SUCHDIALOG

Machen, was nicht jeder macht

Die Mannheimer Digitalagentur suchdialog setzt auf Performance Marketing. Wie aus dieser Idee ein erfolgreiches Geschäftsmodell und eine Aktiengesellschaft mit über 60 Mitarbeitern wurde, erklärt uns Gründer Denis Lademann bei Lasagne und großer Spezi beim Italiener Da Mauro in den Mannheimer Quadraten.

 

Denis, Euer Fokus ist Performance Marketing. Was ist das genau und wie kommt man auf die Idee, mit dieser Idee eine Agentur zu gründen?

Mein Kollege Tobias Reinhardt und ich waren selbst auf der Suche nach einer Performance Marketing Agentur. Wir haben aber nicht wirklich eine gefunden und festgestellt, dass es in diesem Bereich sehr wenig Professionalisierung gab. Wir haben die Online-Anzeigen von Automobilherstellern analysiert und festgestellt, dass 26 von 30 Rechtschreibfehler hatten – ein absolutes No-Go im Print-Bereich. In dem Bereich gab es augenscheinlich also noch viel zu tun! Wir haben uns dann aufs Online-Marketing fokussiert, aber nicht mit der Tech-Brille, sondern mit der Marketing-Brille.

 

 

Und wie ging es dann los?

Wir haben einen Investor gesucht, indem wir eine Anzeige in der FAZ geschaltet haben. Darauf hat sich dann der ehemalige CFO für Einkauf und Suppy Chain von GM Europe Dr. Yorck Schmidt gemeldet. Wir wollten von Anfang an gerne eine Dreier-Konstellation haben mit jemandem Erfahrenen aus der Businesswelt. Und wir brauchten natürlich Geld! Was wir dann in Yorck gefunden haben, war aber außerdem ein Freund und Mentor, obwohl wie sehr unterschiedlich sind. Er ist klassischer Ökonom und Preuße, ich bin ein Soziologenfreak und Tobi irgendwo in der Mitte. Wir haben dann bei mir in der Wohnung in den Mannheimer Quadraten gegründet. Ich hatte verbrannte Oberschenkel vom Laptop, weil wir nur einen Tisch hatten, Tobi saß an dem Tisch, ich auf der Couch, den Laptop immer auf den Beinen.

Mal bitte ganz konkret: was macht suchdialog jetzt genau?

Wir sind eine Digitalmarketing-Agentur, genauer gesagt machen wir Performance Marketing: wir generieren mit Instrumenten des Onlinemarketings direkt messbare Reaktionen von Usern. Im besten Falle stößt du auf eine Anzeige unseres Kunden und kaufst einige Minuten später dessen Produkt. Wir helfen Firmen Facebook-Marketing und SEO zu machen, also Suchmaschinenoptimierung: wie man bei Google, Amazon und Co. besser gefunden wird.

Ihr arbeitet also für Google und Facebook?

Nein, wir sehen uns eher als Anwalt der Firmen, weil wir sie gegenüber Facebook und Google vertreten. Wenn Du nicht genau weißt, was Du tust, dann kannst du das Geld für Facebook Ads und Google-Anzeigen auch gleich aus dem Fenster werfen. Das ist mittlerweile so kompliziert, dass Du da als Laie nicht mehr durchsteigen kannst. Wir helfen unseren Kunden dabei, ihr Marketing-Budget effizienter einzusetzen und dass sie besser wahrgenommen werden.

Was die großen Player im Internet aber erst möglich gemacht haben.

Ja, seit Facebook Lead Ads rausgebracht hat, ist ein ganz neuer Markt entstanden. Du kannst dort mittlerweile leichter direkte Anfragen generieren, als über eine Suchmaschine. Der Markt wandelt sich extrem. Facebook ist ein ganz großer Player im Marketing geworden. Du musst brutal offen sein und immer die neusten Entwicklungen erkennen, analysieren und integrieren, sonst kommst du nicht mit. Was sich total geändert hat ist die Messbarkeit. Du kannst ganz genau sagen, wie viel Umsatz eine spezifische Anzeige macht, weil du die Klicks verfolgen kannst. Werbung ist heute also auch unheimlich viel Zahlendenken.

 

 

Dann habt ihr viele Physiker und Mathematiker im Team?

Nein, gar nicht, wir sind bunt gemischt. Wir haben Wirtschafsingenieure, Soziologen und sogar einen Philosophen.

Selbst hast du ja auch Soziologie studiert?

Ja, ich fand das sehr viel interessanter als zum Beispiel BWL! Ich habe mir als Student immer Gedanken gemacht, ob man nicht ein System schaffen könnte, in dem humanistische Werte das Wichtigste sind und die Wirtschaft zweitranging. Leider muss man in der Realität Abstriche machen. Verschiedene Leute haben einfach verschiedene Wertvorstellungen.

Warum habt ihr in Mannheim gegründet?

Ich habe in Heidelberg studiert und das Touristische, und Kleine dort ging mir irgendwann auf den Sack: zu teuer, keine Wohnungen. Und das Postindustrielle in Mannheim hat für mich immer einen Charme gehabt.  Auch Peter Kurz als Oberbürgermeister finde ich attraktiv – SPD und trotzdem wirtschaftsnah, coole Kombi!

Ist Mannheim ein bezahlbarer Standort für Startups?

Wir haben Glück hier in den Quadraten: Wir zahlen keine horrende Miete, es ist zentral und ich wollte ehrlich gesagt auch nie in einen Zweckbau in der Pampa. Die alte Druckerei, in der wir unsere Firmen haben, ist mit all ihren Ecken und Kanten viel attraktiver. Erstaunlicher Weise haben aber auch da die Menschen total unterschiedliche Werte und Kriterien – uns hat mal ein Mitarbeiter wegen der schlechten Parkplatz-Situation verlassen!

 

Gründer Denis Lademann

 

Ihr kümmert euch aber generell sehr um eure Mitarbeiter – ihr wolltet gleich AG gründen, um die Mitarbeiter beteiligen zu können!

Ja, tatsächlich! Yorck hat uns ziemlich schräg angeschaut und gefragt: „Ihr habt noch nicht mal gegründet und wollt gleich eine AG aufziehen und die Mitarbeiter beteiligen?“ Da war er nicht für zu haben. Erst wenn wir eine Million Umsatz haben, können wir drüber reden. Die hatten wir dann, wurden eine AG und beteiligen seitdem unsere Mitarbeiter im Rahmen eines Schenkungsprogrammes. Jeder Anwalt hat uns gesagt, ihr spinnt! Wir haben uns aber dennoch drauf eingelassen.

Und wie wirkt sich das aus?

Wir haben so einen erhöhten Druck, uns menschlich zu verhalten und Alumni bleiben uns verbunden. Ich habe mir aber tatsächlich mehr erhofft. Wir wollten eigentlich die überkommenen Verhältnisse auflösen und die Mitarbeitern zu Teilhabern machen und eine Symbiose schaffen. Die Kluft zwischen unserer Theorie und der Praxis unserer Leute war dann aber doch größer als gedacht. Bei manchen hat es aber tatsächlich auch zu mehr Engagement und Bindung geführt. Aber wir fordern auch stark ein, sind sehr taff und sehr direkt. Wir wollten dahin, wo wir heute sind und wussten, dass wir mit harter Arbeit dahinkommen, auch wenn unser Geschäftsmodell nicht einfach skalierbar ist, wir sind eine Agentur und pure Dienstleister.

 

 

Wie viele Leute arbeiten heute bei suchdialog?

65 Mitarbeiter. Aktionäre haben wir etwa 30: Mitarbeiter, Ex-Mitarbeiter, Family and Friends und Investoren. Wir wollen aber auch noch weiterwachsen, denn wir wollen mit guten Leuten arbeiten und früh Verantwortung und früh Führungsverantwortung verteilen können wollen. Das geht am besten in neuen Projekten.


Interview: Paul Heesch / LA.MAG

Fotos: Ricardo Wiesinger

www.suchdialog.de




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