Revolutionär

Das UNCOVER Designfest – vom 1. bis 10. Juni in Mannheim

Mannheim hat schon früh die Bedeutung der Kreativwirtschaft für die Stadtentwicklung entdeckt. Als Musikstadt ist Mannheim überregional bekannt und jetzt entwickelt sich der Bereich Design zu einem weiteren Fokus. Warum das im Juni stattfindende Designfest UNCOVER typisch ist für die vielseitige Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt, erklärt Frank Zumbruch, Cultural Economy Officer und Leiter der Creative Commission – der Anlaufstelle für Mannheimer Kreative.

 

Frank, warum bildet das UNCOVER Designfest, das im Juni zum zweiten Mal stattfindet, einen wichtigen Schwerpunkt in der Arbeit der Creative Commission Mannheim?

Das UNCOVER Designfest ist eine Schlussfolgerung aus Handlungsempfehlungen für eine Mannheimer Roadmap Kultur- und Kreativwirtschaft, die 2013 im Auftrag der Stadt formuliert wurden. Darin finden sich neben der Etablierung eines städtischen Designpreises auch weitere Elemente des Festivals. Seit die Kultur- und Kreativwirtschaft 2010 zum Kompetenzfeld innerhalb der wirtschaftspolitischen Strategie Mannheims erklärt wurde, nimmt neben der Musikwirtschaft die Designwirtschaft einen zentralen Platz in der kulturwirtschaftlichen Förderung ein.

 

Frank Zumbruch: Cultural Economy Officer und Leiter der Creative Commission.

 

2016 zog bereits das erste UNCOVER Designfest über 2.000 Besucher nach Mannheim. Prominentester Keynote-Speaker war der New Yorker Designer Stefan Sagmeister, der „Happiness by Design“ neu definierte. Frank, wie happy seid Ihr über den Erfolg der Premiere?

Wir sind extrem happy, dass es uns gelungen ist, eine Fachkonferenz für DesignerInnen anzubieten, in der über die zukünftige Entwicklung der Branche diskutiert wird – und zum anderen ein spannendes Event mit Vorträgen und einer Ausstellung für Designfans zu schaffen. UNCOVER hat den Anspruch, sich als Plattform für internationalen Wissenstransfer, für die Präsentation aktueller Designprojekte und für den Austausch regionaler Designprofis zu etablieren. Denn Design ist heute weit mehr, als die Gestaltung von Produkten nach ästhetisch-funktionalen Gesichtspunkten.

2018 ruft das des Designfest UNCOVER die Revolution aus. Warum?

2010 gehen wir mit dem Thema „Revolution“ auf gesellschaftsrelevante Veränderungsprozesse in einer zunehmend digitalisierten Welt ein. Designer haben nicht nur die Verantwortung, Revolutionen anzuzetteln und zu gestalten. Ihre Aufgabengebiete haben sich deutlich verändert und es ergeben sich völlig neue Fragestellungen und Herausforderungen.

 

Das Festival Team v.l.n.r.: Ellen Fermer, Andrea Bergbold, Carolin Kaiser, Frank Zumbruch, Simon Daubermann und Julia Ulbrecht. Es fehlen Marc Reisner, Stefan Hillebrand, Belinda Lenz und Roman Kostka.

 

Auf welche konkreten Fragen will UNCOVER Antworten liefern?

In welchem Verhältnis stehen Designer zur Welt und welche Verantwortung müssen sie übernehmen? Wie verstehen wir Digitalisierung überhaupt – als technologische oder vor allem als gesellschaftliche Herausforderung? Wie gestalten wir unsere Stadt und welche Rolle spielt Design im Urbanismus? Wie bringen wir unsere Gesellschaft zu relevanten Verhaltensänderungen in Bereichen wie Gesundheitswesen oder Energiewirtschaft? Was müssen Designer tun, um sich durch ihre Arbeit von der eigenen Unmündigkeit, von gesellschaftlichen Festlegungen, überholten Traditionen und aufgezwungenen Weltanschauungen zu emanzipieren? Und sind Designer in der Lage, sich sowohl von den ökonomischen und politischen Zwängen als auch ihrer inneren Zerrissenheit zu befreien?

Der alte Vorstand des Designzentrum Rhein Neckar e.V. zeichnete für UNCOVER 2016 verantwortlich und schaffte damit die Grundlage für das biennale Designfest: Gina Schöler, Marc Reisner, Frank Zumbruch, Felix Fabian, Rolf Reick und Stefan Hillebrand.

 

2016 wurde UNCOVER noch rund um das C-HUB Kreativwirtschaftszentrum und die benachbarte Galerie Port25 veranstaltet. Warum nicht auch wieder in diesem Jahr?

Natürlich verfügen wir bei STARTUP MANNHEIM über hervorragende räumliche Rahmenbedingungen für ein solches Festival. Allerdings ist es uns wichtig, auf den gesamten Stadtraum einzuwirken und eben gerade nicht nur auf die von uns betriebenen acht Gründungszentren. Nachdem UNCOVER 2016 unter dem Motto „Gastlichkeit“ vorwiegend im Jungbusch stattfand, haben wir den Mittelpunkt des Geschehens diesmal ganz bewusst auf die andere Neckarseite verlegt. Die Neckarstadt-West steht im vordringlichen Interesse einer integrierten Stadtentwicklung. Dort befindet sich auch das Kreativwirtschaftszentrum Altes Volksbad, das wir natürlich in UNCOVER eingebunden haben.

 

 

In der Neckarstadt-Ost wird die Multihalle zum Schauplatz von UNCOVER. Warum?

Während wir 2016 den Vortrag von Stefan Sagmeister in die Trinitatiskirche gelegt hatten, wird in diesem Jahr die fast in Vergessenheit geratene Multihalle im Herzogenriedpark das Herzstück von UNCOVER bilden. Ihre demokratisch gedachte Architektur bietet den perfekten Rahmen für revolutionäre Gedanken und Gestaltungsansätze bietet. Das UNCOVER Designfest soll dabei helfen, die Multihalle zurück in das öffentliche Bewusstsein zu bringen. Wer einmal dort war, wird sich der Faszination, die von dieser baukulturellen Ikone ausgeht, nicht entziehen können.

Wer organisiert UNCOVER?

Veranstalter ist das Designzentrum Rhein Neckar e.V. in enger Kollaboration mit der Creative Commission. Das verantwortliche Team setzt sich interdisziplinär zusammen: Sozialwissenschaftler, Filmemacher, PR-Profis, Kommunikations-, Industrie- und UX-Designer. Viele arbeiten ausschließlich ehrenamtlich an der Organisation im Hintergrund. Ohne deren unermüdlichen Einsatz wäre UNCOVER nicht möglich. Dafür bin ich sehr dankbar.

 

 

Diese Struktur spiegelt also auch die interdisziplinäre Arbeitsweise der Mannheimer Creative Commission?

Ja, das ist richtig, denn wir binden unterschiedlichste Mannheimer Akteure ein:  Die Digitalagentur Dots United aus Mannheim realisierte die Webseiten, die PR-Arbeit macht Andrea Bergbold und Ellen Fermer schreibt unsere Texte. Redaktionelle Unterstützung haben wir durch Annika Wind, Ralf Laubscher und Andreas Stanita und das Lektorat macht Markus Weckesser.

Und welche Mannheimer Designer sind eingebunden?

Nachdem vor zwei Jahren das international renommierte Designstudio Deutsche & Japaner unsere Partner waren, entwickelte das Kommunikationsdesign diesmal das Atelier Brückner & Brückner. Die UX-Designer Belinda Lenz und Roman Kostka verantworten die Organisation des UNCOVER Designpreises und der Formschau. Das Projektmanagement liegt – sozusagen hauptamtlich – bei Carolin Kaiser, Kommunikationsdesignerin und Mitgründerin von FLOYDS Studio und des CAPTCHA Designfestivals, dem wir uns immer noch sehr verbunden fühlen. Die Kollegen Simon Daubermann, Marc Reisner, Stefan Hillebrand und Frank Gaertner aus dem Vorstand des Designzentrums sind natürlich mitverantwortlich für das Festival und bringen sich entsprechend ein.

Und die Creative Commission ist ebenfalls an Bord?

Genau genommen das gesamte Team der Creative Commission: Michael Ackermann, Nico Hoffmeister, Kathrin Krämer, Julia Sattler, Julia Ulbrecht und ich. UNCOVER ist auch ein Baustein der Kulturellen Stadtentwicklung, die unter dem Dach von Startup Mannheim angesiedelt ist: Im Alten Volksbad findet am 4./5. Juni das Urban Innovation Lab statt, wo Experten aus unterschiedlichsten Bereichen an nachhaltigen Stadtteilentwicklungskonzepten in der Neckarstadt-West arbeiten werden. Mein Kollege Matthias Rauch verantwortet das Projekt.

 

 

Was erwartet uns in diesem Jahr in der UNCOVER Formschau?

Aus den diesjährigen Einreichungen zum UNCOVER Designpreis hat eine fünfköpfige – ausschließlich extern besetzte Jury – 22 Nominierungen ausgewählt, die in der Multihalle vorgestellt werden. Die Beiträge kommen in diesem Jahr aus fünf Ländern: aus Dänemark, Deutschland, Griechenland, Österreich und den Niederlanden. Die Qualität der Einreichungen hat uns in diesem Jahr dermaßen überzeugt, dass wir voraussichtlich noch 30 weitere Positionen im Rahmen der Formschau präsentieren werden. Am 9. Juni wird der mit insgesamt 14.000 Euro dotierte UNCOVER Designpreis in vier Kategorien vergeben. Wir sind alle sehr gespannt.

 

 

Ist Mannheim zu einer „Designstadt“ geworden?

Das Designfest hilft uns, Mannheim als einen Ort bekannt zu machen, an dem Design eine wichtige Rolle spielt. Schließlich bietet der Standort neben den Fakultäten für Gestaltung und Informatik an der Hochschule Mannheim als hervorragende Ausbildungszentren für junge Designer auch zwei private Designakademien und aktuell gibt es rund 300 erfolgreiche Freelancer und Dutzende von renommierten Agenturen, die in Mannheim im Designbereich tätig sind. Wir sind aber sicher noch weit von dem Ziel entfernt, als „Designstadt“ wahrgenommen zu werden. Durch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Kooperationspartnern in ganz Deutschland hilft UNCOVER enorm, überregionale Reichweite zu erzielen. Mit UNCOVER in der Multihalle sind wir beispielsweise auch offizieller Teil der Zwischenpräsentation der Internationalen Bauausstellung IBA Heidelberg.

 

 

Wie finanziert sich das Designfest UNCOVER?

Der Hauptsponsor ist Startup Mannheim. Ein Viertel des Jahresbudgets der Creative Commission steckt in UNCOVER. Wir hätten uns durchaus über eine stärkere öffentliche Förderung gefreut, aber das Festival ist in diesem Jahr zu mehr als 70 Prozent privatwirtschaftlich finanziert: Weitere Hauptsponsoren sind die Pfalzwerke AG und die Honeycamp Entwicklungs GmbH. Cyperfection, Welde, Artemide und Vitra sind unsere Co-Sponsoren. Die Designpreise werden von STARTUP MANNHEIM, der WELDE Brauerei sowie von den Unternehmen sovanta und eit health gestiftet. Die Städte Mannheim und Heidelberg sind wichtige Kooperationspartner: In Mannheim unterstützt uns die städtische Beauftragte für Baukultur Tatjana Dürr und die Stadtpark Mannheim gGmbH, in Heidelberg sind es die Kolleginnen von der Stabsstelle Kultur- und Kreativwirtschaft. Finanzielle Unterstützung kommt auch durch unsere Kooperationspartner ecce in Dortmund, der MFG Baden-Württemberg, der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald sowie der IHK Rhein-Neckar. Weitere Einnahmen generieren wir durch Anzeigenverkäufe im UNCOVER Magalog sowie durch den Verkauf von Tickets für die UNCOVER Conference.

Gibt es Highlights im Programm des UNCOVER Designfestes, die Du empfehlen möchtest?

Das ist natürlich schwierig. Schließlich bin ich für das Gesamtprogramm mitverantwortlich und stehe hinter jedem Programmpunkt. Und die Unterschiedlichkeiten in Inhalt und Form machen UNCOVER ja letztendlich aus. Auf jeden Fall solltet Ihr das Opening am 2. Juni nicht verpassen. Friedrich von Borries ist für mich die ideale Besetzung für den Eröffnungsvortrag. Seine derzeitige Einschätzung von Design kommt der Auffassung recht nahe, die wir mit UNCOVER verkörpern möchten.

 

 

Wie können Mannheimer Designer und andere Kreative partizipieren?

Allen, die sich für Design in innovativen Wertschöpfungsprozessen interessieren oder professionell damit arbeiten, sei unsere UNCOVER Conference am 6. Juni dringend empfohlen: Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, ein hochkarätiges internationales Programm zusammen zu stellen, das für Designer ebenso inspirierend sein wird, wie für Kommunikationsprofis, Stadtentwickler, Künstler, Architekten, Entrepreneure und jede Art von Vor- und Querdenkern. Allen Kreativen würde ich gerne eine Teilnahme an unseren drei Werkräumen ans Herz legen: Am 3. Juni treffen sich zum ersten Mal Handwerker und Akteure aus der Kultur- und Kreativwirtschaft aus der Kreativregion. Unter dem Motto „Crafters meet Creators“ soll es nicht nur darum gehen, sich besser kennen zu lernen, sondern anhand von Praxisbeispielen zu erfahren und zu diskutieren, wie man das Wertschöpfungspotenzial zwischen gestaltenden und produzierenden Gewerken besser ausschöpfen kann. Aber schaut am besten selbst auf unsere Internetseite uncover-mannheim.de, da ist garantiert für alle Designbegeisterten etwas dabei.


Interview: Ralf Laubscher / LA.MAG

Fotos: Daniel Lukac

www.uncover-mannheim.de




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