Music Commission

Die One-Stop-Agency für Musikschaffende

Deejay, Vocals, Gitarre … auch als Band wäre die Mannheimer Music Commission ein spannendes Crossover-Projekt. Aber Steffen Baumann, Beril Yilmam und Pascal König stehen nicht zusammen auf der Bühne. Als One-Stop-Agency für Musikschaffende orchestrieren sie den Sound Mannheims – der UNESCO City of Music. 

 

Welche To Do‘s hat die Music Commission gerade auf dem Tisch?

Steffen Baumann: Bei uns ist gerade so einiges los!  Die Festivalsaison 2018 steht in den Startlöchern. Wer die UNESCO City of Music Mannheim kennt weiß: da ist wieder eine Menge geboten. Los geht’s mit der Time Warp am 7. April auf dem Maimarkt, 14 Tage später geht’s auch elektronisch weiter – das Jetztmusik Festival ist wieder am Start. Alex, Patrick und Dennis haben sich wieder einen Haufen experimentelles Zeug einfallen lassen – ihr dürft gespannt sein! Ende April geht dann das Hafenfestival rund um den Musikpark in die zweite Runde, bei dem Cosmopop mit Sven Väth, Loco Dice, und über 30 weiteren Acts wieder ein tolles Line-Up zusammengestellt hat. Und dann kommt auch schon das Maifeld Derby von Timo Kumpf, bei dem auch schon Bands aus dem Bandsupport Mannheim aufgetreten sind, darunter zum Beispiel Cinemagraph und Luna & Lewis, was uns natürlich besonders freut. 2018 wird definitiv laut und geht nach vorne – so ist Mannheim eben.

 

Steffen Baumann: Leiter der Mannheimer Music Commission – und DJ mit Stammplatz bei der alljährlichen Time Warp.

 

Das Gründungszentrum Musikpark und das Clustermanagement Musikwirtschaft existieren in Mannheim schon seit vielen Jahren, die Music Commission erst seit 2017. Warum diese neue Struktur?  

Steffen Baumann: Als wir den Musikpark eröffnet haben, gab’s in Mannheim noch keine Kreativwirtschaftszentren. Hier hat sich alles versammelt, was das Thema Musik als gemeinsamen Nenner hatte. Es war der Grundstein einer Erfolgsgeschichte: Heute haben wir insgesamt acht Zentren, von denen vier kreativwirtschaftlich ausgerichtet sind. Wir machen die Musik – die Kollegen teilen sich die anderen Spielarten der Kreativwirtschaft. 2017 war es an der Zeit, unser Thema Musik neu aufzustellen. Bis dato hat jeder sein eigenes Süppchen gekocht. Es gab den Musikpark, das Clustermanagement Musikwirtschaft, die Stelle für Musik- und Popkultur beim Kulturamt und das Thema UNESCO City of Music, das in Mannheim von Rainer Kern betreut wird. Alle sind wir unabhängig voneinander mit unseren Fahnen durch Musikdeutschland marschiert. Da war es wichtig alles unter dem Dach der Music Commission zu konsolidieren. Heute sind wir eine One-Stop-Agency und wollen erreichen, dass die Musikwirtschaftsförderung künftig mehr „bottom-up“ und nicht „top-down“ abläuft.

Beril Yilmam: Seit wir unter einem Dach sitzen, spielen wir alle nach den gleichen Noten. Als Beauftragte für Musik- und Popkultur ist es meine Aufgabe, Formate für die musikalische Nachwuchsförderung zu entwickeln. Das war schon bei meinen Vorgängern Markus Sprengler und Sebastian Dresel ein wichtiger Teilbereich. Außerdem betreue ich Veranstalter, vom Maifeld Derby bis hin zum Jetztmusik Festival. Formate also, die über Zuschüsse des Kulturamts mitfinanziert werden. Wir sind heute die zentrale Anlaufstelle, egal ob es um Nachwuchsförderung oder um Existenzgründung geht.

Pascal König: Ich habe 2017 den Slot von Matthias Rauch übernommen, der jetzt das Thema Kulturelle Stadtentwicklung betreut. Mit ihm arbeite ich im Bereich Cross-Cluster eng zusammen: ein spannendes, interdisziplinäres Themenfeld.

 

Beril Yilmam, Beauftragte für Musik- und Popkultur der Stadt Mannheim

 

In der Music Commission wächst also zusammen, was zusammengehört?

Steffen: Definitiv! Dank Beril arbeiten wir heute Schulter an Schulter mit Sabine Schirra, der Kulturamtsleiterin. So haben wir noch mehr an Schlagkraft gewonnen.

Pascal: Stimmt, schau dir mal 2017 an – da hatten wir so viele Aktivitäten wie noch nie zuvor!

Beril: Ich bin total dankbar, dass sich hier jetzt der Kreis schließt. Bei unseren Themen bedingt einfach das eine das andere.

Wie sieht Mannheimer Musik- Nachwuchsförderung 2018 aus?

Beril: Wir vermieten zum Beispiel Bandbusse zu super günstigen Konditionen. Die Nachfrage ist gewaltig, das wird extrem gut angenommen. Außerdem unterstützen wir bei der Suche nach Proberäumen, die sind in Mannheim zurzeit extrem rar. Wir schaffen Plattformen für den Kreativaustausch. Es geht uns darum, dass kreatives Potenzial gesehen wird, damit es auch effektiv gefördert werden kann.

Steffen: Früher war das Ziel schon erreicht, wenn eine Band nach fünf Jahren noch Musik gemacht hat. Im Zuge der Angliederung der Nachwuchsförderung an das Existenzgründungs- und Startup-Thema ist es uns gelungen, den Professionalisierungsanspruch bei Newcomern deutlich zu erhöhen. Die Neuen bekommen heute Coachings mit dem Ziel, dass sie lernen Fuß zu fassen und gut von ihrer Musik zu leben. Wir schaffen Synergien, damit Künstler sich ein Studio mieten und auch ein Album produzieren können. Wir monitoren den Nachwuchs heute enger und versuchen ihn langfristig im Mannheimer Umfeld zu halten.

Welche Rolle spielt die Popakademie?

Steffen: Mit der Popakademie arbeiten wir schon immer eng zusammen. Zum einen haben wir jahrelang einen gemeinsamen Auftritt auf Messen wie der Popkomm oder der Musikmesse bespielt, zum anderen treten wir auch nach wie vor im Schulterschluß auf dem Reeperbahnfestival im Rahmen unseres „Meet the Mannheimers“-Abends auf. Hinzu kommt, dass die Popakademie lange Zeit einen Co-Working-Space mit uns im Musikpark betrieben hat, in dem sich Studenten Seed-Projekten widmen konnten. Dieses Co-Working war im Übrigen auch mal der erste Arbeitsplatz von Timo Kumpf, aus dem heraus er das Maifeld-Derby geplant hat. Mittlerweile ist er mit seiner Arbeit aber so erfolgreich, dass er dem Musikpark entwachsen ist. Realtiv neu ist, dass wir seit einiger Zeit viel im Bereich Existenzgründung an der Popakademie arbeiten, weil wir die Beratungen zu diesem Thema übernommen haben. Dadurch haben wir jetzt deutlich engeren Kontakt zu den Studenten dort, wodurch die Zusammenarbeit enorm an Wachstumspotential gewonnen hat. Durch Frank Zumbruch, den Leiter der Creative Commission, der auch als Dozent an der Popakademie tätig ist, gibt es noch einen weiteren Schulterschluss zwischen den Institutionen.

Beril: Als Absolventin der „Poppe“ fühle ich mich ihr sowieso total verbunden. Unsere Zielgruppe ist aber nicht nur die Studentenschaft der Popakademie, sondern generell alle Musikschaffenden.

 

Pascal König (links) und Steffen Baumann

 

Welche Themen beschäftigen euch aktuell?

Steffen: Immer spannend ist die Mieterstruktur bei uns im Musikpark. Vor Kurzem ist Danny Fresh eingezogen, auch er ist Absolvent der Popakademie. Die meisten kennen ihn von seinem täglichen News-Rap auf Big FM. Mit seiner Frau Laura Bellon hat er sich jetzt bei uns ein Studio eingerichtet. Sie ist eine begnadete Künstlerin, die man unter anderem als Backgroundsängerin aus der TV-Show Sing meinen Song oder von Gregor Meyle kennt. Und das Megathema, das gerade über allem steht, ist aber ganz klar der Guitar Summit, den Pascal federführend auf die Beine gestellt hat.

Pascal: Ursprünglich war die Veranstaltung als Gitarrenfestival geplant, aber in den drei Jahren Vorarbeit hat der Guitar Summit eine Eigendynamik entwickelt und ist schließlich zur größten Gitarrenmesse Europas mutiert, und das gleich im ersten Jahr. Auch zukünftig wird der Mannheimer Rosengarten an drei Tagen im September der Treffpunkt für Gitarrenenthusiasten aus der ganzen Welt sein. Gitarren sind seit dem 16. Lebensjahr mein Spezialgebiet, zunächst als mein Musikinstrument, später aber auch beruflich. Lange habe ich für das Session Music in Walldorf mit Gitarren gehandelt, seit 2013 bin ich auf dem Gebiet selbstständig tätig. Mittlerweile gibt es Gitarren, die eher als Sammlerobjekt und Kunstgegenstand verstanden werden, denn als Musikinstrument. Eine Schnittstelle zwischen Musik- und Kunstszene.

 

 

Apropos Gitarre – hier in Steffens Büro stehen auch welche, dabei bist du doch als DJ bekannt.

Steffen: Als kleiner Bub habe ich Gitarre und Schlagzeug gelernt – kann aber beides nur so halb. Heute spiel ich nur noch ganz selten live, vielleicht so fünfmal im Jahr. Gemeinsam mit unserem Chef Christian Sommer an der Gitarre und am Mikrofon, Frank Zumbruch am Bass, und Marc Zimmer vom Mafinex an der zweiten Gitarre sind wir die Diebe der Liebe. Das ist eine Art Fun-Projekt zur Mannheimer Fastnacht – Ehrensache als ehemaliger Stadtprinz. Ansonsten bin ich aber eher an den Turntables oder im Radio zuhause und elektronisch getaktet, da freue ich mich natürlich schon sehr auf meine Sets auf der Time Warp oder dem bereits erwähnten Hafenfestival. Privat höre ich allerdings weniger Techno. In meinem Auto läuft mittlerweile fast nur noch SWR 2 – ich steh total auf Klassik… und ein wenig Kultur hat bekannterweise ja auch noch keinem geschadet.

Beril, Pascal, wie sieht’s bei euch aus – macht ihr noch selbst Musik?

Beril: Schon, aber nicht mehr so häufig wie noch vor ein paar Jahren. In meinem früheren Leben war ich Live- und Studiosängerin für verschiedene Musikformationen. Ich habe sogar schon mal einen Ausflug in den Schlager gewagt und war Sängerin für Semino Rossi. Direkt nach dem Studium habe ich seine Tour begleitet – über fünfzig Konzerte. Eine super Erfahrung, die ich nicht missen wollte. Als aber hier die Jobzusage kam, war die Entscheidung schnell getroffen. Schließlich habe ich auch einen Master in Kultur- und Medienmanagement gemacht und da hat es mich immer schon auch hinter die Kulissen gezogen. Schön ist, dass Semino sich auch heute noch meldet, wenn er in der Gegend ist.

Pascal: Ich komme nur noch selten dazu Gitarre zu spielen. In den 90ern war ich Gitarrist von Laith Al Deen, aber irgendwann muss man sich einfach entscheiden auf welcher Seite des Tresens man stehen möchte. Wir merken allerdings in unseren Office-Jobs, dass unsere Erfahrungen als Musiker von unschätzbarem Wert sind. Wir kennen die Probleme der Musikschaffenden aus erster Hand.

Steffen: Mit das Größte an unserem Job ist, dass wir mit Christian Sommer einen Chef haben, der uns komplett den Rücken freihält, wenn’s uns doch mal wieder auf die große Bühne zieht. 2010 habe ich das Angebot bekommen eine wöchentliche Residency im Space auf Ibiza zu spielen. Das ist der absolute Traum eines jeden Elektronik-DJs. Eigentlich ist es ein Ding der Unmöglichkeit so zwei Jobs unter einen Hut zu bekommen. Aber Christian hat mich voll und ganz unterstützt. „Klar machst du das, fackel nicht lang rum“ – meinte er nur. Ich bin dann zwei Jahre lang den ganzen Sommer einmal in der Woche mittags um 15:30 Uhr raus aus dem Büro, bin nach Frankfurt gefahren, um 18:00 Uhr ging der Flieger nach Ibiza. Dort angekommen habe ich geduscht und bin ab in den Club. Nach 2-3 Stunden Schlaf ging’s wieder über Malle nach zurück Frankfurt. Weniger als 24 Stunden später saß ich dann wieder hier im Musikpark am Platz, und das jeweils vom Opening im Mai bis zum Closing Anfang Oktober. Einen Chef, der so was supportet, denn musst du erstmal finden. Das vergesse ich ihm nie.

Wie geht’s weiter mit der Music Commission? Was ist der Plan?

Steffen: Visionen, Ideen und Konzepte gibt es natürlich immer. Räumlich betrachtet, stoßen wir mit dem Musikpark an unsere Grenzen. Wir sind voll ausgelastet, der Bedarf an Büros, Studioflächen und Proberäumen wächst aber ständig. Immer neue Startups kommen hinzu und etablierte Gründungen wachsen weiter. Michael Herberger von den Söhnen Mannheims erarbeitet gerade ein visionäres Konzept für einen Musik-und Medienpark im Benjamin Franklin Village. Mit ihm stehen wir in engem Kontakt und lassen dort unsere Erfahrungen aus 15 Jahren erfolgreicher Arbeit im Musikpark mit einfließen. Die Zeichen stehen gut, dass wir den Spirit der Music Commission in Zukunft auch auf die Konversionsflächen der Stadt Mannheim hinaustragen werden. Der Bedarf ist da und wir wären bereit diesen Schritt in die Zukunft zu gehen. Mich würde es freuen, wenn eines Tages Nachwuchskünstler und Startup-Unternehmer sich dort mit Michael Herbergers Profimusikern die Klinke in die Hand geben. Das würde aufregende neue Schnittstellen ergeben. Eine Plattform, auf der sich Musik-Establishment und Nachwuchs gegenseitig inspirieren und Neues entsteht. Das wird Mannheim als UNESCO City of Music weiter aufwerten.

Beril: Ich freue mich auf die Veranstaltungen, Workshops, Musikvideoproduktion und Fotoshootings zum Thema Bandsupport. Auch dieses Jahr werden wieder sechs Nachwuchsbands vor 15.000 Menschen im Ehrenhof auf dem Mannheimer Schlossfest spielen. Auch 2018 sind wir unter dem Motto Meet The Mannheimers auf dem Reeperbahnfestival vertreten. Und das Beste daran ist, dass ich dabei nicht mehr als Solistin auftrete, sondern mich voll und ganz auf meine Bandmitglieder Steffen, Pascal und Jasmin verlassen kann. Das ist die Music Commission Mannheim.

 

V.l.n.r.: Pascal König, Beril Yilmam, Jasmin Seiberth und Steffen Baumann

Interview: Andreas Stanita / LA.MAG

Fotos: Alessio Troncone, Daniel Wentzel, Daniel Lukac, Simon & Paul, Time Warp




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