CAPTCHA Designfestival

Workshops, Symposium, Ausstellung: Mannheims Designernachwuchs eröffnet neue Dimensionen

Musik, Mode und Design sind die Fokusthemen der Mannheimer Kreativwirtschaft. Mit den Designfestivals UNCOVER und CAPTCHA hat sich vor allem der Bereich Design sehr dynamisch entwickelt – und wurde vom 3. bis 16. September mit der neuesten CAPTCHA-Ausgabe zum Hotspot für junge Designer aus aller Welt. Wir haben Luca Büttner und Denys Hsu von der Fakultät für Gestaltung an der Hochschule Mannheim zum Interview getroffen.

 

Am 3. September habt Ihr in Mannheim das fünfte CAPTCHA-Designfestival gestartet. Das offizielle Motto lautete „Dimension“, aber es hätte diesmal auch „CAPTCHA goes international“ lauten können?

Denys Hsu: Ja, das stimmt, denn das Teilnehmerfeld war diesmal bunt gemischt: regional, überregional – und international! Im fünften Jahr haben wir uns bewusst dafür entschieden, auch international für CAPTCHA zu werben. Webseite und Social-Media-Kanäle sind zum ersten Mal auf Englisch, das diesjährige Thema „Dimension“ ist in deutscher und englischer Sprache klar verständlich.

Luca Büttner: Manchmal erstellen überregionale und internationale Designer ihre Open-Call-Arbeiten direkt vor Ort in Mannheim, unmittelbar bei der CAPTCHA. Das ist für uns etwas ganz Besonderes. Und dieses Jahr wurde alles eine ganze Nummer größer – das war definitiv spannend und eine neue Dimension auch für uns.

 

Das Mannheimer CAPTCHA-Team 2018.

 

Was ist die Grundidee des Festivals?

Luca: Jeder kann mitmachen. Wie schon in den letzten Jahren wollen wir mit der CAPTCHA jungen Design-Studierenden die Möglichkeit bieten, interessante und coole Workshops zu besuchen – für kleines Geld. Oft kosten vergleichbare Workshops richtig viel. Die CAPTCHA ist von Studierenden für Studierende gemacht und vergleichsweise erschwinglich.

 

 

Wie funktioniert das Festival, wie sind die Abläufe?

Denys: Wir sind mit einem 1-Tages-Symposium gestartet und haben dann drei volle Tage lang Workshops angeboten, in denen gemeinsam Ergebnisse erarbeitet werden konnte. Diese wurden dann bei einer Vernissage im Mannheimer Kunstverein vorgestellt. An die Vernissage schloss sich eine einwöchige, öffentliche Ausstellung an.

Luca: Das Symposium am 3. September im zeitraumexit im Mannheimer Jungbusch war unsere Kick-Off-Veranstaltung. Besonders spannend dieses Jahr war der Open Call: Designstudierende aus der ganzen Welt waren eingeladen, ihre Arbeiten zum Thema „Dimension“ einzureichen. Es ist völlig egal, wo auf der Welt die Teilnehmer studieren und ob sie es in der Festivalwoche persönlich nach Mannheim schafften.

Das Symposium und die Workshops sind hochkarätig besetzt. Erzählt doch mal, wer diesmal dabei war.

Luca: Simone Cihlar aus Berlin hat den Workshop unter dem Titel Concept Design geleitet. Sie hat selbst hier in Mannheim ihren Bachelor gemacht und fertigt heute atemberaubende Collagen und Paperworks für Musiker weltweit. Das war richtig fett. Ein analoger Kontrast zu den sonst eher digitalen Arbeiten. Freut uns sehr, dass sie dabei war! Der Südamerikaner Jonathan Castro von der Amsterdamer Agentur Metahaven war ebenfalls am Start. Seine Plakate und Poster sind gerade schwer angesagt: wildes Zeug, echt cool!

Denys: Aus der Schweiz kamen Raffael Schoen und Simon Rüegg vom Präsens Büro in Luzern und haben ein Magazin mit uns gemacht. Es gab einen spannenden Printworkshop mit Schwerpunkt Typographie. Dominik Rinnhofer aus Karlsruhe war auch dabei, der macht Videomapping. In dem Zusammenhang hat er auch eine Skulptur gebaut, auf die dann projiziert wurde.

Luca: Beim Symposium war außerdem Sascha Ehlert dabei. Der berichtete über sein abgefahrenes Magazin Das Wetter. Für Studenten total interessant – auch gerade im Hinblick auf die berufliche Zukunft. Colin Dörffler kam auch – der war schon letztes Jahr bei der CAPTCHA – da ist mittlerweile sowas wie eine Achse München-Mannheim entstanden. Das war eine super Mischung dieses Jahr!

 

 

Über die Jahre bildet sich also ein immer umfassenderes CAPTCHA-Netzwerk aus?

Luca: Ja, da hat sich viel ergeben: Workshop-Teilnehmer kehren als Gäste des Symposiums zurück, man bleibt in regem Austausch miteinander und unterstützt sich gegenseitig.

Denys: Da hat sich inzwischen ein großes Netzwerk aufgebaut und es entstehen ständig neue Freundschaften, die auch gepflegt werden. Wir haben eine Vielzahl an Unterstützern und Kooperationen ohne welche die Organisation des Designfestivals gar nicht möglich wäre. Bei uns im Großraum Mannheim unterstützten uns unter anderem die kuehlhaus AG und Raum Mannheim, aber auch Frank Zumbruch, der Leiter der Creative Commission bei Startup Mannheim. Er hat dieses Jahr das Symposium moderiert und teilt sein Knowhow vom Designfest UNCOVER mit uns.

 

 

Welche Entwicklung seht Ihr ganz allgemein im Bereich Design?

Denys: Das ist schwer zu sagen, denn Design entwickelt sich ja ständig in alle möglichen Richtungen weiter. Wir kommen aus der Ära des Industriedesigns, aber die Entwicklungen werden immer schneller und freier durch das Web und die Soziale Medien.

Luca: Design wird von so vielen Einflüssen gespeist; neue Ideen fließen von überall her mit ein. Heute arbeiten Designer ganz automatisch für ein großes Publikum und auch die Einflüsse sind sehr international geworden. Nichts ist mehr unmöglich. Jeder kann machen, worauf er Bock hat.

 

 

Manifestiert sich diese Vielfalt auch im Rahmen der CAPTCHA?

Luca: Klar, bei uns gibt’s alle Medien – vom klassischen Print bis zur ausgeflippten Videoinstallation.

Denys: Es gibt schon Richtungen, aber eben sehr viele unterschiedliche. Genau das macht die CAPTCHA für so viele junge Gestalter interessant, da sie bei uns ihre Freiheit ausleben können.

Warum heißt das Festival eigentlich CAPTCHA – und warum sagt Ihr „die CAPTCHA“?

Denys: Der Name CAPTCHA wurde gewählt – weil wir keine Roboter sind!

Luca: Die Mannheimer sagen „die“ CAPTCHA, aber da scheiden sich die Geister. Korrekt muss man wohl „das CAPTCHA Designfestival“ sagen, aber das ist so umstritten wie die Frage, ob es „die“ oder „das“ Nutella heißt. Am Ende darf das jeder für sich selbst entscheiden.

2014 hat CAPTCHA Premiere gefeiert. Seid Ihr schon von Anfang an dabei?

Luca: Wir studieren an der Hochschule Mannheim an der Fakultät für Gestaltung Kommunikationsdesign im 5. und 6. Semester, von daher waren wir 2014 noch nicht am Start. Die Organisatoren von damals sind heute nicht mehr an der Uni, aber man kennt sich. Christian Hartmann zum Beispiel, der begleitete uns noch aus der Ferne. Generell wechselt das Team jährlich und es gibt ständig neue Ansprechpartner. Aktuell waren wir 11 Studierende vom 3. bis zum 9. Semester – eine bunte Truppe, aber es hat super funktioniert.

Denys: Luca und ich waren ja nicht zum ersten Mal dabei, wir haben uns über die CAPTCHA kennengelernt. Von daher kennen wir noch die Leute von früher. Caro Kaiser vom UNCOVER Designfest war schon 2014 dabei, als das Motto „Befreiung der Schrift“ hieß. Wir sind untereinander gut vernetzt, aber jeder Jahrgang macht vorwiegend sein eigenes Ding.

 

 

Habt ihr als angehende Designer schon eine bestimmte Fachrichtung eingeschlagen?

Denys: Bei mir gibt’s noch keinen Schwerpunkt, ich finde vieles total interessant: Gestaltung im Raum, Ausstellungsdesign, 3D-Design – aber auch Interfacedesign ist spannend und Print ebenso. Wenn ich mich festlegen müsste, dann aktuell wohl auf 3D- und Raumgestaltung.

Luca: Bei mir ist das ähnlich. Ich will mich zurzeit auch gar nicht festlegen, da sich Interessen immer neu entwickeln können. Aktuell könnte ich mir vorstellen im Bereich Interaktionsdesign Fuß zu fassen. Das kann sich aber auch noch schlagartig ändern.

Wart ihr selbst schon mal als Teilnehmer beim CAPTCHA-Open-Call dabei?

Luca: Nein, leider nicht. Ich bin direkt in die Orga eingestiegen, weil ich die Festivalidee so cool fand. Aber organisieren und gleichzeitig teilnehmen ist einfach zeitlich nicht drin. Wäre aber sicher ne schöne Sache, auch selbst mal auszustellen.

Denys: Auch ich bin direkt im 1. Semester im Orga-Team gelandet. War immer eine super Zeit, deshalb bin ich auch heute noch dabei. Aber dann noch eigene Arbeiten zu erstellen für den Open Call, das ist echt zu knapp. Die Orga ist ein Vollzeitjob.

 

 

Ihr kommt beide aus Mannheim. Jetzt mal aus der Local-Perspektive: Was macht den Mannheim-Spirit aus und warum zieht die Stadt immer mehr junge Designer an? 

Luca: Mannheim ist Heimat für mich; das merke ich vor allem dann, wenn ich mal ein paar Tage weg bin und dann wieder zurück in die Quadrate komme. Diese bewussten Mannheim-Momente sind sehr inspirierend. In dieser Zeit entdecke ich viel Neues in vertrauter Umgebung. Das ist die Zeit, in der Mannheim seinen ganzen Charme entfaltet.

Denys: Für mich ist Mannheim die Stadt der Gegensätze. Hier findest du heruntergekommene Hausfassaden neben Hochglanz, üppige Grünflächen neben Asphaltwüste, Multikulti und Mannheimer Urgesteine Tür an Tür – das finde ich geil. Man kann hier wundervoll die Natur am Rhein- und Neckarufer genießen und hat doch alle Vorzüge der Großstadt.

 

 

Letzte Frage: Auf was habt Ihr Euch persönlich am meisten gefreut?

Denys: Hmm, auf die Leute, auf die Werke, auf die Gespräche – auf alles eigentlich. Das war eine super Festivalwoche, gar keine Frage.

Luca: Ich mich auf jeden Fall auf unsere Afterparty am 7. September in der Disco Zwei. Das Symposium und die Workshops waren gestemmt und auch die Vernissage war geschafft. Dann hatte sich das ganze Team mehr als verdient richtig zu feiern, mit Freunden und Partnern, Kommilitonen und Weggefährten. Party, Spaß und Networking gehören einfach zur Mannheimer CAPTCHA dazu.


Interview: Andreas Stanita / LA.MAG

Fotos: Rainer Diehl

www.captcha-mannheim.de




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