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Drei Mannheimer revolutionieren die „Cloud für Entwickler“

Drei Freunde revolutionieren im Mannheimer Technologiezentrum MAFINEX die „Cloud für Entwickler“. Lukas Gentele, Fabian Kramm und Daniel Thiry sind erst vor zwei Jahren gestartet, haben aber schon zahlreiche Awards gewonnen und ihre Geschäftsidee jetzt auch im Silicon Valley vorgestellt.

 

Lukas und Fabian, Ihr seid Wirtschaftsinformatiker – Daniel, Du bist Betriebswirtschaftler. Vom Hörsaal seid Ihr direkt ins eigene Unternehmen gestartet. Was war bei Euch ausschlaggebend? Eine geniale Idee oder der Wunsch nach Eigenständigkeit?

Lukas Gentele: Daniel und ich hatten schon zu Studienzeiten eine Webagentur und Fabian arbeitete mit – wir waren also schon sehr früh ein Trio. So ist dann auch die Idee zu covexo entstanden. Im Gespräch mit anderen Entwicklern merkten wir, dass viele die gleichen Probleme haben wie wir und dass es dafür noch keine Lösung gab. Also haben wir selbst eine entwickelt.

 

Die Cloudentwickler und Gründer von covexo: Daniel Thiry, Lukas Gentele und Fabian Kramm.

 

Was genau ist die Lösung und was ist Eure Idee? Bitte erklärt doch mal Euer Startup.

Daniel Thiry: Während der Arbeit in der Webagentur fiel uns immer wieder auf, dass ein Dilemma zwischen Web- und Desktop-basierter Entwicklung herrscht. Software wird immer noch auf lokalen Computern entwickelt, aber heute meistens in der Cloud ausgeführt. Für den Betrieb werden schon häufig Container-Technologien wie „Docker“ oder „Kubernetes“ verwendet. Das heißt, ganz ähnlich wie in einem Hafen, werden Container mit Software beladen und dann in die Cloud „verschifft“. Für den Betrieb von Software funktioniert das auch sehr gut, für die Entwicklung dauert es aber viel zu lange: zwischen 30 Sekunden und fünf Minuten – und das nach jeder kleinen Änderung. In dieser Zeit muss der Programmierer immer wieder warten und ist unproduktiv.

Fabian Kramm: Wir lösen dieses Problem, indem wir die Daten in Echtzeit synchronisieren. Es gibt keine Verzögerung mehr – die Entwicklung am PC und in der Cloud passiert zeitgleich. Und alle Entwickler und Projektmanager haben die Informationen direkt. Arbeiten wird kollaborativ. Das Beste daran: Unser Produkt ist kompatibel mit allen möglichen Systemen. Die Entwickler können ihre gewohnte Software einfach weiter benutzen, aber sie durch unser Produkt namens „DevSpace“ – abgeleitet von Developer Space – optimieren.

 

 

Ihr habt 2017 gegründet. Seid Ihr denn schon am Markt – der sich in Eurem Fall ja ganz schön groß anhört …

Lukas: Die Idee entwickelten wir im Sommer 2016 und stellten auch damals bereits den Antrag für EXIST. Das Gründer-Stipendium des Bundeswirtschaftsministeriums und der EU wurde bewilligt und es gab 120.000 Euro für uns. Damit hatten wir die Chance, offiziell zu gründen. Das war im April 2017 und im Sommer 2017 investierten nochmals Privatpersonen 150.000 Euro in unsere Firma. Es waren tatsächlich ein paar Freunde von uns, die nach Investitionen suchten, uns kannten und an unsere Idee glaubten – und noch immer glauben. Die laden wir auch schon mal ins Büro ein und lassen bei guten Nachrichten die Korken gemeinsam knallen.

Daniel: Im September 2017 sind wir dann ins Mannheimer Technologiezentrum MAFINEX umgezogen, was eine sehr gute Entscheidung war. Zudem haben wir international an verschiedenen Konferenzen teilgenommen, zum Beispiel am WebSummit in Lissabon. Im November 2017 gewannen wir zudem den Mannheimer Existenzgründerpreis MEXI, der mit 10.000 Euro dotiert ist. Danach vervollständigten wir unseren Prototypen, sodass wir im Frühjahr 2018 unser erstes Produkt offiziell am Markt platzieren konnten. Mittlerweile haben wir deshalb unser Team ausgebaut: mit einem Festangestellten und einem Werksstudenten.

 

 

Der Markteinstieg ist die spannendste, aber auch die heikelste Phase für ein Startup. Wie ist es bei Euch gelaufen?

Fabian: Das EXIST-Stipendium endete im April 2018. Genau zu diesem Zeitpunkt gingen wir aber gerade erst mit unserem Produkt an den Markt. Zwölf Monate genügen einfach nicht, um ein so hochkomplexes Thema zu bearbeiten. Aber zum Glück hatten wir durch unsere frühere Finanzierungsrunde noch etwas Puffer. Wir gewannen dann auch noch den Gründer-Wettbewerb des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Und aktuell, jetzt im Herbst, haben wir beim „Cyber One“ Hightech Award Baden-Württemberg den dritten Platz erobert. Gerade sind wir im Gespräch mit einem neuen Investor. Wir sind also insgesamt sehr zuversichtlich.

Lukas: Zudem mussten wir auch in puncto Marktplatzierung einiges lernen. Unser erstes Produkt war ein geschlossenes System. Wir erkannten, dass dies der falsche Ansatz ist. Wir bekamen nicht genug Aufmerksamkeit. Also öffneten wir uns, entwickelten eine Open Source-Lösung daraus. Den Kernbestandteil des Codes kann nun jeder einsehen. Der Download ist frei verfügbar – und mit der Premium-Version werden wir Geld verdienen, also mit zusätzlichen Versionen und Features.

Wie bekannt ist Euer Produkt „DevSpace“ durch Open Source geworden?

Daniel: Wir haben zunächst mit Online-Posts angefangen. Dort erreichen wir mittlerweile mit einzelnen Posts 8.000 Views. Das ist extrem gut. Mittlerweile haben uns 250 Leute einen „Star“ gegeben und mehr als 200 Leute haben unsere Software in den letzten 14 Tagen gedownloadet. Entwickler hassen Sales Pitches. Das Beste, was uns passieren kann, ist eine Weiterempfehlung von „ITler“ zu „ITler“. Und genau das passiert jetzt. Gerade ist der erste große Tech-Influencer auf uns aufmerksam geworden. Ein Österreicher, der in Irland lebt. Er meinte „coole, smarte Technologie“ und will uns nun in seinen Newsletter aufnehmen. Das wäre hervorragend für uns.

Fabian: Wir schätzen, dass es in Deutschland 140.000 Entwickler gibt, für die unser Produkt interessant sein könnte. Weltweit gibt es 21 Millionen Entwickler – davon gehören etwa 3,3 Millionen zu unserer relevanten Zielgruppe. Also das Potenzial für Nachfrage und Wachstum ist groß und wird in Zukunft noch größer werden.

 

 

Wenn der Bedarf nach Eurem Produkt so groß ist: fürchtet Ihr nicht aufkommende Konkurrenz? Zumal Euer Quellcode einsehbar ist …

Lukas: Es ist ein immer noch neues Thema. Aber ja, im Moment beschäftigen sich alle Großen der Branche mit der Lösung dieses Problems. Microsoft, Google und so weiter. Tatsächlich gibt es in den USA zwei direkte Wettbewerber für uns, aber wie es scheint, setzen diese auf andere Lösungsansätze. Im Vergleich dazu sind wir zwar ein sehr kleiner Player, aber wir sind unabhängig – unser Produkt läuft mit jedem System und das ist unser Vorteil. Das ist revolutionär! Wir haben auch schon unseren Namen covexo und das Produkt „DevSpace“ markenrechtlich schützen lassen.

 

 

Im Sommer 2018 seid Ihr ins Silicon Valley eingeladen worden. Wie kam es dazu?

Daniel: Wir haben uns beim „Y Combinator“ beworben. „Y Combinator“ ist eines der renommiertesten Accelerator-Programme für innovative High-Tech-Startups weltweit. Dort wird man drei Monate dabei unterstützt, Kunden, Mentoren und Investoren aus dem Silicon Valley kennenzulernen. Auch die Macher von Docker, AirBnB oder Dropbox haben schon daran teilgenommen. Jedes Jahr bewerben sich für die begehrten Plätze bis zu 15.000 Startups. Wir haben es in die letzte Runde geschafft, sind also unter die 500 besten gekommen und wurden nach Kalifornien eingeladen. Damit hätten wir nie im Leben gerechnet! Ein echtes Highlight bisher.

Lukas: Investoren in den USA haben weniger Scheu vor Innovation. In Deutschland ist man da schon konservativer, vorsichtiger. Das kann auch sinnvoll sein, aber für uns macht das die Sache natürlich schwieriger. Die Investoren hier sind stärker zahlen- und umsatzgetrieben. Im Silicon Valley heißt es: „Think big“. Aber auch hier in der Startup-City Mannheim haben wir tolle Unterstützung erfahren: Wir haben noch immer guten Kontakt zu unseren Mannheimer Professoren und jetzt Mentoren, Prof. Armin Heinzl, Prof. Heiner Stuckenschmidt und Dr. Christian Bartelt vom Institut für Enterprise Systems der Universität Mannheim.

Fabian: Und unsere Inhouse-Kontakte hier im MAFINEX wachsen auch ständig, beim Feierabendbier in der Lounge, beim gemeinsamen Grillen oder auch bei Hackathons. Und Sonja Wilkens von der Wirtschaftsförderung der Stadt Mannheim ist stets um uns bemüht. Sie hat bereits 2016 geholfen, den Antrag für EXIST zu stellen. Außerdem gibt es hier immer wieder Veranstaltungen, bei denen wir potenzielle Kunden und andere spannende Leute treffen können. Übrigens – wir suchen noch einen Business Angel! Und ein cooles Ziel für die nächsten Jahre wäre: Zwei Büros: eins in Mannheim und eins im Silicon Valley!

 

 

Und was ist Euer gemeinsames Ziel?

Wir wollen mit covexo natürlich erfolgreich sein, uns aber auch selbst verwirklichen. Und dass wir seit Jahren auch gute Freunde sind, macht unsere Zusammenarbeit noch wertvoller.


Interview: Sina Listmann / LA.MAG

Fotos: Sebastian Weindel

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