TECH. Warum war es so wichtig, mit diesem Thema die Initiative zu ergreifen?

Pricilla Weixler: Weil es leider immer noch so ist, dass sich gerade im Tech-Bereich eher die Männer Gründungen zutrauen. Das liegt ganz einfach auch daran, dass sie in ihren Netzwerken meist viele männliche Vorbilder haben, die erfolgreich gegründet haben. Bei Frauen ist das nicht so, weil gerade im Bereich Technologie noch alte Rollenbilder in den Köpfen sind. Obwohl sich Deutschland als Vorreiter beim Thema Gleichberechtigung sieht, bin ich mittlerweile der Meinung, dass alte Rollenklischees noch deutlich unsere Vorstellungen prägen, was typisch weiblich und was typisch männlich ist. Ich bin damit immer wieder konfrontiert, etwa wenn ich eine Startup-Veranstaltung organisiere: Da denken manche Typen, ich wäre für den Kaffee zuständig. Und das sind junge Männer – aus meiner Generation!

 

Community Managerin im gig7: Lena Rübelmann.

 

Lena, ist es als Community Managerin im gig7 auch eine Deiner Aufgaben, den Mindset der Männer positiv zu ändern?

Lena Rübelmann: Ja, das ist ein wichtiger Schritt! Diese alten Denkstrukturen sind so wahnsinnig tief verankert, dass es Training braucht, um diese zu erkennen und dann zu ändern – beispielsweise um gender-neutral Personal einzustellen oder in der Startup-Welt an Ressourcen zu kommen. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, das kann man nicht nur mit einer Hälfte der Gesellschaft angehen.

Pricilla: Wenn wir es schaffen, mehr Frauen zu Gründerinnen zu machen, dann verändern wir damit auch die Wahrnehmung und brechen Klischees. Wenn Frauen mehrheitlich in der Rolle von Sekretärinnen und Assistentinnen unterwegs sind, dann überträgt man das automatisch auf alle Frauen.

Claudia: Das Vorurteil, Frauen und Technik passten nicht zusammen, hat einfach noch nie gestimmt. Nur ist dieses Vorurteil leider immer noch präsent und wir verhindern nun, dass es wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wirkt.

 

 

Weibliche Führungskräfte in der Technologiebranche und insbesondere auch Gründerinnen haben inzwischen viele Erfolgsgeschichten geschrieben …

Lena: … ja, und es gibt viele Studien, die zeigen, dass sich von Frauen geführte Firmen durchschnittlich länger am Markt halten – und dass gemischte Führungsteams die erfolgreichsten sind.  Ein ganz wichtiger Hintergrund unseres Wirkens ist, dass bisher viel zu wenige Frauen in zentralen Positionen eingesetzt werden, obwohl sie top ausgebildet sind. Das ist eine riesige Verschwendung von Potenzial, wir spüren das auch im massiven Fachkräftemangel. Der optimale Output entsteht aber nicht, wenn man das Verhältnis von Frauen und Männern einfach umdreht. Die Mischung macht’s, aber dafür muss man auch den Frauenanteil erhöhen.

Das hieße aber auch, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen bleiben müssen – sonst könnten sie sich ja nicht ergänzen?

Lena: Unbedingt! Es geht am Ende darum, dass Menschen nicht abhängig von ihrem Geschlecht beurteilt werden, sondern aufgrund ihrer Fähigkeiten, Qualifizierungen, ihres Engagements und ihrer individuellen Persönlichkeit.

Was sind die typischen Herausforderungen, denen Frauen bei der Gründung begegnen?

Lena: Die meisten Investoren sind männlich, schon deshalb ist die Finanzierung bei weiblichen Startups ein heikleres Thema als bei männlichen Gründern. Aber auch die zeitliche Verfügbarkeit im Alltag: Für das Thema Familie ist auch heute noch meist die Frau verantwortlich – und das bringt im zeitintensiven Startup-Umfeld Schwierigkeiten mit sich. Eine 60-Stunden-Woche, wie sie vielleicht männliche Gründer hinlegen können, ist einer jungen Mutter nur schwer möglich. Das sind nur ein paar der frauenspezifischen Herausforderungen und weil es diese geschlechtsspezifischen Gründungshürden gibt, braucht es ein Zentrum für Gründerinnen wie das gig7 bei uns in Mannheim.

 

 

Warum ist speziell das Thema Frauen in der Technologie so spannend?

Pricilla: Wenn Frauen gründen, dann bislang eher im Bereich Kreativwirtschaft und dann häufig in Bereichen wie Modedesign, Babysupport oder Kosmetik. Das ist schade, denn im Bereich Technologie gibt es zukünftig die größten Erfolgspotenziale, weshalb wir das Projekt „WOMEN IN TECH“ ins Leben gerufen haben: Apps statt oder zusätzlich zu Lippenstift quasi!

Claudia: Es geht ganz entscheidend um das Thema Inspiration und Motivation. Deshalb haben wir im Februar 2018 mit der Mannheimer „Female‘s Favour{IT}e“-Konferenz ein Startsignal gesetzt. Bei der Premiere waren 150 Frauen zwischen 25 und 35 Jahren dabei! Mit der Konferenz haben wir in Kooperation mit Hackerstolz e.V. eine Plattform geschaffen, auf der sich Frauen, die Interesse an einer Gründung im Tech-Bereich haben, austauschen und vernetzen können.

 

 

Was sind die besonderen Chancen für Frauen, eine Tech-Startup-Erfolgsgeschichte zu schreiben?

Lena: Tatsächlich ist es so, dass weibliche Eigenschaften wie die Sprachbegabung zum Beispiel beim Coden hilft, denn Coden ist auf eine Weise auch eine Sprache. Im nächsten Jahr werden wir deshalb Tech-Lectures und Workshops anbieten, um für Frauen viele konkrete Berührungspunkte mit Tech-Themen zu schaffen. Es geht darum zu zeigen, dass Tech-Themen keine „Black Box“ sein müssen. Es gilt seine eigenen Stärken in diesen Feldern zu entdecken.

Pricilla: Diese Berührungspunkte zu schaffen ist enorm wichtig, denn junge Frauen werden einfach nicht so mit Technik konfrontiert wie junge Männer – kein Wunder, dass sie sich nicht so häufig für Ingenieurwesen und Informatik einschreiben!

Welche Projekte habt Ihr in der Pipeline?

Claudia: Am 22. November ist um 17:30 Uhr unsere Kickoff-Veranstaltung im MAFINEX-Technologiezentrum für unsere Inspirational-Talks. Pricilla führt dafür Interviews im Rahmen unseres „Role Model-Projekts“. Gerade entsteht eine WOMEN IN TECH Facebook-Gruppe und nächstes Jahr am 16. März gibt es eine Fortführung der erfolgreichen „Female‘s Favour{IT}e“-Konferenz hier im MAFINEX Technologiezentrum. Mehrere Tech-Lectures sind über das nächste Jahr verteilt geplant, also stay tuned!

Pricilla: Diese Lectures sind für uns ein Proof-of-Concept: Gibt es tatsächlich genug Frauen, die sich für diese Themen motivieren lassen? Wenn das so ist wie erwartet, starten wir im Herbst 2019 unsere FemTech-School, das ist ein langfristiges Projekt und wir wollen uns auf die Praxis konzentrieren und spannende Partner dafür gewinnen.

 

 

Lena, wie war das eigentlich bei Dir selbst? Welcher Berufsweg hat Dich zu Deiner heutigen Position als Community Managerin im gig7 geführt?

Lena: Ich habe früher schon mit Startups gearbeitet, mich immer wieder mit verschiedenen Business-Modellen beschäftigt. Die Ausrichtung auf Frauen kam für mich erst im Mannheimer gig7 dazu. Für mich persönlich ist es einfach an der Zeit, dieses Thema in den Fokus zu nehmen. Ich bin überzeugt, dass es der Gesellschaft nur gut tun kann, wenn es ein ausgeglichenes Geschlechter-Verhältnis in allen Lebensbereichen gibt, in der Familie genauso wie in der Wirtschaft. Wir im gig7 sehen das als unseren Auftrag. Wir wollen etwas bewegen und mir macht es jeden Tag Spaß daran zu arbeiten.

Claudia: Das gig7 ist für STARTUP MANNHEIM ein wichtiges Zentrum, in dem wir nun schon seit Jahren verschiedene Angebote speziell für weibliche Gründerinnen bündeln – da hat Mannheim inzwischen eine Vorreiterrolle.

Lena: Hier können wir zum einen angehenden Gründerinnen optimale Starthilfe bieten, indem wir eine Community aus Gründerinnen aufbauen, die Business-Modelle auf Herz und Nieren prüfen, bezuschusste Büros vermieten und vieles mehr. Wir nehmen dabei immer die ganze Persönlichkeit in den Blick. Wir schauen nicht nur auf das Geschäftsmodell, sondern auch auf die persönliche Lebenssituation, die Interessen und Motive der Frauen. Das ist essenziell!

 

 

Geht es dabei mehr um Motivation oder um die Bewältigung struktureller Probleme?

Lena: Es geht um Unterstützung, Motivation, Stärkung und Sicherheit. Mit unserem Angebot aus Beratung, Netzwerk-Events und Seminar-Angeboten bereiten wir Gründerinnen und berufstätigen Frauen auf die strukturellen Probleme vor, denen sie begegnen werden. Wir coachen aber auch Frauen, die schon länger Unternehmerinnen sind und erfolgreich skalieren und wirtschaften wollen.  Wir motivieren und befähigen Frauen, die strukturellen Probleme zu überwinden und tragen damit dazu bei, diese Probleme langfristig zu beseitigen.

wit-mannheim.de


Interview: Paul Heesch / LA.MAG

Fotos: Sebastian Weindel




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