Liebesglück

In nur zwei Jahren vom Startup zum Love-Brand

Modestadt Mannheim: viele Fashion-Brands von Schumacher bis Von Jungfeld sind hier gestartet, ständig kommen neue hinzu. Eine Erfolgsgeschichte der besonderen Art ist das Label Liebesglück. Im Interview berichtet Marketingchefin Elena Engel, was Mannheim zur Modestadt der Liebe macht und erklärt den Weg von der Idee zur etablierten Marke in nur zwei Jahren.

 

Elena, wie kam es zu der Gründung von Liebesglück?

Es klingt vielleicht seltsam, aber am Anfang der Labelgeschichte steht eine klassische Bluse. 2016 kam dieses Basic-Teil eines internationalen Herstellers auf den Markt, das unspektakulär aussah – aber diese Bluse hat sich atemberaubend gut verkauft. In der Mannheimer Fashion-Community kennt man sich und redet miteinander, und genau die richtigen kreativen Köpfe haben sich über dieses Phänomen ausgetauscht. Plötzlich war die Idee geboren: Das können wir auch, lasst es uns gemeinsam versuchen! Wir haben hier alle Kompetenzen – wir können das schaffen! Also suchten wir uns einen Produzenten, der schnell, gut und hochwertig produziert und kreieren gemeinsam Klassiker, die am Puls der Zeit sind. Das war der Start von Liebesglück.

 

Elena Engel, die Marketingchefin von Liebesglück.

 

Und wer ist heute Teil der Liebesglück-Crew?

Liebesglück ist ein Mannheimer Community-Projekt – ein Label, dessen Kollektion für sich selbst steht. Wir sind ein regionaler Pool von Experten aus den Bereichen Produktion, Einzelhandel, Design, Marketing und Vertrieb. Meine Aufgaben sind Marketing und Kommunikation und deshalb spreche ich stellvertretend für die ganze Crew. Was uns verbindet, ist die Herkunft aus der Region, die Begeisterung für gute Mode und die Erfahrung im Textilbereich. Gemeinsam haben wir es uns zur Aufgabe gemacht eine Lücke zu schließen, die wir alle gleichermaßen erkannt haben.

Ok, kein Namedropping: dann erzähl doch mal von dir! Wie bist Du zur Branchebranche gekommen?

Eigentlich komme ich aus der Agenturwelt und habe viele Jahre für ein Mannheimer Marketingbüro gearbeitet. Mein größter Kunde damals war das Kultlabel Miss Sixty – das kennen bestimmt viele noch. Für die habe ich Jahre lang alle Projekte betreut, doch leider gibt es Miss Sixty in dieser Form heute nicht mehr. Daran sieht man schon, was für ein hartes Pflaster die Modewelt ist. Entscheidend ist immer die richtige Ausrichtung, denn morgen kann die Welt schon ganz anders aussehen. Zwischendurch war ich eine Weile beim Rundfunk und dann kam der Anruf von Liebesglück: „Hey, willst du nicht bei uns anheuern? Wir brauchen deinen Support“. Für mich war das eine klare Herzensentscheidung und ich hab’ mich mit dem Team ins Abenteuer gestürzt. Das war im Juni 2017, kurz nach dem Launch der ersten Kollektion. Dann ging es Schlag auf Schlag und Liebesglück hat rasant Fahrt aufgenommen. Manchmal müssen wir uns richtig bremsen, denn wir wollen kontinuierliches Wachstum und Stabilität.

 

 

Was macht Ihr anders als die großen Mode-Brands?

Ein großer Unterschied in unseren Abläufen ist unser Vertriebsmodell. In der Modebranche ist es ja immer noch weit verbreitet Vorordern zu schreiben. Das heißt, Einzelhändler frieren sich bei Herbstregen einen ab und müssen sich dabei verbindlich überlegen, welche Sommerteile sie nächstes Jahr verkaufen wollen. Oder du hast Hochsommer und Dein Lager quillt schon über mit Daunenjacken für das Weihnachtsgeschäft. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, diesen festgefahrenen Zyklus aufzubrechen. Es ist Sommer und Deine Kunden wollen Fashion für draußen an der Sonne? Kein Problem, Du bekommst was du brauchst – à la minute. Wir reagieren da blitzschnell und ersparen Dir unnötige Lagerkosten.

Klingt nach Revolution. Wie schwer ist es, festgefahrene Routinen im Handel zu durchbrechen?

Da sprichst Du was an: Unsere Herangehensweise kollidiert gelegentlich mit dem klassischen Einkäuferweg, denn wenn das Budget weg ist, ist es weg. So langsam beginnt aber das große Umdenken. Nimm‘ nur mal den Sommer 2018 – niemand konnte ahnen, dass der so rekordverdächtig lang und heiß werden würde. Früher hast Du als Einzelhändler in die Röhre geguckt, wenn Deine Ware zu früh abverkauft war. Heute gibt es Liebesglück und Du bekommst genau was du brauchst, in time mit der Jahreszeit und entsprechend dem aktuellen Trend.

Gibt es dann überhaupt eine Liebesglück-Saison-Kollektion?

Eine Vollkollektion haben wir tatsächlich nicht, aber gerade darin liegt unsere Stärke. Wir reagieren frei und extrem schnell. Wir geben unseren Händlern gezielt das, was sie nicht im Sortiment haben, aber gerne aufnehmen möchten. Liebesglück-Kollektionen sind in drei Liefertermine, sogenannte Kapseln aufgeteilt. Gerade liefern wir viel Blazer, Hosen, lange Röcke und Blusen – in allen Mustern und Formen. Glencheck ist zum Beispiel voll angesagt, Oversize-Strick, Color-Blocking und auffällige Kleider mit Print. Unsere Zielgruppe ist weit gefasst. Wir sind für alle da, die Lust auf Mode haben und sich trendbewusst kleiden. Wir sind ein Power-Label und lassen Frauen strahlen.

 

 

Wo seid Ihr mit eurer Kollektion vertreten?

Liebesglück Fashion findest du immer wieder auch bei den Großen – bei Engelhorn in Mannheim zum Beispiel, bei Breuniger oder bei Reichmann. Als kleines Label in solch renommierten Häusern zu hängen, ist eine Ehre. Aber wir beliefern auch kleine Boutiquen, die unser Produkt mit viel Herz und Liebe repräsentieren. Inhabergeführte Geschäfte suchen sich ganz gezielt das aus, was zu ihnen passt. Auf den Messen entstehen da regelmäßig ganz wundervolle, persönliche Kontakte. Das ist echt toll. Diese Menschen leben unseren Spirit und transportieren ihn an ihre Kunden weiter. Sie ordern bei uns und haben sechs Wochen später ihre Ware, oder können anhand unserer Lagerliste, die wir regelmäßig rausschicken, nach Bedarf und Wetterlage ordern. Wer unser Label in seiner ganzen Breite erleben möchte, der sollte auf jeden Fall mal in unserem Flagship-Store im Mannheimer Quartier Q 6 Q 7 vorbeikommen.

Ursprünglich war Euer Store im Quartier Q 6 Q 7 als Pop-Up geplant – also nur als temporäres Projekt?

Die Resonanz war so überwältigend, dass wir uns fest für diesen Standort entschieden haben. Mannheim ist stylisch und experimentierfreudig. Die Menschen sind bunt, vielfältig und ehrlich, deswegen testen wir neue Ideen und Samples auch am liebsten hier. Unsere Stadt ist der perfekte Gradmesser. Wer mal was Ausgefalleneres sucht, schaut bei uns vorbei.

 

Elena mit Nico Hoffmeister, Community Manager der Textilerei.

 

Apropos Mannheim – wo ist eigentlich euer Hauptquartier?

Bei uns ist es so: die Designs kommen alle aus Mannheim. Unser Showroom befindet sich in im Gründungszentrum Textilerei in C4 und unser Büro hier ist gleichzeitig unser Creative Lab. Hier haben wir unsere Meetings, hier kannst Du auch mal für Dich sein und Dich auf dein Ding konzentrieren. Ich liebe die Textilerei. Die ganzen kreativen Kollegen von den anderen Labels Tür an Tür. Auch Presse- und Kundenmeetings finden meistens hier statt. Unsere Logistik und der Vertrieb sitzen hingegen in Brühl. Das liegt strategisch günstig, direkt vor den Toren der Stadt. Da bist Du ruckzuck und hast den Platz den Du brauchst. Die Produktion findet komplett in Italien statt, wo auch die Stoffe herkommen. Wir haben da tolle Manufakturen und Agenturen die mit uns zusammenarbeiten. Es ginge auch nicht, wenn wir keine Partner vor Ort an den Produktionsstätten hätten. Die unterstützen voll und ganz was wir hier machen, da sind alle mit Herzblut dabei. Sonst wären wir auch nie zu dieser tollen Marke geworden. Das Herz von Liebesglück schlägt aber in Mannheim. Das Label ist das Ergebnis einer einzigartigen Community. Ein großes Netzwerk, in dem die Leute miteinander statt gegeneinander arbeiten. Das ist der Spirit!

 

 

Welche Kooperationen mit Mannheimer Akteuren gibt es aktuell?

Ein Beispiel ist die mittlerweile enge Zusammenarbeit mit der Mannheimer ‚Akademie für Kommunikation‘, ansässig in der Augustaanlage. Mit deren Grafikdesign-Fakultät haben wir einen spannenden Wettbewerb im Sommer durchgeführt. Die Schüler haben dabei hochkreative Printmotive für Shirts und Taschen entwickelt, die dann auch direkt auf unserem Messestand in Berlin ausgestellt wurden. Da wird es in dieser Form in 2019 definitiv eine Neuauflage zu geben. Thema wird dann im kommenden Jahr auch 100 Jahre Bauhaus sein – ich bin jetzt schon sehr auf die Entwürfe dazu gespannt. Aber auch mit deren Fakultät für Modedesign haben wir gerade erst ein Projekt durchgeführt. Die Modeschüler haben dabei ein eigenes Blusendesign für uns entwickelt – quasi unser Signature-Piece. Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch hier einige Entwürfe wieder direkt in Produktion gehen. Eine weitere Kollaboration, die uns 2017 viel Freude bereitet hat, wurde mit Timo Kumpf und seinem Team vom Maifeld Derby initiiert. Wir haben dazu die kompletten Staff-Shirts gestaltet und geliefert und beim Festival gab es auch einen Pop-Up-Stand mit Liebesglück-Taschen und Kleidern, die super ankamen.

 

 

Regionaler Support und gleichzeitig Steigerung der eigenen Markenpräsenz – ist das Teil Eurer Markenphilosophie?

Mannheim und die Region liegen uns einfach sehr am Herzen. Wir kommen von hier und wissen das kreative Potential in Mannheim sehr zu schätzen. Klar arbeiten wir überregional mit Modebloggern, Influencern und Einzelhändlern zusammen – aber der Support vor Ort hat für uns einen hohen Stellenwert. Wir statten zum Beispiel auch die Moderatoren von RON TV mit Liebesglück aus und sind der Region im Gesamten sehr verbunden. Hier hat alles begonnen, hier liegen unsere Wurzeln und die kurzen Distanzen und bestehenden Marktzugänge in Mannheim haben die Marke heute dahin gebracht, wo sie steht.

Wie weit reicht Euer Vertriebsgebiet?

Wir orientieren uns deutschlandweit und liebäugeln bereits mit den angrenzenden Nachbarländern. Im Raum München haben wir uns auch schon einen Namen gemacht und erfreuen uns dort über sehr gute Abverkäufe im Handel. Auf den Messen in Berlin wiederum erleben wir, dass unsere Mode auch im Ausland gut ankommt und internationale Distributore an einer Zusammenarbeit interessiert sind. Bei einem deutschen Brandnamen wie Liebesglück könnte man ja meinen, dass man auf den deutschsprachigen Markt limitiert ist, aber das ist nicht so. Wenn wir dann erklären, was unser Logo und der Markenname bedeuten, erfahren wir eigentlich durchgehend eine sehr positive Resonanz. Daher orientieren wir uns schon in Richtung Ausland, wollen aber vor allem beim jetzigen Stand der Marke unsere Hausaufgaben in Deutschland richtig machen und nichts überstürzen. Ein gesundes und kontinuierliches Wachstum, gemeinsam mit den Kunden, und eine stetige Optimierung unserer Kollektionen und Prozesse stehen bei uns aktuell an oberster Stelle.

 

 

Letzte Frage: Wenn Liebesglück ein Café wäre, wie würde es aussehen?

Also in Sachen Style und Botschaft würde ich sagen, Liebesglück ist wie Fräulein Schiller, ein Café gleich hier um die Ecke von der Textilerei. Beide Unternehmen wurden mit viel Liebe und Eigeninitiative aufgebaut und entwickeln sich nach und nach zu einer eigenen, starken Marke.


Interview: Andreas Stanita / LA.MAG

Fotos: Ricardo Wiesinger

www.meinliebesglueck.de




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