Opal Analytics

Big Data in Echtzeit für den Handel

Jeden Tag wandern in Supermärkten und Bäckereien tausende Tonnen Lebensmittel in den Müll. Marc Huber und Alexander Gossmann kämpfen mit ihrem Startup Opal Analytics erfolgreich gegen diesen Wahnsinn an: intelligente Software liefert dem Handel Echtzeit-Analysen und präzise Prognosen für den täglichen Bedarf.

 

Marc, was war zuerst? Die Idee, mit dem eigenen Unternehmen innovative Software zu entwickeln oder der Wunsch, die Welt ein wenig zu verbessern?

Marc Huber: Wir haben an der Uni Mannheim Wirtschaftsinformatik studiert – mit einem Fokus auf Big Data und die Analyse operationaler Daten. Für die Promotion suchten wir ein interessantes Thema und sind durch Zufall darauf aufmerksam geworden, dass täglich tonnenweise Lebensmittel weggeworfen werden – aufgrund schlechter Bedarfsplanung! Als uns ein Partner aus dem Handel ein paar Milliarden Datensätze zur Verfügung gestellt hat, wussten wir: das ist nicht nur ein wissenschaftlich spannendes, sondern auch ein sinnvolles praktisches Thema.

Wie wurde aus dem Forschungsprojekt das Unternehmen Opal?

Alexander Gossmann: Im März 2014 wurde das Institut von Professor Steffens aus gesundheitlichen Gründen geschlossen und wir haben das Potenzial gesehen, aus unserem Prototypen eine Vertriebs-Software zu entwickeln, an der wir seit April 2014  in Vollzeit arbeiten. Da wir schon während der Promotion als Berater tätig waren, hätten wir sicher eine Beraterkarriere verfolgen können, aber die Selbstständigkeit fanden wir spannender.

Ein gutes Produkt zu entwickeln ist eine Sache – das Gründen einer Firma eine ganz andere. Wurdet Ihr gut beraten?

Marc Huber: In Mannheim wird man als Gründer von allen Seiten unterstützt. Schon an der Universität wurden wir gut beraten und haben mit Hilfe der Mannheimer Wirtschaftsförderung ein Exist-Gründerstipendium beantragt, das auch schnell bewilligt worden ist. Wichtig waren für uns Events wie Speed Dating-Pitches, die es uns ermöglicht haben, ein Netzwerk in der Gründerszene aufzubauen.

Was macht die Opal-Software besonders?

Alexander Gossmann: Uns macht das Verfahren einzigartig, wie wir unterschiedlichste Datenquellen für unsere Prognosen nutzen: wir betrachten jeden Artikel in jeder Filiale individuell und können auf Basis jeder einzelnen Transaktion in Echtzeit und den automatisch ermittelten Kontextinformationen Prognosen erstellen. Das System ist damit sehr flexibel, schnell und selbstlernend durch die verwendeten Maschinenlernverfahren. In der Software stecken fünf Jahre Entwicklungsarbeit.

Wie funktioniert die Anwendung in der Praxis?

Alexander Gossmann: Angenommen, bei den täglichen Prognosenläufen eines Supermarktes wurde schönes Grillwetter prognostiziert, aber am geplanten Tag der Fleischproduktion gibt es eine Gewitterwarnung. Opal reagiert darauf in Echtzeit und reduziert die Prognosemengen dynamisch.

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Marc Huber (ganz rechts) und Alexander Gossmann von Opal im Kundengespräch mit Daniel Gürtler, kaufmännischer Leiter und Prokurist der Bäckereikette Görtz.

 

Wo seht Ihr Opal im Jahr 2017?

Alexander Gossmann: Unsere Software ist auch auf andere Branchen übertragbar – etwa auf die Pharma- und Chemieindustrie oder auf Automobilzulieferer. Mit unserem sechsköpfigen Team arbeiten wir deshalb an der Standardisierung unserer Software. Um stärker wachsen zu können, braucht es nun eine neue Finanzierungrunde.

Wie kommt man in dieser Phase an Geld?

Marc Huber: Unser Fokus war von Anfang an, so viel Umsatz zu machen, um aus uns selbst heraus wachsen zu können. Als Tech-Startup ist das nicht einfach, deshalb war es hilfreich, dass der Beteiligungsfond Mannheim als erster Investor eingestiegen ist. Darüber hinaus nutzen wir die gute Mannheimer Gründer-Infrastruktur mit ihren Verbänden und Veranstaltungen. Bei Events trifft man Business-Angels und institutionelle Investoren, aber oft ergeben sich Kontakte auch aus privaten Netzwerken.

Wie ist bei Opal der interne Workflow organisiert?

Marc Huber: Unser Ding war immer Learning by Doing. Wir haben uns die Aufgaben angeschaut und dann untereinander sinnvoll aufgeteilt. Uns kam zu Gute, dass wir unterschiedliche Backgrounds haben: ich war zuerst Berater bei der SAP und während der Promotion beim Pumpenhersteller KSB – bei Opal bin ich für den Bereich Finanzen, Personal, Organisation und die Frontend-Entwicklung verantwortlich. Vor allem die Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit und Anwendbarkeit unserer Lösungen sind mein Fokus.

Alexander Gossmann: Ich war früher BI-Berater in unterschiedlichsten Branchen, zuletzt während meiner Promotion beim Automobilzulieferer Freudenberg. Als Geschäftsführer bin ich für die strategische Ausrichtung und den Vertrieb verantwortlich. Mein Fokus ist die Datenverarbeitung von transaktionalen Massendaten in Echtzeit, sowie die Weiterentwicklung der Prognosealgorithmen.

Warum seid Ihr in das Gründungszentrum Mafinex gezogen? 

Marc Huber: Zuerst haben wir die Bibliotheksräume der Universität genutzt, denn damals gab es noch keine Coworking-Spaces in Mannheim. Heute haben wir perfekt ausgestattete Räume im Gründungszentrum Mafinex. Für uns kam auch nie eine andere Stadt als Mannheim in Frage – denn beispielweise von Berlin aus wären die Wege zu unseren Kunden einfach zu weit. Mannheim liegt verkehrstechnisch extrem günstig.

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Wie wichtig ist die Verbindung zu Hochschulen?

Alexander Gossmann: Wir finden es sehr gut, dass die Uni Mannheim neue Modelle aufbaut, um die am Markt dringend benötigten Ausbildungsprofile für Data Scientisten anzubieten. Ab Herbst 2017 soll es einen Data Science-Studiengang geben – aber leider begrenzt auf 25 Studierende. Ich möchte aber die sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit Prof. Stuckenschmidt vom Lehrstuhl für Data Science hervorheben – wir arbeiten seit 2014 im Rahmen eines Forschungsvertrages zusammen.

Wie findet man gutes Personal?

Marc Huber: Unsere Software bedarf eines hohen Forschungsaufwands. Wir profitieren sehr von der Kooperation mit der Universität: durch Abschlussarbeiten, aber auch durch die Arbeit mit Praktikanten und Werksstudenten können wir gezielt unseren Nachwuchs aufbauen.

Wir überzeugt Ihr Absolventen zum Einstieg bei Opal?

Alexander Gossmann: Bei uns haben junge Menschen ganz andere Chancen als bei einem großen Unternehmen. Wir bieten die Möglichkeit, mit uns zu wachsen. Wer bei uns startet, wird eventuell schon in einem Jahr für ein ganzes Team verantwortlich sein. Wir suchen nach Leuten, die unsere Ideen mit uns in die Zukunft tragen.

Und wie erhält man trotz Alltagsstress seine Kreativität?

Marc Huber: Für mich ist es wichtig Sport zu machen. Ich liebe es, im Pfälzer Wald Mountainbike zu fahren – dort bin ich sehr gerne mit der Hochschulsportgruppe unterwegs.

Alexander Gossmann: Ich verbringe gerne Zeit mit der Familie – und in Mannheim fühlen wir uns so wohl, dass wir uns entschlossen haben, mit Opal hier langfristig zu bleiben.

Interview: Ralf Laubscher / LA.MAG

Fotos: Daniel Lukac

 


www.opal-analytics.com

www.mafinex.de




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