DIE MUSIKARBEITER

Mit Projekten wie „Song Dock“ erfolgreich: Sebastian Henzl und Danny Fresh

Mannheim versteht Musik. In der UNESCO City of Music kann man Popmusik studieren – und lernen, wie das Musikbusiness funktioniert. Die Popakademie-Absolventen Danny Fresh und Sebastian Henzl erklären, warum Mannheim die Stadt ist, in der man Musik nicht nur träumt, sondern lebt – und wie sie mit ihren Startups und dem Projekt „Song-Dock“ jetzt durchstarten.

 

Danny, stimmt es, dass Du einer der ersten Absolventen der Mannheimer Popakademie bist? 

Danny FreshMein Bachelor-Studium habe ich schon 2003 begonnen, das war der erste Jahrgang überhaupt. Der Studiengang hieß Popmusikdesign. 2007, ein Jahr nach dem Abschluss, folgte dann schon mein Comeback an die Popakademie – als Gastdozent. „Texten für Songwriter“ hieß der Kurs, außerdem gab ich Fortbildungsseminare für Musiklehrer und Seminare zum Thema Existenzgründung für Musiker. Ich habe dann auch noch mal die Seiten gewechselt und einen Master als „Educating Artist“ draufgesetzt, zu Deutsch: unterrichtender Künstler. Das hat sich angeboten, weil ich unzählige Rap-Workshops an Schulen und Jugendhäusern gegeben habe.

 

Danny Fresh (links) und Sebastian Henzl

 

Sebastian, was ist Deine Popakademie-Story?

Sebastian Henzl: Wie Danny habe auch ich Popmusikdesign studiert. Los ging es 2009. Im Hauptfach hatte ich Keyboard. Nach dem Abschluss ging es direkt auf Tour und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Heute seid Ihr Residents im Startupzentrum Musikpark im Hafenviertel Jungbusch, also direkte Nachbarn der Popakademie. Woran arbeitet Ihr aktuell?

Danny: Als Rapper bin ich vor zwei Jahren in Rente gegangen. Mit 40 ist die Wahrscheinlichkeit doch eher gering, dass man als Newcomer noch mal groß rauskommt. Da hat sich für mich die Frage gestellt: Wie geht’s beruflich weiter, was mache ich nach meiner Musikkarriere? Eine Fragestellung, die auch ein gutes Thema für eine Vorlesung an der Popakademie wäre. Frei nach dem Motto von Rapper Torch: „Wir waren mal Stars“…

 

Producer-Studio im Startupzentrum Musikpark

 

Du hast Dich also mit einem Startup im Musikbusiness neu erfunden?

Ja, denn im Startupzentrum Musikpark hatte ich optimale Bedingungen, um ein Producer-Büro einzurichten. Meine Firma heißt „Raise Your Voice Productions“ und umfasst verschiedene Tätigkeitsfelder. Dazu gehören Team-Building-Events und Incentives, die ich für Businesskunden anbiete, Masterclasses im Bereich „Gesang für Professionals“, die ich mit meiner Frau Laura Bellon betreibe und die „Consumer-Section“. Das sind Workshops für Leute, die Bock auf Produzieren und Rappen haben. Das geht weit über das hinaus, was man aus klassischen Musikschulen kennt. Musikvermittlung 2.0 könnte man sagen. Wer es ganz genau wissen will, der kann sich bald schon unter www.raiseyourvoice.de einen Überblick verschaffen. Außerdem produziere ich von hier aus den News-Rap für den Radiosender bigFM; eine politische Nachrichtensendung in Reimform, die einmal wöchentlich ausgestrahlt wird.

Sebastian, Du bist Profimusiker, hast aber auch eine Geschäftsidee entwickelt. Erzähl doch mal.  

Sebastian: Aktuell spiele ich Keyboard für ganz unterschiedliche Bands und Künstler. Dazu gehören Frida Gold, Madeline Juno und Maite Kelly von der Kelly Family. Mit Maite werde ich 2019 auch auf große Stadiontournee gehen, das wird spannend. Wenn ich gerade nicht auf Tour bin,befasse ich mich mit Songwriting und Producing. Im Musikpark habe ich nun ein Studio eingerichtet, von dem aus ich das Projekt „Song-Dock“ vorantreibe.

 

Sebastian Henzl

 

Wie funktioniert das Projekt „Song-Dock“?

Wir laden einen Künstler ein, drei Produzenten und bis zu zwölf Songwriter. Gemeinsam schreiben und komponieren wir drei Tage lang Songs. Eine spannende Sache mit einem coolen Team, zu dem auch Danny Fresh gehört. Laith Al-Deen war schon bei uns, Henning Wehland von den H-Blockx, aber auch Leute aus der Welt des Schlagers – eine bunte Genre-Mischung. Da werden bald viele bekannte Künstler folgen, aber Namen nenne ich erst, wenn alles in trockenen Tüchern ist. Es ist schön zu sehen, wie geflasht Künstler sind, wenn sie nach drei Tagen mit brandneuen, fertigen Songs wieder abreisen, die perfekt auf sie zugeschnitten sind. Die können immer kaum glauben, dass das bei uns in Mannheim möglich ist.

Und was ist dein Part beim Song-Dock, Danny? Battlest du Schlagersänger?

Danny: Für mich ist es ein total spannendes Projekt, weil ich mich voll auf die musikalische Welt eines anderen Künstlers einlasse. Das ist eine echte Herausforderung – mal lernen, sich selbst als Dienstleister zu verstehen. Oft schreibe ich erst mal ein paar Reime zum Thema. Das ist eine einzigartige Kiste – denn die Songs werden ja on-the-spot auf den Künstler zugeschnitten. Es ist immer faszinierend zu sehen, was für ein Händchen für Melodien Sebastian hat. Manche Künstler brauchen erst ein musikalisches Bild im Kopf bevor sie loslegen können, andere haben sich schon Texte oder Storys zurechtgelegt. Sebastian steuert aber immer die richtige Melodie bei, egal in welchem Genre wir uns an den drei Tagen bewegen. Diese gebündelte kreative Energie ist für mich das Krasse beim „Song-Dock“.

 

Pic by: Svende Ric

 

Ihr seid beide Wahl-Mannheimer. Warum?

SebastianMeine Heimatstadt ist Würzburg. Dort bin ich aufgewachsen und auf ein Musikgymnasium gegangen. Ich komme aus der klassischen Musik und arbeite auch an einem Projekt mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz – eine Crossover-Geschichte mit Band. Bevor ich an die Popakademie gekommen bin, habe ich ein Jahr Informatik in Erlangen studiert. Nach zwei Semestern war für mich aber klar, dass das nicht meine Welt ist. Auf gut Glück habe ich mich dann in Mannheim beworben, ohne die Erwartung genommen zu werden. Aber es hat direkt geklappt.

DannyMeine Homebase ist die Stuttgarter Ecke, Kreis Böblingen. 2003 hat es bei mir gleich mit der Aufnahme an die Popakademie geklappt und seitdem bin ich in Mannheim. Der Wunsch, mich sozial zu engagieren, ist durch meine Masterarbeit „Sprachförderung und gewaltfreie Kommunikation“ Wirklichkeit geworden. Das Projekt ist heute sehr erfolgreich und mittlerweile wird es hier von der Sepp-Herberger-Stiftung und der Klangstiftung Mannheim gefördert.

Wie lebt es sich in Mannheim?

SebastianMannheim gilt ja als Arbeiterstadt. Für mich hat die Bezeichnung einen wörtlichen Sinn: Mannheim ist eine Stadt, in der richtig was geschafft wird. Hier passiert was, hier ist Bewegung. Wenn ich in Mannheim bin, will ich immer direkt was auf die Beine stellen, Projekte vorantreiben. Eine echte Macherstadt mit diesem ganz eigenem Vibe: packe es an und zieh es durch! So etwas kennen Musikschaffende in anderen Städten gar nicht.

DannyWas mich in Mannheim glücklich macht, ist das Netzwerk hier. Man entwickelt gemeinsam Ideen und treibt zusammen Projekte voran. An jeder Ecke triffst Du Leute, die Du kennst, von denen Du weißt, dass die Zusammenarbeit bestens funktioniert. Ständig kommen neue, spannende Leute hinzu, mit denen man was auf die Beine stellen will. Die Nähe zwischen Musikpark und Popakademie ist da sehr hilfreich. Durch die Dozententätigkeit habe ich immer einen guten Blick auf die aktuelle Szene und die Entwicklungen die sich vollziehen. Die Popakademie ist mein musikalischer Seismograph. Das ist es, was Mannheim für mich so reizvoll macht.

SebastianDie Nähe zur Popakademie ist auf jeden Fall ein Gewinn. Wo sonst könnten wir für das „Song-Dock“ so leicht neue, frische Leute ins Boot holen. Wenn es sich zeitlich einrichten lässt, schaue ich regelmäßig im „Work In Progress Club“ vorbei. Dort präsentieren Studierende der Popakademie einmal im Monat ihre eigenen Songs live on Stage. Da habe ich schon viele interessante Entdeckungen gemacht.

 

 

Was sind eure Pläne für 2018 – was steht an im Musikpark?

SebastianRichtig gespannt bin ich zu sehen, wie sich das Startup-Projekt „Edda Minor “entwickelt, das ich gerade gemeinsam mit Julia Kröhnert realisiere. Sie ist eine beeindruckend vielseitige Sängerin und Songwriterin, die vielen als Duett-Partnerin von Roland Kaiser bekannt ist. Gemeinsam bieten wir Privatpersonen vollständig individualisierte Songs zu besonderen Anlässen an. Die Idee ist es, Deutschlands erste professionelle Songmanufaktur auf die Beine zu stellen. Ob für Geburtstage, Geburten oder Hochzeiten – wir schreiben gemeinsam mit unseren Kunden den passenden Song, produzieren ihn und nehmen ihn auf. Wenn der Kunde es wünscht, kommen wir persönlich vorbei und performen ihn gemeinsam mit Bandbegleitung. Das ist ein Projekt, das allen Beteiligten extrem viel Freude bereitet.

Danny: Bei mir stehen die Zeichen gerade voll auf Live-Streaming. Ab Juli streame ich immer donnerstags den Entstehungsprozess des bigFM News-Raps live aus meinem Studio im Musikpark. Eine schöne Sache, die es den Hörern ermöglicht, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Für den Sommer ist ein zweiwöchiges Songwriting-Camp mit spannenden Gastmusikern in Planung, das ich live auf der Plattform Twitch streamen werde. Die Menschen da draußen live am Kreativprozess teilhaben lassen, das ist definitiv gerade mein Herzensprojekt. Ich bin gespannt was sich daraus entwickelt. So wie ich Mannheim kenne, bestimmt eine ganze Menge!


Interview: Andreas Stanita / LA.MAG

Fotos: Claus Morgenstern




Neueste Beiträge