DAUBERMANN

Simon Daubermann weiß, warum gutes Design für Startups so wichtig ist

Das Mannheimer Designstudio DAUBERMANN steht für „Gutes Design“  im Bereich Corporate Identity, Corporate Design und visueller Kommunikation. Im Interview erklärt Gründer Simon Daubermann, warum gutes Design für Startups wichtig ist – und warum er gerade zum Lions International Festival of Creativity in Cannes eingeladen wurde.

Simon, Du kommst gerade vom Lions International Festival of Creativity in Cannes zurück. Welche Eindrücke konntest du dort sammeln? 

Zu viele für eine Woche! Die thematische Bandbreite ist enorm – auch weil sich aktuell zwei Entwicklungen überlagern: zum einen die steigende Diversität und Anzahl von Kanälen, zum anderen das Tempo, mit denen diese bespielt und angepasst werden müssen. In Cannes wurde darauf in diesem Jahr eine große Antwort formuliert: Kreativität!

Als Teil der Landesdelegation Baden-Württemberg haben wir diese Entwicklungen natürlich vor allem mit Blick auf die Evaluation und Anwendung in der hiesigen Wirtschaft erörtert.

_mg_2796

Der Begriff „Gutes Design“ spielt in Deiner Arbeit eine zentrale Rolle. Wie definierst Du „Gutes Design”?

„Gut“ ist für mich im übergeordneten Sinne zu verstehen – wenn viele unterschiedliche Eigenschaften und Aspekte als Gesamtes positiv, also in einer „hohen Güte“, zusammenwirken.

Grundsätzlich gehört zu Design ja eine funktionale Komponente, es hat einen Leistungsaspekt. In der Kommunikation geht es darum Botschaften, Bilder und Informationen aber auch Empfindungen zu vermitteln und Wahrnehmung zu schaffen. Gutes Design braucht deshalb eine reflektierte, systematische und konzeptionelle Basis, sonst fällt die Kommunikation ab, die Botschaften kommen bei den Adressaten nicht an, werden nicht oder nur teilweise verstanden. Das ist natürlich wenig erfreulich, führt zu hohem Erklärungsaufwand, belastet wirtschaftlich und hindert das Unternehmen an der Entwicklung.

Gutes Design braucht darüber hinaus aber auch Gestaltungsfreiheit. Eigenständigkeit entsteht nicht durch Benchmarks. Individualität entsteht nicht in Templates. Nur wer eigenständig kommuniziert, kann auch identifiziert und verstanden werden. Gutes Design ist nicht nur in visueller Hinsicht ästhetisch wertvoll, es schafft Wert.

_mg_2826

Mit DAUBERMANN setzt Du auf “identitätsbasierte Konzepte”. Was darf man sich darunter vorstellen?

Ein grundlegender Unterschied ist die Herleitung: ein identitätsbasiertes Konzept leitet sich – wie der Name vermuten lässt – aus der Unternehmensidentität, also der Corporate Identity heraus ab. Es stellt damit den Gegenentwurf zu Konzepten dar, die sich an aktuellen Trends, einem einzigen konkreten Anlass oder kurzfristigen Sales-Aspekten ausrichten. In der Folge wirkt ein identitätsbasiertes Konzept wesentlich nachhaltiger – über viele Jahre hinweg. Nach innen und außen. Durch seinen substantiellen Charakter liefert es ein Fundament, auf dem sich so ziemlich jede denkbare kommunikative Anwendung aufbauen lässt und spiegelt dabei in jedem Aspekt den Charakter und die Werte eines Unternehmens wieder.

Ein zweites wesentliches Merkmal sind die Anwendungsbereiche: eine tragfähige Corporate Identity ist nicht nur die Basis eines guten Corporate Designs, vielmehr wirkt sie in alle Geschäftsbereiche hinein – von der klassischen Vermarktung, der internen und externen Unternehmenskommunikation über Employer Branding bis hin zu strategischen Unternehmensausrichtung.

Wird die Bedeutung der Corporate Identity von jungen Unternehmen unterschätzt?

Teilweise. Viele sind sich des Inhalts und des Umfangs einer Corporate Identity nicht wirklich bewusst, sie sehen CI ausschließlich als eine Art „Marken-Leitbild“ eine „Tonality-Guideline“ oder setzen sie mit „Corporate Design“ gleich. Dadurch bleibt natürlich viel Potenzial ungenutzt. Das ist übrigens keineswegs ein Exklusivproblem junger Unternehmen.

Wie sieht der konkrete Prozess einer Identitätsentwicklung aus?

Es ist schwer, hier ein allgemeingültiges Schema aufzuzeigen, denn die Ausformung einer Identität bedarf natürlich einer individuellen Herangehensweise. Unsere Arbeit starten wir generell unvoreingenommen mit großer Aufmerksamkeit und persönlichem Interesse für unseren Auftraggeber. Identität wird ja nicht von außen „übergestülpt“, sondern in der gemeinsamen Arbeit freigelegt – kann also nur als Prozess verstanden werden. Es ist ein Weg, in dem wir durch Perspektiven und Wahrnehmungen von innen und außen, Erfassen, Hinterfragen und Gewichten die Identität Stück für Stück herausarbeiten und verdichten. Unser CI-Modell bietet hier die notwendige Systematisierung, lässt aber die nötigen Freiheitsgrade.

Der Prozess beginnt analytisch – mit einer tiefgreifenden Analyse des Unternehmens, der Leistungen und Produkte, seiner Historie, seiner prägenden Akteure. Die einzelnen Parameter werden dann auf dieser Basis ausgestaltet, die Identität verdichtet sich immer weiter – bis zur finalen Form, der Corporate Identity.

Was ist der Mehrwert guter Kommunikation – insbesondere für Startups?

Authentizität, Konsistenz, Nachhaltigkeit, Flexibilität – das sind vier prägnante Bereiche in denen sich identitätsbasierte Konzepte auszeichnen. Gerade für Startups ist es wichtig, ihr Unternehmensprofil zu schärfen und im Außenauftritt zu professionalisieren. Sie profitieren dabei beispielsweise in der Investoren- oder Kundenakquise. Zudem gewinnen sie die in ihrem hochdynamischen Umfeld dringend benötigte Flexibilität – etwa wenn es darum geht neue Produkte/Leistungen in der Kommunikation zu integrieren oder den Unternehmensauftritt auf neue Plattformen auszuweiten.

Dabei spielt es keine Rolle ob es sich um ein hochkomprimiertes Format – etwa eine Smart Watch – oder um ein ausführliches Medium handelt: durch den grundlegenden Charakter identitätsbasierter Konzepte lässt sich über alle Kanäle konsistent kommunizieren.

_mg_2814

Du hast selbst Startup-Erfahrung. In den vergangenen Monaten wurde Deine Arbeit mit einer Vielzahl von nationalen und internationalen Awards prämiert. Wie wichtig ist die Teilnahme an Wettbewerben für eine Agentur?

Zunächst einmal sind Auszeichnungen für jeden Designer eine tolle Sache – und ich bilde da sicherlich keine Ausnahme. Ich freue mich über die Awards und sehe sie in erster Linie als eine Bestätigung unseres identitätsbasierten Ansatzes und auch der gestalterischen Qualität unserer Arbeit.

Für Agenturen sind Wettbewerbe ein beliebter Weg, ihre Leistungsqualität unter Beweis zu stellen und auf sich aufmerksam zu machen. Design an sich ist kaum objektivierbar. Kreation kennt keine Bauanleitung. Adressaten und Ansprache, Medien und Kanäle verändern sich heute in kurzen Abständen – hier muss man schnell adaptieren. All das sind durchaus gute Gründe dafür, sich mit ganz konkreten Projekten, also mit Design in der Anwendung im Wettbewerb zu messen.
Nicht zuletzt sind Awards und eben auch die sich daraus ergebenden Agentur-Rankings ein beliebtes Entscheidungskriterium für potentielle Auftraggeber.

Man muss auf der anderen Seite aber auch sehen, dass die Anzahl an verschiedenen Wettbewerben und der Umgang damit in den letzten Jahren ein fast schon inflationäres Ausmaß angenommen hat. Die Kombination von teilweise sehr hohem Kosten- und Ressourcenaufwand ist für junge Agenturen nicht zu unterschätzen. Man kann hier schnell zu dem Eindruck kommen, dass es eben auch ein Business ist, bei dem größere Player die weitaus besseren Karten haben.

Am Ende sollte es immer darum gehen, gute Arbeit, gute Gestaltung, gute Kommunikation für unsere Auftraggeber zu machen.

_mg_3033

Immer mehr Kreativagenturen entdecken Mannheim als idealen Standort. Welche Rolle spielt der Standort Mannheim für Dich?   

Eine Wichtige! Was hier in den letzten Jahren entstanden ist, ist beeindruckend. Die Stadt Mannheim und insbesondere Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz haben die kreativwirtschaftliche Entwicklung nachhaltig vorangetrieben und ein tragfähiges Konzept verwirklicht.
Bei vielen Akteuren kann man eben auch spüren, dass ihnen das Thema „Kreativwirtschaft“ persönlich wichtig ist, sie Mannheim voranbringen wollen und dahinterstehen. Ich glaube, das macht den entscheidenden Unterschied – und bringt nachhaltig Aufmerksamkeit.

Das C-HUB, Projekte wie das UNCOVER Design Festival oder das Designzentrum, das sich gerade neu aufstellt, zeigen nicht nur wohin es geht, sondern auch, dass hier in Mannheim zu eigenen Ansätzen und eigenen Formaten gefunden wird. Dieser Raum für Entwicklung macht es interessant und spannend.

Welchen persönlichen Bezug hast Du zu Mannheim?

Ich erlebe Mannheim als lebenswerte, vielfältige und offene Stadt, die ganz unterschiedliche Räume und Dimensionen bietet. Abwechslungsreich mit viel Bewegungsfreiheit – aber nicht anonym. Man kennt sich, ohne sich andauernd über den Weg zu laufen.

Darüber hinaus schätze ich immer wieder die Impression ferner Landschaften, Länder und Kulturen. Kapstadt hat einen mitreißenden Kultur-Kreativ-Mix und in Japan findet man nicht nur gestalterischen Minimalismus, sondern auch die Geisteshaltung, die ihn schafft.

Wie wird sich Mannheim in den nächsten 10 Jahren verändern – und wo siehst Du dich selbst im Jahr 2026?

Der Umbruch durch die Digitalisierung bietet gerade hier viel Raum und die Chance, Dinge von Grund auf neu anzugehen. Raum dafür, Dinge „richtig“ zu machen. Für mich heißt das vor allem, sich auf das wirklich Relevante zu besinnen – hin zu einer substanziell nachhaltigen, grundpositiven Stadt und Gesellschaft. Design kann hier beispielsweise in Form von „Social Design“ einen wichtigen und einzigartigen Beitrag leisten. In den kommenden Jahren möchte ich daran gerne aktiv mitgestalten.


DAUBERMANN

 

 

 

 




Neueste Beiträge