Ein Jahr Night Mayor Mannheim

Vor einem Jahr wurde Hendrik zum ersten Night Mayor Deutschlands gewählt - im Interview spricht er darüber, wie wir seit dem nicht nur in Mannheim das Nachtleben revolutionieren.

„Gut, dass es so jemanden gibt“

Ein Jahr lang ist Hendrik Meier nun Deutschlands erster Nachtbürgermeister. Und in dieser Zeit hat sich einiges getan. Nicht nur, dass der Night Mayor selbst nun deutlich kürzere Haare als bei seiner Amtseinführung trägt. Nein, auch in die Nachtszene Mannheims strahlt seine Erscheinung hinein. Veränderungen sind schon spür- und erlebbar.

Okay, die kürzeren Haare sind nicht das Ergebnis seiner Tätigkeit. „Ich habe mich dem Sommer angepasst“, sagt Hendrik Meier im gig7, seiner Arbeitsstätte, und lacht. Es ist ein sympathisches Lachen, das ihm bestimmt auch viele Türen öffnet, wenn es darauf ankommt, sich mit den Problemen beschäftigen zu müssen, die das Mannheimer Nachtleben zu Tage fördert. Feiernde, laute, Müll verursachende Club- und Kneipengäste zählen genauso dazu wie Anwohner, die sich darüber aufregen. Konfliktsituationen sind im Nachtleben vorprogrammiert. Dabei schlägt sich der 28-jährige, gebürtige Nürnberger auf keine bestimmte Seite. „Ich stehe genau in der Mitte. Meine Aufgabe ist es, zwischen den Parteien zu vermitteln“, erklärt er. Parteien gibt es mehrere: Neben den rund 130 Club- und Barbetreibern der Mannheimer Nachtszene und den Anwohnern aus dem Szenestadtteil Jungbusch, dem Haupteinsatzgebiet des Nachtbürgermeisters, sind es die Stadtverwaltung, der Fachbereich Sicherheit und Ordnung oder die Polizei, mit denen Hendrik Meier im ständigen Kontakt steht.

25.07.2019, Baden-Württemberg, Mannheim: Mannheims Nachtbürgermeister Hendrik Meier (r) unterhält sich mit Abian Hamann von der Bar «Hagestolz». (zu dpa: «Ein Jahr Night Mayor in Mannheim – ein Herz für die Nachtkultur») Foto: Uwe Anspach/dpa

Bei Barbetreibern wie Abian Hammann vom „Hagestolz“ im Jungbusch kommt der Night Mayor gut an. „Er hat bis jetzt viel Initiative gezeigt, war proaktiv“, erzählt er. Über Beispiele muss Abian Hammann nicht lange nachdenken. „Er hat zum Beispiel die Idee gehabt, Pfandkästen vor die Lokalitäten zu stellen, damit Flaschen nicht durch die Gegend geworfen werden.“ Und der Nachtbürgermeister habe vielen bei individuellen Problemen geholfen. So hat er unter anderem mit der Verwaltung gesprochen, wenn jemand zum Beispiel Schwierigkeiten mit dem Thema Schallschutz hatte. Er vermittelte, wenn es Beschwerden wegen Lärms gab. Er zog Gutachter hinzu und brachte selbst Ideen zur Problemlösung mit ein. Unterm Strich habe er viel kommuniziert, so Abian Hammann. In alle Richtungen und immer auf Augenhöhe. „Ich finde es gut, dass es so jemanden gibt.“ Jemand, der sich für die Belange von denjenigen einsetzt, die mit der Nachtszene beruflich, freiwillig oder unfreiwillig zu tun haben. Aber auch jemand, der Aspekte der Nachtökonomie aufgreift, sich dahingehend strategisch für sie einsetzt und neue Konzepte entwickelt. Denn auch das liegt im Aufgabengebiet des Mannheimer Nachtbürgermeisters: das kulturelle Leben Mannheims stärken. „Hendrik ist jemand, der sich auskennt. Er hat als Booker schon viele Erfahrungen gesammelt. Er ist ruhig, sachlich, man kann mit ihm gut reden“, findet Abian Hammann. Und das sei das Wichtigste.

Der Night Mayor Mannheim ist Vorbild für viele Städte und Kommunen in Europa.

Für Hendrik Meier gibt es von Anfang an viel zu tun. „Es wurde schnell klar, dass wir die Stundenzahl hochsetzen mussten“, sagt Matthias Rauch, Leiter der Kulturellen Stadtentwicklung bei STARTUP MANNHEIM. Er hat die Stelle initiiert und ist sozusagen Meiers Chef. „Die anfangs angedachten 50 Stunden pro Monat waren einfach zu wenig. Wir haben das recht schnell auf 70 Stunden heraufgesetzt.“ Wer allerdings glaubt, dass der Nachtbürgermeister ständig abends auf Achse ist und mit Feiern Geld verdient, der täuscht sich. „Die meiste Arbeit findet im Büro statt“, so Hendrik Meier: viel telefonieren und ein enger Austausch mit den Kollegen bei STARTUP MANNHEIM. Aber auch Termine mit dem Fachbereich Sicherheit und Ordnung und der Polizei stehen regelmäßig an, wobei aktuelle Themen aus dem Nachtleben besprochen werden, die dem ein oder anderen auf den Nägeln brennen. „Aktuell organisieren wir die erste Mannheimer Nachtkulturkonferenz NØK, die Ende Oktober stattfindet und zu der wir internationale Teilnehmer erwarten“, nennt der Night Mayor weitere Aspekte aus seinem Arbeitsleben. Matthias Rauch indes ist sehr zufrieden mit ihm. „Wir haben für diese Position Vertrauen von allen Seiten schaffen können, stehen in sehr engem Austausch mit den Kollegen vom Fachbereich für Sicherheit und Ordnung sowie der Polizei.“ Auch die Club- und Barbetreiber hätten Hendrik Meier sehr schnell als Ansprechpartner angenommen. „Außerdem ist die Kommunikation und die Vernetzung in der Szene deutlich besser geworden.“

Auch Hendrik Meier blickt gerne auf das vergangene Jahr zurück: „Die Zusammenarbeit ist gut, die Phase des Kennenlernens und gegenseitigen Beschnupperns vorbei.“ Jetzt sei es an der Zeit, größere Projekte anzugehen. „Wir können uns nun mehr trauen“, findet der Nachtbürgermeister. Wichtig für die Zukunft sei ihm, dass die Position des Night Mayors in Mannheim nachhaltig implementiert werde, damit es keine einmalige Sache bleibe. „Die Nachtkultur muss begreifbar gemacht werden“, sagt er. Das wünsche er sich auch für andere Städte. Tatsächlich macht der Nachtbürgermeister bereits bundesweit von sich reden. Mittlerweile gibt es schon Interesse aus über 20 deutschen Kommunen. „Sie fragen zum Beispiel, wie der Prozess hin zum Nachtbürgermeister gestaltet wurde und wie die Zielsetzung und die Struktur dahinter aussieht“, erklärt Matthias Rauch. „Wir stehen mit den Kommunen im engen Austausch und versuchen, sie zu unterstützen.“

Peer-Kai Schellenberger, Leiter der beim Fachbereichs Sicherheit und Ordnung zuständigen Abteilung, zeigt sich ebenfalls zufrieden über die Zusammenarbeit mit Hendrik Meier. „Er ist eine sehr gute Ergänzung zu unserer Arbeit“, sagt er. Vor allem, weil er leichter Zugang zur Kulturszene bekomme und leichter an die Menschen herankomme wie eine Behörde. „Durch seine mediatorische Tätigkeit müssen wir in leichteren Fällen nicht immer gleich behördlich eingreifen. Das regelt sich dann auch schon mal im einfachen Gespräch zwischen den Beteiligten“, so Peer-Kai Schellenberger. Außerdem bringe er viele frische Ideen und andere Sichtweisen mit ein, wenn es darum gehe, für bestimmte Probleme Lösungen zu finden.

Es ist also ein positives Fazit, das der Nachtbürgermeister für sein erstes Jahr ziehen kann. Seine Arbeit hat volle Fahrt aufgenommen, die Ideen gehen ihm nicht aus. Es ist also spannend, was der Rest seiner „Amtszeit“ noch alles mit sich bringt. Mit der NØK ab dem 21. Oktober steht ja auch schon bald das nächste große Event an, das die Mannheimer Nachtkultur mit Sicherheit noch stärker in den Fokus rückt.




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