Movilizer

In Mannheim den mobilen Tsunami surfen

Der Traum aller Startups: ein international gefragtes Unternehmen aufbauen und dann erfolgreich verkaufen. Für die Gründer von Movilizer ist das Realität geworden – doch das Abenteuer geht weiter: Nach dem Verkauf an das US-Unternehmen Honeywell wollen die Mannheimer mit ihrer cloudbasierten App-Technologie die nächste digitale Revolution auslösen.

Im März 2016 habt Ihr Movilizer an den Global Player Honeywell verkauft. Nach so einer Erfolgsgeschichte würden sich viele Gründer ihren Yachten oder dem Weinbau widmen – ihr dagegen geht jeden Tag zur Arbeit als wäre nichts passiert. Was treibt Euch an?  

Alberto Zamora: Das ist eine sehr persönliche Sache. Wir haben uns die Frage gestellt: wie können wir den Mitarbeitern, die mit uns in den letzten 10 Jahren so viel Energie in das Unternehmen investiert haben, eine erfolgreiche Zukunft bieten? Durch den Verkauf von Movilizer haben wir jetzt die einmalige Chance, in den Bereichen Internet of Things und Mobility die nächste Revolution zu starten. Das ist unser täglicher Antrieb – mit einem Fokus auf die erfolgreiche Entwicklung unserer Mitarbeiter.

Mit dem Verkauf an Honeywell ist die Marke Movilizer in den Hintergrund getreten. Wie schafft man es, die Identität einer Marke zu bewahren?

Jörg Bernauer: Es ist schön und traurig zugleich, wenn sich die eigene Marke nach einem Verkauf verändert. Um so wichtiger ist es, die Identität und die Firmenkultur zu bewahren, denn das ist der entscheidende Faktor für Erfolg. Ohne die positive Atmosphäre in unserer Firma wäre es schwierig, die Ziele zu erreichen. Das Besondere bei uns ist, dass wir mit rund 150 Mitarbeitern immer noch eine schlanke Struktur wie ein Startup haben, aber mit Honeywell einen großen Partner an unserer Seite. Diese privilegierte Konstellation macht uns sicher zu einer Ausnahmeerscheinung – nicht nur in der Region.

Viele Startups haben gute Ideen und gute Technologien, aber häufig fehlt es an den guten Kontakten, um den entscheidenden Schritt nach vorne zu machen. Warum hat das bei Movilizer funktioniert?

Alberto Zamora: Der Grund, warum wir die Firma im März 2016 erfolgreich verkaufen konnten, ist zum einen, dass wir letztes Jahr mit dem Förderprogramm German Accelerator des Bundeswirtschaftsministeriums im Silicon Valley waren. Dort sind wir einer sehr entwickelten Entrepreneurship-Kultur begegnet und haben Mentoren getroffen, die sich viel Zeit genommen haben mit uns zu arbeiten – sechs Monate lang. Das war sehr wichtig und hat letztendlich zur Verbindung mit Honeywell geführt.  Zum anderen war Movilizer bereits in den USA bei großen Konzernen sehr bekannt und erfolgreich.

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Honeywell ist ein international tätiger Mischkonzern und eines der größten Unternehmen weltweit. Bis vor kurzem gab es keine Verbindung zu Mannheim – nun beschäftigt Honeywell hier über 150 Mitarbeiter in einem modernen Gebäude am Mannheimer Technologiestandort Eastsite. Warum war diese Investition für das US-Unternehmen so wichtig?

Jörg Bernauer: Honeywell ist eine Fortune 100-Firma, die in den USA jeder kennt. Vom Umsatz her ist das Unternehmen etwa doppelt so groß wie SAP – mit rund 150 Millionen Endverbraucher-Kunden. Als reiner Cloud-Software-Anbieter passen wir perfekt zu Honeywells „Internet of Things“-Zukunftsstrategie – mit einem Mix aus Softwaredienstleistungen und Hardwareprodukten und einem Fokus auf Schlüsseltechnologien der Zukunft wie „Sensor-to-Cloud“. Die Movilizer-Cloud, die hier in Mannheim entstanden ist, wird jetzt zum Kern des Unternehmens Honeywell.

Oliver Lesche: Die Zukunft von Honeywell ist IOT – und das ist ohne die Movilizer-Technologie nicht denkbar. Wie sind schnell mitten im Kern von Honeywell angekommen und freuen uns sehr, dass CEO John Waldron es sich nicht nehmen lässt, bei unserem Movilizer-Day im Mannheimer Kongresszentrum Rosengarten zu sprechen. Das Event ist nun zu einer Flagship- Endkundenveranstaltung geworden. Letztes Jahr hatten wir 250 Teilnehmer, in diesem Jahr bereits über 800. Eine unglaubliche Entwicklung, wenn man bedenkt, dass wir im Mannheimer Mafinex damit ganz klein angefangen haben.

Warum habt Ihr Euch bei der Gründung für den Standort Mannheim und das Mafinex-Technologiezentrum entschieden?

Oliver Lesche: Weil Mannheim sich sehr um uns bemüht hat. Genau zum richtigen Zeitpunkt wurde uns ein Büro im Technologiezentrum Mafinex angeboten. Wir hatten anfangs wenig Geld zur Verfügung, und da kamen uns die günstigen Büromieten sehr entgegen. Wir wurden auch mit kompetenter Beratung und mit Infrastruktur unterstützt, so dass wir in der Lage waren direkt vor Ort unsere ersten Kundenevents zu veranstalten. Und schließlich hat man uns auch beim Suchen und Finden des neuen Standorts sehr unterstützt – die Lage in der Mannheimer Eastsite ist ideal.

Wie entstand die Idee zu Movilizer und wann habt Ihr zum ersten Mal realisiert, dass daraus etwas richtig Großes entstehen könnte?

Alberto Zamora: Die Idee kam uns 2006 in Indien. Für SAP waren wir damals oft in Bangalore unterwegs und abends saßen wir im Hotel und haben uns gefragt, wie man ERP-Unternehmensdaten auf den damals neu aufgekommenen Mobilgeräten darstellen kann. Es war eine visionäre Idee, eine Multiplattform für digitale Anwendungen aufzubauen – was erst mal auch niemand verstanden hat, denn damals gab es fast nur Telefone von Nokia. Doch dann kamen auch schon die Blackberrys und wir haben geahnt, das bald so etwas wie ein iPhone kommen würde. Wir hatten noch absolut keine Ahnung, wie man eine Firma aufbaut, aber wir wussten: wir müssen vorbereit sein, wenn die erste Generation guter mobiler Geräte kommt.

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Ist es richtig, dass die Firmengeschichte von Movilizer mit einem Beratungstermin bei der Mannheimer IHK begann?

Oliver Lesche: Wir haben uns von der IHK, aber auch vom Team der Mannheimer Gründungszentren GmbH beraten lassen, denn wir waren von Anfang an sehr auf die Entwicklung unserer Geschäftsidee fokussiert. Unser Erfolg hängt sicher auch damit zusammen, dass wir dank unserer unterschiedlichen Backgrounds eine klare Aufgabenverteilung hatten: Ich habe mich als COO um Finanzen und Operations gekümmert, Joerg hat sich als CTO mit den Themen Engineering und Entwicklung beschäftigt und Alberto war als CMO auf Marketing und Vertrieb fokussiert.

Wie finanziert man ein Technologie-Startup mit hohem Investitionsbedarf?

Oliver Lesche: Am Anfang war es hart, weil wir kein Geld hatten. Jeder hat 15.000 Euro eingebracht – das war für uns eine Menge Risiko. Wir konnten es uns nicht leisten, ewig zu entwickeln und haben deshalb eine zweite Beratungsfirma aufgebaut namens Movilitas Consulting AG, die im Beratungsgeschäft sehr erfolgreich und gewinnbringend tätig war. Diese Gewinne und letztendlich auch den Verkaufserlös –  Movilitas Consulting AG wurde Anfang 2013 an die amerikanischen Firma Peak-Ryzex verkauft – haben wir dann in die Weiterentwicklung der Movilizer-Produkte gesteckt.  Dazu kam eine Series A Risikokapital-Runde die wir in Oktober 2010 abgeschlossen hatten.

Movilizer ist schnell und dynamisch gewachsen. Ist Mannheim ein guter Standort für die Personalakquise?

Alberto Zamora: In Berlin wäre die Akquise vielleicht noch einfacher gewesen, aber in Mannheim hat das auch funktioniert, weil wir die gute regionale Infrastruktur genutzt haben: unsere ersten Mitarbeiter kamen direkt von der SRH Hochschule Heidelberg oder Hochschule Mannheim mit der wir im engen Austausch stehen. Und es hat uns sicher geholfen, dass ein Professor der Universität Mannheim in unserem Aufsichtsrat war. Kontakte zu Hochschulen muss man als Startup unbedingt pflegen.

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Was ist Mannheims größter Standortvorteil?

Jörg Bernauer: Mannheim liegt extrem gut. Es gibt in ganz Europa keine Stadt mit einer besseren, weil zentraleren Lage. Mit dem Zug sind wir in ein paar Stunden in Paris, mit dem Auto in einer dreiviertel Stunde am Frankfurter Flughafen, und zwei Stunden später in London. Und trotz der ganzen Reiserei kann man am Abend wieder zu Hause bei der Familie sein.

Welche Verbindung habt Ihr persönlich zu Mannheim?

Alberto Zamora: Ich bin in Spanien geboren und mit 22 Jahren nach Deutschland gekommen. Zuerst nach Walldorf und dann mit Movilizer nach Mannheim. Ich finde, dass Mannheim eine sehr coole Stadt ist! Ich denke, es muss aber mehr Marketing gemacht werden, damit das besser sichtbar wird. Wir haben viele junge Mitarbeiter und die finden Mannheim richtig gut. Aber natürlich ist auch die Lebensqualität in der Metropolregion ein Thema – und die Nähe zu Heidelberg ist ebenfalls ein großer Vorteil.

Wie kann die Startup City Mannheim als Standort für Gründer noch besser werden?

Alberto Zamora: Wir würden uns wünschen, dass es hier Accelatoren wie im Silicon Valley gibt. Dort schafft man es, erfahrene Mentoren in Netzwerke einzubinden, die genau wissen, wie ein Unternehmensaufbau funktioniert. Wenn im Startup Mannheim-Netzwerk Mentorship-Programme im Angebot sind, können wir uns gut vorstellen, da eine aktive Rolle zu spielen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg, denn das ist der Grund, warum wir an eine Fortune 100-Firma verkaufen konnten. Dabei ist aber wichtig, dass ein Mentor selbst Unternehmer gewesen ist. Denn es geht nicht nur um Technologie und die Idee, sondern immer auch um die praktische Umsetzung und das richtige Marketing.

 

www.movilizer.com




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