Strong Cosmetics

Eine Mannheimer Kosmetikmarke startet durch

Als Geschäftsführerin der Mannheimer Anixe Studios und der Synchronstudios Darkis ist die Unternehmerin Jennifer Lapidakis schon länger erfolgreich – nun hat sie mit ihrer Fitness-Kosmetikmarke Strong den mit über eine Million Euro dotierten Pitch Award des ProSiebenSat.1-Accelerators gewonnen – und startet durch.

 

Jennifer, mit Deinem Unternehmen Darkis Production synchronisierst Du für Kunden wie Netflix oder Amazon erfolgreich Filme und Serien. Was macht Euer Tonstudio im Mannheimer Gründungszentrum Musikpark so besonders?

Mit dem Anixe-Studio bieten wir in Mannheim schon seit vielen Jahren state-of-the-art Audio- und Videotechnik. Ich bin 2006 in das Unternehmen meines Vaters eingestiegen, der heute im Mannheimer Mafinex seine eigene HbbTV-Entwicklung leitet. Schon damals war ich im Musikpark für die Entwicklung des Studiobetriebs verantwortlich. Im Lauf der Jahre haben wir einen Pool von rund 150 Sprechern aufgebaut und bieten heute eine Alternative zu den bekannten und etablierten Stimmen. Des Weiteren sind wir eines der wenigen Dolby- und THX-zertifizierten Studios in Deutschland – und in Baden-Württemberg sogar das Einzige.

 

Ganz schön strong: Die Mannheimer Unternehmerin Jennifer Lapidakis.

 

Das klingt sehr arbeitsintensiv – und da hast Du noch genug Zeit, um mit der Kosmetikmarke Strong ein Startup aufzubauen?

Der Erfolg des Studios ist erst in den letzten drei Jahren mit immer mehr Aufträgen durch die Decke gegangen. Ich bin sehr glücklich, dass ich hier ein sehr gutes Team mit sieben fest angestellten Mitarbeitern habe, das mir die Freiheit gibt, mit Strong meine eigene Geschäftsidee zu entwickeln.

Wie kam es zu der Idee, eine eigene Kosmetiklinie zu starten?

Seit einigen Jahren mache ich intensiv Crossfit. Wir trainieren in einer Art Lagerhalle in Ludwigshafen und nach dem Training sagte eines Tages eine gute Freundin zum Spaß zu mir: „Hey Jenny, Du kannst doch nicht geschminkt trainieren – Dein Make-up wird völlig zerstört!“ Da ich aber wie viele Geschäftsfrauen meist direkt von der Arbeit zum Sport gehe, bleibt keine Zeit zum Abschminken – und so habe ich begonnen nach Make-up-Produkten zu suchen, die auch beim Training halten.

 

 

Und diese Produkte gab es vor Strong nicht?

Von den bekannten Herstellern wird zu wasserfestem Make-up und wasserfestem Mascara geraten. Ich habe unzählige Produkte ausprobiert und musste immer wieder feststellen, dass das nicht funktioniert. Zusammen mit meiner Freundin Ines beschloss ich eines Tages, nach einem Hersteller zu suchen, der für uns ein besseres Produkt entwickelt. In München haben wir dann eine Kosmetikherstellerin entdeckt, die seit über 40 Jahren am Markt ist und über immense Erfahrung verfügt. Sie hat sich sofort in unsere Idee verliebt und begann mit der Entwicklung.

 

 

Habt Ihr die Produkte dann selbst getestet?

Ja, klar – und als wir gesehen haben, dass es funktioniert, haben wir die im Labor entwickelten Produkte erfolgreich von 20 Frauen an der Sporthochschule Karlsruhe testen lassen. Und im Dezember 2015 waren wir dann schon startklar mit den ersten drei Produkten Make-up, Mascara und Eyeliner.

Klingt ganz einfach – aber hattet Ihr damals schon eine konkrete Vorstellung davon, was es bedeutet eine neue Kosmetiklinie auf den Markt zu bringen?

Die Entwicklung des Strong-Markenidee war vergleichsweise einfach: Kosmetikprodukte für erfolgreiche Powerfrauen, die auch beim Sport gut aussehen wollen – und dazu passend ein klares Markendesign in „strengem“ Schwarz-Weiß. Doch dann haben wir schnell gemerkt, dass es trotz eines guten Corporate Designs und hoher Produktqualität extrem schwierig ist, eine neue Kosmetikmarke zu etablieren.

Weil die etablierten Marken alles dominieren?

Wir haben gelernt, dass es da eine ganze Menge von Problemen gibt. Ein Online-Shop ist ja schnell gestartet, aber wenn man die Regeln des Vertriebs nicht kennt, ist es schwierig in den Handel zu kommen – vor allem in den stationären Handel.

Warum ist der stationäre Handel so wichtig?

Ein Produkt wie Strong ist erklärungsbedürftig und will von den Kundinnen direkt getestet werden. Das geht nur am Point of Sale, im stationärem Handel. Wenn man es beispielsweise schafft, mit einer großen Drogeriemarktkette zu arbeiten, ist das zwar positiv, aber man ist exklusiv gebunden und hat nur Zugang zu einem Teilmarkt. Allerdings ist es heute schon etwas einfacher, bei dm oder Rossmann reinzukommen – denn auch dort ist man auf frische Startup-Marken aufmerksam geworden.

 

 

Wie ist Euer Marketing jetzt aufgestellt?

Der Kampf um das Überleben begann direkt nach der Gründung mit Phase 1 – dem Start eines eigenen Onlineshops und der Präsenz auf großen externen Shopping-Plattformen. Da merkt man dann schnell, dass die Leute einem etablierten Anbieter wie Amazon viel mehr Vertrauen schenken, als einer noch unbekannten neuen Marke. Heute generieren wir 70 Prozent unseres Umsatzes mit Amazon.

 

 

Und was sind die folgenden Phasen?

Wir sind gerade in der Phase 2 und bauen unsere Präsenz in Fitnessstudios aus – also genau dort, wo die Produkte verwendet und getestet werden können. Ich bin dann mit unserem Strong-Schminktisch gerne selbst vor Ort, um direkt beraten zu können und die Reaktionen zu erleben. Ich habe in den letzten Jahren sehr viel Kosmetik-Knowhow erworben und weiß viel über die speziellen Anforderungen unterschiedlicher Hauttypen. Wenn man auf einer Messe mal über 100 Mädels geschminkt hat, dann versteht man am Ende des Tages, was direkte Marktforschung wert ist.

Und wie sind die Reaktionen?

Extrem positiv! Nur bei männlichen Vertriebspartnern tun wir uns schwer, weil sie die Problematik nicht aus eigenem Erleben kennen. Aber jede Frau, der beim Training schon mal das Make-up verlaufen ist, weiß: Mit Strong gibt es jetzt eine Lösung für ein altes Problem.

 

Ihr habt eine Menge Geld in die Marke und in die Entwicklung der Produkte investiert. Wie finanziert man ein Startup wie Strong?

Wir finanzieren uns aktuell aus eigener Kraft. Investoren aus Berlin hatten Interesse, aber ich habe gesagt: Wir arbeiten hier in Mannheim, produzieren in Mannheim, das Team lebt hier – da machen die weiten Umwege über Berlin keinen Sinn. Aber ehrlich gesagt begann ich schon zu zweifeln an dem Projekt, weil die Umsatzsituation kritisch war:  Zu viel, um aufzuhören und zu wenig, um die Entwicklung finanzieren zu können.

Und was hat Dich motiviert, durchzuhalten?

Unser Team! Vor allem meine Freundin Anka hat mir sehr geholfen. Als Unternehmensberaterin hat sie einen klaren und nüchternen Business-Blick auf die Marke. Sie nimmt die Emotionen raus und analysiert mit mir die Zahlen. Und nach fast drei Jahren sehen wir jetzt endlich, dass sich alle Kennzahlen kontinuierlich verbessern. Seit 2017 haben wir ein sehr gutes organisches Wachstum und jetzt macht es mir wieder Spaß. Belohnt wurden unser Durchhaltevermögen und unsere Liebe für das Produkt jetzt auch durch den Gewinn des ProSiebenSat1-Pitch Awards. Das gibt uns zusätzlichen Schub.

 

 

Kam das wirklich so überraschend?

Ja, absolut! Der Beginn war ja ganz schlicht unsere Teilnahme bei der Entrepreneur University in Darmstadt, wo sehr gute Speaker und Mentoren aus dem Startup-Umfeld zu erleben waren. Dort gab es auch eine Pitch Area und wir wurden dazu eingeladen, einen One Pager für den ProSiebenSat.1 Accelerator zu machen. Innerhalb von ein paar Tagen haben wir einen One-Pager eingereicht und am Freitag vor der Preisverleihung kam der Anruf, dass ich bitte persönlich da sein sollte – auch für die Abschlussfeier. Da ahnte ich natürlich schon was, aber als wir dann als Sieger auf die Bühne geholt wurden, waren wir völlig platt. Der Gewinn von einer Million Euro Mediawert ist eine riesige Chance für uns.

 

 

Wie setzt man eine Million Euro Mediavolumen ein?

Wir verhandeln gerade, wie genau wir nun präsent werden. Fest steht aber schon: Diese Reichweite über klassisches Fernsehen ist extrem wichtig. Dadurch könnten im besten Fall sogar Verbindungen zu Formaten wie Germanys next Topmodel entstehen – wer weiß. Und so sind auch Marken wie Zalando groß geworden.

 

 

Was sind nun die nächsten Pläne mit Strong?

Wir haben gerade unser Produktportfolio erweitert für Frauen, die gerne schöne Selfies machen. Über unser bisherigen Make-up-Basicset hinaus, haben wir nun auch Lipgloss, fünf Mattfarben und vier Nudeglossfarben, damit die Frauen mehr variieren können. Mit dem Launch sind wir auch bunter geworden. Ansonsten halten wir unsere hohe Qualität mit tierversuchsfreien Produkten, die bei Stiftung Warentest gute Bewertungen erhalten haben. Und unser Ziel steht ganz klar fest: 2019 die erfolgreichste neue deutsche Sportkosmetikmarke zu werden!

 


Interview: Ralf Laubscher / LA.MAG

Fotos: Sebastian Weindel

www.strong-fitness.de




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