OUI R

Kreativ erfolgreich: das Mannheimer Designstudio OUI R

Carolin Wanitzek und Dennis Adelmann sind die Köpfe hinter dem Mannheimer Designstudio OUI R. Mit bemerkenswerten visuellen Ideen verschmelzen sie analog und digital, suchen Schönheit in der Einfachheit und kreieren Identitäten für internationale Kunden von BASF über Swatch bis hin zum Google-Unternehmen Nest. Und nebenbei gehen Carolin und Dennis mit Paperwork- und Digitalprojekten auch eigene Wege…

 

Dennis, wie wichtig ist es für ein Kreativstudio wie OUI R mit einem kreativen Namen aufzufallen?

Dennis: Generell ist der Name nicht entscheidend für den Erfolg. Aber ein guter Name kann dazu beitragen aufzufallen und etwas lauter zu sein als die anderen. Auf das Wortspiel OUI R kam ich ganz spontan. Wir hatten zwar eine Liste mit vielen anderen Namen, doch OUI R war letztendlich unser Favorit.

 

Carolin Wanitzek und Dennis Adelmann, die Köpfe hinter dem Mannheimer Designstudio OUI R.

 

Sprechen Eure Kunden den Namen sofort richtig aus?

Unsere Kunden wissen interessanterweise immer gleich wie man das ausspricht – nur im Alltag gab es bisher Nachfragen. Als international ausgerichtetes Studio gefällt uns aber nicht nur das Wortspiel mit zwei Sprachen, sondern auch die optisch schöne Buchstabenkombination.

Mit OUI R entwickelt Ihr komplette Brandings für Kunden aus aller Welt.
Mit Euren Papierinstallationen und Digitalprojekten seid Ihr aber auch solo erfolgreich. Klingt nach Dreamteam, denn Ihr seid auch privat ein Paar. Erzählt doch mal Eure Story …

Caro: Wir haben beide an der Hochschule Mannheim Kommunikationsdesign studiert, uns dort kennengelernt und sofort gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge sind. Da wir in unterschiedlichen Bereichen arbeiten, ergänzen wir uns optimal – wir haben tatsächlich immer die gleiche Vorstellung davon, was wirklich gut ist. Wenn wir gemeinsam an unseren Projekten arbeiten, können wir uns absolut aufeinander verlassen.

 

 

Warum Kommunikationsdesign?

Caro: Ich bin nach meinem Abitur mit dem Schwerpunkt Ernährungswissenschaft den klassischen Weg gegangen und habe Chemie in Karlsruhe studiert. Nach einiger Zeit hatten sich meine Vorstellungen jedoch so weiterentwickelt, dass ich das Ganze hingeschmissen habe. Ich entschloss mich dazu, mich meiner zweiten Leidenschaft zu widmen – Kunst und Design. Meine Eltern fanden das ein bisschen schade, da das Spezialgebiet meiner Mutter auch die Chemie ist. Bevor sie im Labor gearbeitet hatte, war sie aber als technische Zeichnerin tätig, also haben wir da schon was gemeinsam. Also beschloss ich nach dem Berufskolleg in Karlsruhe nach Mannheim zu gehen, um Kommunikationsdesign zu studieren.

Dennis: Ich wusste sehr früh in welche Richtung es gehen soll. Schon in der Schule habe ich kleine Webseiten programmiert, dann habe ich mir selbst die gängigen Grafikprogramme beigebracht. Mein erstes Praktikum hatte ich lustigerweise im Jungbusch bei einem ganz kleinen Büro gemacht. Das war zwar ein bisschen mysteriös, aber es waren meine ersten Berührungspunkte mit professionellem Webdesign. In meiner Familie gab es keine große Verbundenheit zum Thema Design – dafür aber umso mehr in meinem Freundeskreis. Einer meiner engsten Freunde ist ebenfalls Designer und wir haben uns immer gegenseitig gepusht.

Nach dem Studium geht es für Kommunikationsdesigner meist um die Frage: selbständig machen – oder in den sicheren Hafen der Festanstellung einfahren. Wie war das bei Euch?

Caro: Für mich kam eine Festanstellung nie in Frage. Ich habe schon 2010 im 3. Semester an meinen ersten eigenen Aufträgen gearbeitet und bin parallel zum Studium in die Selbständigkeit hineingewachsen. Nachdem wir drei Jahre lang zuhause gearbeitet hatten, haben wir dann im Februar 2015 OUI R gegründet, was eine der besten Entscheidung unseres Lebens war – das hat uns kreativ und auch persönlich sehr viel weitergebracht.

Dennis: Ich habe auch schon während des Studiums selbstständig gearbeitet. Die ersten Kunden kamen aufgrund meiner Webseite auf mich zu und ich hatte so viele und interessante Anfragen, dass die Entscheidung zu gründen, die logische Konsequenz war, um professionell auftreten und größere Kunden ansprechen zu können.

 

 

2015 seid Ihr in das Kreativwirtschaftszentrum C-HUB einzogen. Richtige Entscheidung?

Absolut! Seitdem werden wir noch viel stärker von Kunden wahrgenommen und haben die Möglichkeit bekommen, tolle Projekte umzusetzen. Unter anderem durften wir die Material Selection 17/18 für die Designfabrik der BASF konzipieren und gestalten. Auch auf Projektebene hat uns die Kreativcommunity im C-HUB mehrere Jobs gebracht. Entstanden sind spannende Kollaborationen mit anderen Kreativen im Haus und aktuell kann Caro ihre Installation „The Border between Dreams and Reality“ hier ausstellen.

 

 

Caro, warum heißt Deine Installation im C-HUB „The Border between Dreams and Reality“: Träumst du etwa von Deiner Arbeit?

Caro: Leider träume ich gar nicht – beziehungsweise ich kann mich nur selten daran erinnern. Nein, hier geht es, wie der Name schon verrät, um die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit. Das Ursprungsprojekt ist 2010 im Hauptfach Fotografie entstanden. Unsere Aufgabe war es, eine Bilderserie zum Thema „Grenze“ umzusetzen. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit zu visualisieren. Dazu benötigte ich natürlich eine Technik, wie ich die Traumwelten in meinen Fotos darstellen konnte. Inspiriert hatte mich damals das Papercraft Buch vom Gestalten Verlag. Und so habe ich fünf Traumwelten aus Papier gebaut, im Fotostudio mein Model in einem Bett fotografiert und im Nachhinein die reale Welt in meine Papierillustration eingesetzt. Damit war meine erste Arbeit mit Papier geboren und wurde lustigerweise dann auch im Papercraft 2 vom Gestalten Verlag veröffentlicht.

 

 

Warum Papierillustration?

Caro: Genau dieses Projekt ging im Netz durch viele internationale Blogs. Ich wurde unter anderem vom Wired-Mag und Fast Company aus New York und von Ignant aus Berlin interviewt und das war quasi mein Start als Paper-Artist. Es kamen immer mehr Anfragen von Unternehmen wie HP oder Nest von Google. Ich hatte ziemlich schnell erkannt, dass ich damit eine Nische bedienen kann und mich darauf spezialisiert. Da ich hauptsächlich Fotografie studiert habe, kann ich das perfekt miteinander kombinieren.

 

 

Deine neuen, raumfüllenden Installationen sind äußerst komplex. Wie löst Du das technisch?

Caro: Die Planung mache ich mit Stift und Papier, ganz klassisch. Ab und zu entstehen auch Templates am Rechner mit Illustrator, aber bei Einzelobjekten ist es einfacher sie direkt auf dem Papier mit Geodreieck und Bleistift zu konstruieren. Fast wie im Matheunterricht früher. Denn dafür benötige ich die simplen Formeln der Geometrie. Ich muss mir genau überlegen, welche Höhe beispielsweise ein Kegel haben soll. Anhand dieses Parameters kann ich dann die Seitenlänge berechnen und weiß somit, wieviel Papier ich benötige. Im Grunde simple Geometrie. Bei den kleineren Installationen, die fotografiert werden, muss alles sehr genau berechnet werden. Je größer die Objekte werden, wie bei der Installation im C-HUB, desto einfacher wird es. Da besteht die Schwierigkeit dann eher darin, dass man die Menge der Materialien korrekt berechnet.

Und Du hast kürzlich auch in Kalifornien ausgestellt?

Caro: Ja, Wonderspaces aus Los Angeles hatten mein Projekt „The Border“ im Web gesehen und mich gefragt, ob ich Lust habe, meine Installation bei Ihrem Format in San Diego im Frühjahr 2017 zu präsentieren. Sie warenüberrascht, dass mein Projekt aus Fotoillustrationen im kleinen Maßstab bestand und haben mich gefragt, ob ich das Ganze als Rauminstallation umsetze wolle. Natürlich war ich sofort angetan, da es ja die Ursprungsidee des Projektes war. Ich plante zum ersten Mal eine Installation in diesem Ausmaß und das ganze Team kam schnell an seine Grenzen – finanziell wie organisatorisch. Denn auch für die Leute von Wonderspaces war es das erste Mal. Sie hatten sich dann dazu entschlossen, meine Installation erst bei der zweiten Show zu zeigen, da alles zu knapp wurde. Nach einem Jahr langer Planung war es dann im Mai 2018 soweit. Ich bin nach San Diego geflogen und habe 10 Tage lang jeweils 13 Stunden pro Tag mit der Unterstützung von tollen Studenten an der Installation gearbeitet. Zusammen haben wir rund 800 Stunden damit verbracht den Wald zum Leben zu erwecken. Es sind immer wieder Probleme aufgetreten, für die ich schnellst möglichst eine Lösung finden musste. Das hat mir für meine Arbeitsweise wahnsinnig viel gebracht und am Ende hat alles super geklappt!

 

 

Wie akquiriert Ihr mit OUI R Kunden und Aufträge?

Dennis: Bisher mussten wir nicht viel Akquise betreiben, da viele unserer Kunden im Internet auf uns aufmerksam geworden sind. Durch unsere internationalen Projekte haben wir uns auch ein gutes Netzwerk aufgebaut. Wir haben viel Zeit in New York verbracht, haben mehrere Monate dort gelebt und gearbeitet. Das hat uns auf persönlicher wie auch kreativer Ebene enorm vorangetrieben. Wir haben dort viele Designer aus der ganzen Welt kennengelernt, man hat sich vernetzt, steht in Kontakt und es haben sich teilweise auch tolle Freundschaften entwickelt.

 

 

Was habt ihr von Euren kreativen Aufenthalten in New York mitgenommen?

Dennis: Eine Stadt wie New York kann wirklich Kreativität boosten. Wir waren ständig von Inspirationen umgeben und das hat viele gute Ideen ausgelöst.

Caro: Man wird in New York wirklich gepusht und von dieser Erfahrung profitieren wir heute immer noch sehr. Dennis war hauptsächlich bei Sagmeister & Walsh im Studio und ich hatte das Glück, dort ein Projekt für den Spiegel Wissen umsetzen zu dürfen. Ansonsten habe ich mich unter der Woche viel in der Stadt herumgetrieben und alles an Inspiration aufgesaugt. Wir waren viel in Galerien und Kunstmuseen unterwegs, vor allem das Guggenheim Museum hat uns architektonisch sehr beeindruckt.

Dennis: Wenn man den direkten Vergleich mit einer Metropole wie New York hat, erscheint einem Mannheim manchmal doch ein bisschen langsam – aber dafür macht es Spaß, hier in einer Phase ein Designstudio aufzubauen, in der Mannheim sich sehr dynamisch entwickelt. Es fühlt sich gut an, ein Teil dieser Entwicklung zu sein. Und ich finde auch wichtig, dass Kreative hier bleiben, um das Thema Design weiter voranzubringen.

 

 

Ihr habt viele internationale Kunden und seid viel im Ausland unterwegs. Gibt es keine Auswanderungspläne?

Caro: Also ehrlich gesagt haben wir schon oft darüber nachgedacht ins Ausland zu gehen, und die Idee kommt auch immer wieder auf. Da wir projektbedingt sehr viel reisen, sind wir, was das Fernweh angeht, gerade ziemlich befriedigt. Es ist super spannend und sehr inspirierend immer wieder in neuen Umgebungen, mit neuen Leuten zu arbeiten. Im Moment ist jedoch Mannheim unser Zuhause – doch wer weiß, wo uns die Reise noch hinführt.

Mit UNCOVER und CAPTCHA hat Mannheim bereits zwei Designfestivals und immer mehr Agenturen und Freelancer arbeiten in diesem Bereich. Ist Mannheim aus Eurer Sicht bereits eine Designstadt?

Dennis: Momentan ist es noch zu früh für dieses Etikett, aber ich finde, wir sind auf einem sehr guten Weg.

 

 

Dennis, Deine Welt ist digital – und Du gestaltest nicht nur, sondern programmierst auch. Warum?

Dennis: Man muss nicht unbedingt beides können, aber es ist natürlich enorm von Vorteil, wenn man den technischen Background versteht für den man gestaltet. Für mich ist es daher wichtig, auch die Programmierung zu beherrschen, um die Machbarkeit bestimmter Gestaltungsideen beurteilen zu können oder selbst umzusetzen. Momentan sind wir auch sehr daran interessiert zeitgemäße Technologien zu verwenden um damit neue Dinge zu gestalten und unerwartete Ebenen zu schaffen. Gerade die Verbindung analoger und digitaler Medien hat großes Potential.

Wovon hängt es ab, ob ihr als Projekt gemeinsam als OUI R umsetzt – oder jeweils solo?

Caro: Ganzheitliche Brandings, Set Designs oder auch Schaufensterkonzepte setzen wir meist zusammen als OUI R um – aber es gibt natürlich auch unsere Soloprojekte. Dennis ist vor allem für das Konzept und die Gestaltung digitaler Projekte inklusive Frontend-Entwicklung zuständig, und ich entwickle dazu die visuellen Konzepte, die dann je nach Auftrag unterschiedlich umgesetzt werden, manchmal mit Papier aber oft auch mit anderen Materialien und Techniken. Eine meiner Stärken ist es im Raum zu denken. Nachdem ich meinen Master in Szenografie gemacht habe, arbeite ich viel für Museen und entwickle deren Ausstellungskonzepte. Gemeinsam arbeiten wir auch seit ca. 2 1/2 Jahren an einem Projekt im Bereich Produktdesign, welches wir Im Frühjahr 2019 releasen werden!

Seht Ihr Euch auch als Werbeagentur?

Dennis: Nein, eher nicht. Wir verstehen uns als multidisziplinäres Designstudio. Natürlich machen wir auch Werbung, jedoch nicht im klassischen Sinn. Unsere Herangehensweise an Projekte ist sehr frei, trotzdem verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz. Viele Werbeagenturen engagieren uns für den kreativen Part. Kürzlich habe ich unter anderem an einer Kampagne für Adidas Originals in New York mitgearbeitet.

Wie funktioniert für Dich digitale Werbung heute. Was ist wirklich relevant?

Dennis: Die Marketing-Kommunikation sollte grundsätzlich auf einen Mix mehrerer Kommunikationskanäle setzen. Auf keinen Fall darf man ausschließlich auf Social Media setzen. Instagram und Facebook sind enorm wichtig, bieten aber eine andere Strategie als die einer Website, welche immer noch oder gerade aus diesem Grund ihre Relevanz hat. Mit einer sehr gut gemachten Seite kann man sich bewusst von anderen Marken oder Produkten abheben.

 

 

Wenn ihr mal gerade kein Projekt designt – wie gestaltet Ihr Euer Leben in Mannheim?

Caro: Ich würde sagen, sehr entspannt. Wir treiben viel Sport, kochen sehr gerne und gehen auch mit Vorliebe gut essen. Deshalb freut es uns besonders, dass die Mannheimer Gastronomie immer größer und vielfältiger wird. Zu unseren Favoriten zählen das Mémoire d’Indochine, das Bori und das Burrito Baby, unseren Kaffee trinken wir am liebsten bei Helder&Leuwen oder im Lauri – und im Lido wird gefrühstückt: Rührei auf Bauernbrot für Dennis, Rührei mit Avocado und Milchreis mit frischen Beeren für mich. Natürlich darf auch da nicht der Kaffee fehlen! Zu unseren Lieblingsorten zählen auf jeden Fall die Speicher 7-Bar und die Kunsthalle. Und das Pflanzenschauhaus mit den Schmetterlingen im Luisenpark ist mein absoluter Ruheort!


Interview: Ralf Laubscher / LA.MAG

Fotos: Daniel Lukac

Kunsthalle Mannheim: Alicja Kwade, Die bewegte Leere des Moments, 2015/2017, © Alicja Kwade

www.oui-r.de




Neueste Beiträge