7 Fragen an nusiy

Anusiya Kock von nusiy im gig7-Interview

„Am Anfang dachte ich: Ich brauche für ein Armband 45 Minuten. Oh Gott, wie soll ich damit Geld verdienen.“ Nusiy ist ein Online-Shop für personalisierten Schmuck, der die besondere Verbindung zwischen Mutter und Kind symbolisiert. Damit der Schmuck ewig verbindet, werden 925er Sterlingsilber, 23 Karat Goldplattierung und weitere hochwertige Materialien in liebevoller Handarbeit verarbeitet. Anusiya Kock ist mit ihrem Online-Shop seit ein paar Jahren am Markt und baut stetig ihr Sortiment aus.
1. Du standest mitten im Beruf, mit Führungsverantwortung und Reiseanforderung, als du dich entschlossen hast zu gründen. Wie war die Umstellung für dich?

Das war wirklich hart. Ich war glücklich, dass ich schwanger geworden bin. Aber ich war traurig meinen Job in der Modebranche aufzugeben, denn er hatte mich ja eine Zeit lang erfüllt und glücklich gemacht. Ich hatte Erfolge und habe mich mit meinem Beruf identifiziert. Die Karriereleiter ging immer weiter hoch: Erst hatte ich einen Store, dann zwei, dann drei, dann vier und ich habe immer mehr interne Aufgaben übernommen, um zukunftsorientiert auszubilden. Ich habe auch über den Tellerrand hinaus so viel gearbeitet und umso schwieriger war es für mich zurückzugehen und zu sagen: „Hier hört dieser Weg auf und es muss sich ein Neuer öffnen.“

2. Wie hat dein Umfeld reagiert, als du beschlossen hast, deinen Beruf aufzugeben und zu gründen?

Mein Mann unterstützt mich egal wofür ich mich entscheide. Er hat gesagt, egal was, das schaffen wir gemeinsam. Ansonsten habe ich gar nicht so sehr in mein Umfeld reingehört. Ich musste allerdings erst lernen, auch an mich zu denken und nicht nur zu 100% Mutter zu sein. Ich wollte nicht länger als 14 Monate raus aus dem Arbeitsleben sein, also habe ich meinen Sohn früher in die Kindertagesstätte gegeben. Das war ein großer Schritt für mich, meinen Sohn mit 6 Monaten 2 Tage die Woche in die Krippe zu geben. Meine Tochter durfte 14 Monate bei mir bleiben. Das hat in mir einen Gewissenskonflikt ausgelöst, ob das unfair ist. Aber am Ende war das in Ordnung. Die Tagesmütter haben mich sehr unterstützt, weil sie wussten wie schwer und emotional es für mich war und haben mir am Anfang immer Bilder geschickt. Das hat mir sehr geholfen mit meiner Entscheidung zurechtzukommen. Ich habe gemerkt, dass es gar nicht so schlimm ist: Mein Sohn ist sehr gut versorgt und ist glücklich. Ich bin ja trotzdem Mama. Ich möchte keine Mama verurteilen, die zuhause bleibt und nur Mutter ist. Aber mir reicht das nicht aus. Das füllt mich nicht und ist dann auch für meine Kinder nicht ideal. Ich möchte ihnen zeigen, dass beides geht. Ich bin Mama, das ist ja auch Teil der Entscheidung für diesen Weg, ich kann aber auch Unternehmerin bleiben.

3. Wie kam es zu deiner Unternehmensidee?

Die Idee kam, während ich schwanger war. Das war auf der einen Seite mein traditioneller Hintergrund: Ich komme aus Sri Lanka und bei uns wird die Schwangerschaft als besonderes Fest zelebriert. Kurz vor der Geburt richtet die Mutter der Schwangeren ein Fest aus, mit dem sie feiert, dass sie zur Oma und die Tochter zur Mama wird. Es wird ein Sari angezogen, Blumen in die Haare gesteckt und das Gesicht geschminkt. Dann sitzt die werdende Mutter in einem Saal und Freunde und Verwandte bringen ihr Armreifen in verschiedenen Farben, die über den Arm gestülpt werden. Verschiedene Farben haben verschiedene Bedeutungen: Glück, Wohlstand, Gesundheit und so weiter und jeder Gast bringt mit, was er der Mutter und dem Kind wünschen möchte. Der Schmuck überträgt die Bedeutung. Auf der anderen Seite war der Grund, dass ich auf der Suche nach einem Schmuckstück war, das die Verbindung zu meiner Tochter wiedergeben sollte und die besondere Bedeutung der Schwangerschaft: Ich hatte das noch nie vorher erlebt und das ist so magisch, dieses Flimmern im Bauch und das Kribbeln und das Treten. Diese enorme Verbundenheit, obwohl ich das Baby noch nie gesehen hatte. Der Moment dann das Baby im Arm zu halten und alles durchgestanden zu haben und zu wissen, dass ein neues Kapitel beginnt… Diese Verbindung ist unbeschreiblich. Genau das wollte ich festhalten und jeder Frau, jeder Mama die Möglichkeit geben diese Gefühle an einem Schmuckstück festzuhalten: Schmuck für die ewige Verbindung zwischen Mutter und Kind. So einen bedeutenden Schmuck habe ich nirgends auf dem Markt gefunden.

4. Wie wurde daraus ein Business?

Ich habe in Mannheim BWL mit Schwerpunkt Dienstleistungsmarketing studiert und komme eigentlich gar nicht aus dem kreativen Bereich. Während der Schwangerschaft war aber schon klar, dass ich meinen ursprünglichen Beruf aufgrund der hohen Reisebereitschaft, nicht mehr ausüben kann. Am Anfang dachte ich noch, ich mache einen Spagat und nehme meine Tochter mit, aber als sie auf die Welt kam, dachte ich: Ne, das möchte ich gar nicht. Den ganzen Stress und weiten Weg für uns beide mehrmals die Woche. Ich habe mit meinem Arbeitgeber gesprochen, aber der hat darauf bestanden, dass ich reise. Klar, anders geht dieser Job nicht, da ich Leute eingestellt und entlassen habe, Zahlen kontrollierte und präsent sein musste. Das konnte ich nicht dauerhaft vom Büro aus machen. Mein Arbeitgeber hat es mir aber auch nicht einfach gemacht. Zu dem Zeitpunkt schlummerte die Idee mit dem Schmuck schon. Es war eine Phase, um mich selbst zu finden. Als ich dann erneut schwanger wurde habe ich gemerkt, dass ich wirklich schauen muss, wie ich beruflich neue Wege gehen kann und wollte ein Praktikum beim Goldschmied anfangen. Direkt der erste Goldschmied hat ja gesagt und dann bin ich dort mit meiner Kugel hin. So ging die Reise los.

5. Du hast in diesem Sinne fachfremd gegründet. Wie hat dir dein Studium geholfen?

Mein Beruf und Studium war von Vorteil, weil ich vorher schon „kleine Unternehmen“ geführt habe, da jeder Store ein Unternehmen im Unternehmen ist. Das war unheimlich gewinnbringend für mich. Das kreative und handwerkliche habe ich mir dann angeeignet. So war ich von Anfang an sehr klar in meinen Unternehmensentscheidungen. Mein Businessplan hat mir außerdem geholfen mich zu strukturieren. Ich wusste, wie ich budgetiere und habe mir vorher schon ausgerechnet wie viele Armbänder ich verkaufen muss, um auf null zu sein. All diese Dinge habe ich klar kalkuliert, denn es sollte ja ein Beruf werden und kein Hobby. Ich mache das ja auch, um damit Geld zu verdienen.

6. Wo stößt du an deine Grenzen?

Meine Arbeitseinstellung. Ich will immer alles am selben Tag erledigen. Dabei habe ich mir feste Tage eingerichtet: Ich graviere immer montags, mittwochs und freitags und die anderen Tage mache ich meinen Papierkram- aber manchmal habe ich dann dienstags und donnerstags Puffer. Anstatt morgen weiterzumachen, sage ich mir dann: Ach ich mache das jetzt noch. Sich selbst zu disziplinieren und die eigenen Regeln einzuhalten ist immer wieder eine Herausforderung.

7. Wie bist du ins gig7 gekommen?

Ich wusste zuerst nicht, dass es das gig7 gibt. Es wurde mir nach meiner Kündigung beim Arbeitsamt empfohlen. Ich hatte meinen Businessplan und Musterteile mit dabei und habe gesagt: „So sieht es aus. Da soll die Reise hingehen und ich habe mich bewusst für diesen Weg entschieden.“ Das hat meine Beraterin schon beeindruckt. Für die Tragfähigkeitsbescheinigung bin ich dann zur Beratung ins gig7 gekommen. Für mich war es total inspirierend die Treppe im gig7 hochzugehen und die ganzen Flyer durchzublättern. Ich habe auch eine ehemalige Arbeitskollegin auf einem entdeckt. Es war motivierend zu sehen, dass es noch ganz viele andere Gründerinnen gibt, die hier auch ihren Weg gegangen sind und vielleicht ähnliche Fragen und Probleme hatten. Es ist einfach schön verstanden zu werden, sich auszutauschen und zu merken, dass auf dem Stuhl, auf dem ich in der Beratung sitze, schon ganz viele andere Gründerinnen gesessen haben. Das hat mich im Gründen bestärkt.

Mehr zu unserem Kompetenzzentrum FeMale Business gig7 und weitere Interviews finden Sie hier: https://gig7.de/.

Text: Birka Wolff




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