KALAIKA

Kultige Netztaschen, feiner Schmuck und verspielte Accessoires

Tina Cetrez, die Gründerin des Modelabels KALAIKA, hat die gute alte Netztasche als Premium-Netztasche neu erfunden. Heute designt sie nicht nur erfolgreich Taschen, sondern auch Schmuck und Accessoires. Wir sprachen mit ihr über gute Ideen, ihr Studium in Barcelona und ihr Atelier im Mannheimer Gründungszentrum Textilerei.

 

Tina, Deine Netztaschen sind fast zu schön, um damit Einkaufen zu gehen …

Danke für das Kompliment, aber ich finde es super, dass man jetzt wieder Netztaschen hat und diese auch zeigt. Man kennt die ja eher von der Oma von früher – und schön waren sie damals eher nicht. Unsere KALAIKA-Netztaschen sind nun mit Liebe zum Detail designt und auch viel haltbarer als die von früher. KALAIKA heißt übrigens auf lettisch „mit der Zeit“ …

 

 

Mit der Zeit hast Du also beschlossen ein Label zu gründen – und die Netztasche war das erste KALAIKA-Produkt?

Ja, genau, damit habe ich begonnen und das war gar nicht einfach! Bis ich einen Produzenten gefunden habe, hat es ein ganzes Jahr gedauert, weil die Herstellung unglaublich kompliziert ist. Unsere Netztaschen werden in reiner Handarbeit hergestellt und das Können, das man zur Herstellung braucht, wird in dem Familienbetrieb den ich gefunden habe, von Generation zu Generation weitergegeben. Oma, Mutter und Tochter machen diese Produktion exklusiv für KALAIKA.

 

 

Stimmt es, dass Du nach Tschechien reisen musstest, um die besten Produzenten zu finden?

Die Netztasche, wie man sie kennt, kommt tatsächlich auch von dort. Ich habe damals noch in Berlin gewohnt, bin von dort nach Tschechien gereist und habe mich einfach durchgefragt. Erst in Prag, dann in den Dörfern und irgendwann habe ich diesen kleinen Betrieb gefunden!

Sprichst du denn Tschechisch?

Nein, aber ich hatte jemanden dabei, der übersetzen konnte. Das war damals schon ein großer Aufwand, aber ich war überzeugt und eigentlich fast besessen von meiner Idee. Bis wir dann aber einen Prototyp hatten, mit dem ich zufrieden war, hat es noch eine ganze Weile gedauert. Von der Grundform kennt man das Design ja, aber ich wollte unbedingt meine eigenen Gestaltungsideen einbringen und habe viel an den Details gearbeitet. Außerdem habe ich lange nach den richtigen Materialien gesucht. Die traditionellen Materialien für Netztaschen waren nicht dafür ausgelegt, lange zu halten. Das sollte bei meinen KALAIKA-Produkten natürlich anders sein.

Bevor Du in Mannheim Dein Label gegründet hast, warst Du ganz schön unterwegs. Erzähl doch mal!

Ich komme ursprünglich aus Heidelberg und habe in Mannheim an der Hochschule für Gestaltung studiert und mein Diplom in Kommunikationsdesign gemacht. Dann bin ich erst mal für zweieinhalb Jahre nach Barcelona gegangen und habe dort meinen Master in Design und Art Direktion absolviert. Das Studium war super, denn die Dozenten haben einen sehr viel besser auf den Arbeitsmarkt vorbereitet, als hier in Deutschland. In Barcelona habe ich dann auch durch Zufall auf einem Flohmarkt eine alte DDR-Netztasche gefunden. Die war alt und kaputt, doch in mir keimte die Frage auf: Warum diese coole Idee nicht in die heutige Zeit mitnehmen, modern interpretieren und besser umsetzten? Gute Qualität war mir dabei von Anfang an sehr wichtig.

Hast Du damals schon geplant ein Modelabel zu gründen?

Schon, allerdings hatte ich noch nicht den Mut, das Ganze wirklich umzusetzen. In meiner Zeit in Barcelona habe ich beim Modelabel Desigual in der Kreation gearbeitet. Dort hinter die Kulissen zu schauen, hat mir sehr viel gebracht. Davor habe ich immer gedacht, ich würde später in einem Design-Büro oder in der Werbung arbeiten. Aber mir war nie die Idee gekommen, dass ich auch selbst Mode designen könnte.

 

 

Warum nicht?

Ich habe ja Kommunikationsdesign studiert und hatte das einfach nicht auf dem Schirm. Allerdings hilft mir das Studium heute auch total, weil Gestaltung in meinem Beruf ja die Hauptrolle spielt. Bei Desigual habe ich Lust auf Modedesign bekommen. Ich bin dann aber zurück nach Deutschland, weil der Arbeitsmarkt in Barcelona überlaufen war und ich gerne wieder nach Heidelberg zurück wollte – in meine Heimat und zurück zu meiner Familie. Ich habe dann erst wieder in der Werbung gearbeitet, bei einer Agentur in Frankfurt. Aber ich war nicht mit dem Herzen dabei, weil ich nun im Bereich Mode Fuß fassen wollte. Als ich bei Lala Berlin einen Job bekommen habe, bin ich erst mal in die Hauptstadt gezogen und habe dort in der Kreation gearbeitet. Irgendwann habe ich mir dann gesagt: Ok, ich habe genug Erfahrung und eigene Ideen, ich gründe jetzt mein Label! Das ist genau das, was ich machen will!

Also von Berlin zurück in die Startupcity Mannheim?

Ja, als ich zu Besuch in Mannheim war, habe ich von Freunden vom Kreativwirtschaftszentrum C-HUB erfahren – und dass dort Gründer sehr gut betreut werden. Ich habe dann einfach mal angerufen und hatte kurze Zeit später Nico Hoffmeister am Telefon, der als Community Manager gerade das Gründungszentrum Textilerei aufgebaut hat.

 

 

Und dann bist du gleich eingezogen?

Ja, denn das Konzept und das schöne Gebäude haben mir sofort gefallen. Ich habe mich für einen Atelierplatz beworben, wurde gleich angenommen als eine der ersten Mieterinnen und zack – war ich wieder in der Heimat.

Und wie gefällt es Dir in der Textilerei?

Ich arbeite gerne mit anderen Menschen zusammen und hier kann ich das! Außerdem lernt man viele Leute kennen und kann sich ein Netzwerk aufbauen, Kontakt zu anderen Gründern herstellen und sich austauschen. Die Räumlichkeiten sind super, ich liebe mein Atelier, es ist hell, groß und gemütlich! Außerdem ist man mitten in der Stadt. Von zu Hause aus arbeiten kann ich nicht, hier bin ich viel fokussierter. Ich profitiere auch von den Events, bei denen man dabei sein kann oder vom Shop in der Textilerei, in dem wir unsere Sachen präsentieren können.

Wie baut man ein Modelabel auf?

Ich habe am Anfang eine Premium-Linie der Netztasche herausgebracht. Die ist wie ich finde gut designt und ist gleichzeitig extrem robust, denn man kann bis zu 20 Kilo damit tragen. Der zweite Schritt war eine günstigere Variante. Meine Netztaschen aus Plastik bestehen aus alten Plastiktüten! Da die jetzt nach und nach verboten werden, brauchen die Leute ja jetzt wieder Netztaschen…

KALAIKA produziert heute aber nicht nur Netztaschen …

Nein, sondern auch Schmuck! Ich designe mit Adobe Illustrator, leite die Entwürfe an meine Produktion weiter und die setzen das dann um. Das meiste wird von Hand in Italien und Frankreich handgefertigt. Aktuell habe ich mit dem Hause Engelhorn zum Hausthema Willkommen in Marokko, eine Kollektion entworfen, welche den Namen „Colors of Marrakech“ trägt. Eine großartige Kooperation, auf die ich besonders stolz bin. Die Schmuckstücke sind bereits im Engelhorn präsentiert.

 

 

Und wie verkaufst Du Deine Produkte?

Im Internet, in meinem Online-Shop. Am Anfang war ich noch viel auf Märkten unterwegs, das habe ich aber bald wieder eingestellt, weil KALAIKA als Marke dort nicht gut hineingepasst hat. Heute bin ich viel auf Messen unterwegs, der Panorama in Berlin oder der Premium in München. Man muss sehr danach schauen, was der Marke was bringt, oft passen einfach die Zielgruppen nicht.

Die Vermarktung übernimmst Du auch selbst?

Vor allem über Instagram, das ist meines Erachtens nach wichtiger geworden als Facebook. Und ich finde die Plattform einfach schöner! Aber vieles passiert auch über Mund-zu-Mund-Propaganda. Es kommen immer wieder Leute über Empfehlungen zu KALAIKA.

 

 

Und Dein Erfolgsgeheimnis ist …?

KALAIKA funktioniert, weil mein Team und ich – angefangen von der Idee, bis hin zum Design und Vermarktung jedes einzelnen Produkts – sehr fokussiert und mit viel Energie zusammen arbeiten. KALAIKA kreiert Herzstücke, die zu unverzichtbaren Begleitern werden.


Interview: Paul Heesch / LA.MAG

Fotos: Willi Weissenburger

www.kalaika.berlin




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