BITTERLIEBE

- Wird Bitter jetzt das neue Süß?

Wird Bitter jetzt das neue Süß? 10 Fragen an das Mannheimer Startup BitterLiebe

Die Geschmacksrichtung Bitter war fast vergessen – bis das Mannheimer Startup Bitterliebe Bitterstoffe zum Trendthema ausgerufen hat. Wir haben die Gründer Andre Sierek und Jan Stratmann in ihrem Büro auf dem Mannheimer Turley-Gelände zum Interview getroffen.

  1. Eure Geschäftsidee ist ja ziemlich verwegen. Wie kommt man auf die Idee, Menschen für Bitterstoffe zu begeistern?

Andre: Unsere Schwiegermutter in spe verwendet schon seit Jahrzehnten Bitterstoffe und hat uns mit ihrer Begeisterung angesteckt. Von gängigen Produkten waren wir aber nicht überzeugt – weder vom Geschmack, vom Design oder der Vermarktung. Also haben wir beschlossen, das Thema wieder bekannter zu machen. Bitterstoffe von BitterLiebe gehören unserer Meinung nach in jeden Haushalt, genauso wie Salz und Pfeffer.

 

  1. Welche Produkte bietet Ihr an – und warum sollte man Bitterstoffe zu sich nehmen?

Jan: Wir vertreiben aktuell drei Produkte: Unser Superfood Pulver, den leckeren Bitterkräuter-Tee und unseren Verkaufsschlager: die BitterLiebe Tropfen. Mit den Tropfen haben wir angefangen, weil sie direkt auf der Zunge ihre Wirkung entfalten. Die Tropfen sind ideal für Naschkatzen, eignen sich perfekt nach einer deftigen Mahlzeit und sorgen dafür, dass man sich einfach wohler fühlt. Das Pulver soll dabei helfen, den Geschmackssinn Bitter wieder in die eigene Ernährung zu integrieren. Beispielsweise als Zugabe in Smoothies, Salat-Dressings aber auch in einer deftigen Mahlzeit wie einer Schnitzelpanade. Rezeptideen veröffentlichen wir einmal die Woche auf unserem Blog.

  1. Die Geschmacksnerven der meisten Menschen sind auf süß programmiert. Wir wollt Ihr das ändern?

Andre: Die meisten Menschen kennen Bitterstoffe nicht, da diese durch den Wandel der Geschmäcker aus Lebensmitteln weitgehend herausgezüchtet worden sind. Wir kennen meist nur süß, sauer, salzig, scharf oder umami.  Wir wollen zeigen, wie gut Bitterstoffe für das Wohlbefinden sind – und wie lecker bitter schmecken kann.

  1. Wann habt Ihr Euch entschieden aus der Idee ein Startup zu machen – und wann habt Ihr gegründet?

Jan: Nach einer Familienfeier haben wir beschlossen, die Idee in die Praxis umzusetzen. Mit befreundeten Ärzten und Heilpraktikern haben wir zuerst neun Monate lang im Keller der Oma an der perfekten Rezeptur gearbeitet. Als wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden waren, sind wir damit zu einem spezialisiertem Lohnhersteller mit 20 Jahren Erfahrung im Bereich Kräuterprodukte gegangen. Mit diesem Partner haben wir die Rezeptur mit insgesamt 15 ausgewählten Naturkräutern weiter verfeinert und die erste Charge in Auftrag gegeben. Gegründet haben wir im Februar 2018 und drei Monate später ging unser Online-Shop live.

  1. Ihr habt in der Startup-City Mannheim gegründet. Pure Absicht?

Andre: Da wir beide aus der Region kommen, kam für uns nur Mannheim oder Heidelberg in Frage. Da wir in Mannheim mit einigen Unternehmern schon gut vernetzt waren, ist die Wahl schließlich auf Mannheim gefallen.

  1. Euch steht die Mannheimer Good Brands AG zur Seite, die unter anderem auch in die Mannheimer Sockenmarke Von Jungfeld und das Modelabel Phyne investiert. Wie kam der Kontakt zustande?

Andre: Es gab von Beginn an eine große Nachfrage nach unseren Produkten und wir sind schon in den ersten drei Monaten sehr schnell gewachsen. In dieser Zeit habe ich mich mit dem Mannheimer Investor Matthias Storch auf einen Kaffee verabredet – und danach ging alles sehr schnell, da wir uns auf Anhieb super verstanden haben. Wir hatten unsererseits großes Interesse, einen erfahrenen Unternehmer ins Boot zu holen und andererseits war die Good Brands AG von unseren Produkten überzeugt.

  1. Was war der bisher schwierigste Moment seit der Gründung – und was der Beste?

Jan: Der schwierigste Moment war der unklare rechtliche Rahmen von Nahrungsergänzungsmitteln. Wir haben zig Mal bei Behörden versucht Antworten zu bekommen, jedoch immer ohne Hilfe oder weiterführende Informationen. Mittlerweile kennen wir aber alle gesetzlichen Vorschriften. Das ist ein langer und nervenaufreibender Prozess – man braucht da eine extrem dicke Haut. Kleines Beispiel: Wir mussten unseren ersten Markennamen „MagenFreude“ ändern, weil das eine Gesundheitsaussage sei und dies bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht zulässig ist.

  1. Das ist ja bitter! Und was war der beste Moment bisher?

Andre: Die besten Momente sind die täglich neuen hervorragenden Kundenbewertungen, die uns motivieren, BitterLiebe noch viel bekannter zu machen.

  1. Wie viele Mitarbeiter hat Bitterliebe – und wo und wie wird produziert?

Jan: Wir sind hier in Mannheim mittlerweile ein Team von acht Leuten inklusive zwei Werkstudenten. Produziert wird bei unserem Lohnhersteller in Nordrhein-Westfalen.

  1. Wo seht Ihr Euch in 5 Jahren?

Andre: In fünf Jahren wollen wir in Europa die führende Marke für Bitterstoffe sein. Dann wird es uns auch in allen großen Drogerieketten und im Lebensmitteleinzelhandel zu kaufen geben. Im besten Fall sind wir mitverantwortlich dafür, dass die Geschmacksrichtung Bitter wieder einen Platz in unserer Ernährung findet.

 

https://bitterliebe.com

 

Interview: Ralf Laubscher / LA.MAG

Fotos: LA.MAG / Bitterpower GmbH




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