IOXP: Digitaler Durchblick

"Mannheim hat den Pull-Faktor"

Die Augmented Reality-Experten von ioxp wissen, wie die digitale Zukunft der Industrie aussieht, wie man Business Angels begeistert – und wie man Mannheim nicht nur durch die digitale Brille betrachtet.

Nils, Ihr habt ioxp in Kaiserlautern als Forschungsprojekt gestartet, aber mit Eurem Spin-Off seid Ihr nach Mannheim umgezogen. Warum?

Nils Petersen: Wir haben lange in Kaiserslautern geforscht, aber nach der Ausgründung war die große Frage: wo haben wir Möglichkeiten zu wachsen, wo ist der ideale Standort? Ins Silicon Valley zu gehen war keine naheliegende Lösung, denn wir wollten die Nähe zu unserem Kaiserslauterer Forschungsmutterschiff DFKI erhalten. Mannheim war dann eine sehr bewusste Team-Entscheidung – wir haben uns sehr schnell einstimmig entschieden.

Was sind die guten Mannheim-Faktoren?

Philipp Hasper: Die Stadt ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt in Süddeutschland – egal ob mit dem Auto oder der Bahn oder durch die Nähe zum Frankfurter Flughafen. Wir hatten also schnell Mannheim auf der Karte und alle unsere Kunden hatten Mannheim auf der Karte. Die Stadt bietet auch aus privater Perspektive viele positive Faktoren, aber entscheidend war für uns der Blick durch die professionelle Brille.

 

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ioxp von links nach rechts: Philipp Hasper, Nils Petersen, Alexander Lemken

 

Ihr seid auf Augmented Reality-Technologien fokussiert. Findet Ihr in Mannheim entsprechend ausgebildete Spezialisten?

Alexander Lemken: Mannheim ist perfekt für unsere Personalakquise, denn es liegt mitten im Dreieck zwischen den Technischen Universitäten Darmstadt, Kaiserslautern und Karlsruhe. Mannheim hat an der eigenen Hochschule den Fachbereich technische Informatik, was uns ebenfalls entgegenkommt. Und natürlich ist auch die Nähe zur SAP in Walldorf ein positiver Faktor.

Entwickelt sich Mannheim zu einem Zentrum für Gründer aus der IT-Branche?

Jan Hirzel: Mannheim hat als Gründerstadt zweifellos diesen „Pull“-Faktor. Die Stadt ist bundesweit betrachtet zwar noch nicht mit München oder Berlin vergleichbar – aber sie zieht immer stärker.

 

Was gab den Ausschlag für die Entscheidung, ins Mannheimer Gründerzentrum Mafinex zu ziehen?

Nils Petersen: In normalen Gründerzentren hat man mit breitbandigen Strukturen zu tun. Für uns war es aber wichtig, ein Zentrum mit IT-Schwerpunkt zu finden. Davon abgesehen, dass es hier auf der persönlichen Ebene sehr gut klappt und die Mieten sehr fair sind, haben sich schon nach kurzer Zeit sehr gute Netzwerkoptionen ergeben. Wir haben beispielsweise schon eine erfolgreiche Kooperation innerhalb des Mafinex.

Alle reden über Industrie 4.0, sehr viele Unternehmen wollen da erfolgreich mitmischen. Was ist der Ansatz von ioxp?

Nils Petersen: Wir forschen für die Anwendung! Eines unserer Ziele ist es, Instrumente wie Datenbrillen zu demystifizieren und rauszuholen aus den Showrooms. Solche Instrumente können heute schon erfolgreich bei der alltäglichen Arbeit eingesetzt werden. Unser Anspruch ist es, die Technik an den Markt zu bringen.

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Was macht Euer Geschäftsmodell einzigartig?

Alexander Lemken: Wir entwickeln Augmented Reality-Handbücher für Datenbrillen, die Schritt-Für-Schritt Anweisungen direkt ins Sichtfeld des Benutzers einblenden. Vorgänge im Bereich von Produktion und Wartung können so ganz einfach erlernt werden. Unser System integriert sich nahtlos in den Arbeitsalltag und ermöglicht eine Reduzierung von Fehlerraten und verkürzt Anlernphasen. Damit machen wir Generalisten zu Spezialisten. Mit unserer Technologie kann man komplexe Prozesse selbstständig ausführen – gemäß unserer Philosophie „Learn, share, do“.

Kann man dank ioxp irgendwann auch seinen IKEA-Schrank einfacher aufbauen?

Philip Hasper: Theoretisch ja, aber uns Fokus ist aktuell noch ganz klar das B2B-Geschäft, weil im industriellen Bereich die Rahmenbedingungen aufgrund der vielen Standardisierungen sehr günstig sind. Im Heimbereich ist die Technik dagegen noch zu teuer.

 

Eure Produkte werden bereits erfolgreich angewendet, unter anderem von Bosch. Wie man baut sie sich erfolgreich einen Kundenstamm auf?

Jan Hirzel: In der Industrie rennen wir meist offene Türen ein: wir haben fast keinen Kundentermin, der keine Begehrlichkeiten weckt.

Wie kommt man mit Business Angels in Kontakt?

Alexander Lemken: Durch gute Netzwerkarbeit. Hier im Mafinex sind die Voraussetzungen dafür sehr gut: Die Business Angels werden auch von der Hausleitung oder von der Mannheimer Wirtschaftsförderung auf uns aufmerksam gemacht. Wenn wir dann erst mal mit Investoren im Gespräch sind, erkennen sie sehr schnell das Potenzial unserer Geschäftsidee.

Was ist das Ziel?

Jan Hirse: Schnelles, aber gesundes Wachstum. Wir haben aktuell bereits eine zweistellige Zahl von Installationen. Wir möchten uns nächstes Jahr in der Anzahl der Installationen sowie im Personal verdoppeln.

Wie sieht der mögliche Exit aus?

Philip Hasper: Ein Buyout ist bei uns nicht das vordergründige Ziel. Reich werden kann irgendwann ein willkommener Nebeneffekt sein – ist aber definitiv nicht die Strategie. Die Whatsapp‘s dieser Welt haben das vordergründige Ziel, möglichst skalierbare Modelle für den Consumermarkt aufzuziehen, um möglichst schnell viele User zu generieren und diesen Kundenstamm dann zu verkaufen. Wir haben dagegen eine konkrete Know-How-Lösung für spezifische Probleme in der Industrie. Ich denke, das ist auch der gesündere Weg – für das Unternehmen und für die Mitarbeiter.

Mit welchem Ziel sucht Ihr Investoren?

Nils Petersen: Unsere Technologie ist zeitkritisch und der Bedarf nach Augmented Reality-Unterstützungssystemen ist derzeit bereits sehr groß. Wir müssen unseren Technologievorsprung nutzen und daher jetzt möglichst breit in den Markt gehen. Das funktioniert am besten mit Unterstützung auf finanzieller Seite sowie mit starken Partnern aus der Industrie.

Wie bleibt Ihr trotz Stress kreativ und produktiv?

Alexander Lemken: Wir alle lieben den Dialog mit unterschiedlichsten Menschen, denn im direkten Austausch entstehen die besten Ideen – das ist immer wieder inspirierend.

Wo trifft man das Team von ioxp, wenn nicht bei der Arbeit?

Jan Hirzel: Wir alle sind leidenschaftliche Hobby-Boulderer. Und unser Lieblingsplatz in Mannheim ist momentan definitiv Boulder Island auf der Friesenheimer Insel – mit authentischer Mannheimer Industrieromantik.

www.ioxp.de

 

Nils Petersen, Dr.-Ing.

hat nach seinem Informatikstudium im Rahmen seiner Forschungsarbeit am DFKI einen Großteil der ioxp-Technologie entwickelt. Seine Aufgaben sind Repräsentation, Geschäftsführung und technologische Entwicklung.

 

Philipp Hasper, M.Sc.

hat als Informatiker maßgeblich zur Entwicklung des ioxp-Systems beigetragen. Sein Fokus sind die Gebiete Visualisierung und mobile Umsetzung der Software.

 

Jan Hirzel, M.Sc.

ist verantwortlich für die Autorenschnittstelle des Systems. Er verfügt über weitreichende Kenntnisse im Bereich der Kerntechnologien von Augmented Reality. Weitere Aufgaben sind Erfindungssicherung und Kundenansprache.

 

Alexander Lemken, Dipl.-Math., Dipl.-Inform.

ist bei ioxp für die Kundenansprache, den Geschäftsplan, den kaufmännischen Bereich sowie die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.




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