Studybees

CRASHKURSE OHNE CRASH – DIE NEUE ART DES LERNENS

Vorlesung schwänzen, Kaffee schlürfen in der Mensa, nächtelanges Philosophieren bei Rotwein… ja, so war das mal früher, doch die lockeren Studienzeiten sind vorbei. Abitur mit 17, Bachelor mit 21, Master ein Jahr später – so sieht heute die Realität an den Universitäten aus. Vier junge Gründer haben es sich mit maßgeschneiderten Crashkursen zum Ziel gesetzt, Abiturienten und Studierende vor dem Burnout zu bewahren. Willkommen im Bienenstock der Studybees.

 

Hallo Studybees, beschreibt Euch doch einfach mal in eigenen Worten.

Julia Hetzel: Uns gibt es seit 2013. Ursprünglich waren wir eine Nachhilfevermittlung, aber seit Mitte 2015 bieten wir hauptsächlich Crashkurse für Studierende an. Mittlerweile gibt es Studybees an über 30 Universitätsstandorten in ganz Deutschland. Bedarfsorientiert können bei uns Studierende höherer Semester Kurse für jüngere Kommilitonen anbieten. Die Idee kam uns, als wir gemerkt haben, wie viele BWL-Studenten Schwierigkeiten mit den Klausuren Grundlagen der Statistik und Mikroökonomie haben. Wer da jemanden kennt, der die Prüfungen schon bestanden hat, ist klar im Vorteil. Ein Vorteil, den wir allen Studenten zugänglich machen wollen.

 

 

Wie macht man aus so einer Idee ein Unternehmen?

Julia: Dass die Idee auch wirtschaftlich Potenzial hat, haben wir bemerkt, als unsere ersten Crashkurse über Nacht ausgebucht waren. In Zeiten von Bachelor und Master herrscht mehr Druck als früher – jede Note zählt. Studenten müssen heute sehr kurzfristig lernen. Da gibt es eine Menge Bedarf an effizienterer Prüfungsvorbereitung.

Alexandra Slabskaia: Unser Angebot ist das fehlende Glied im Uniablauf. Wir wollen nicht bestehende Lehrangebote ersetzen, sondern das Kursangebot vor den Klausuren ergänzen.

Habt Ihr selbst  in Mannheim studiert und Euch hier kennengelernt?

Fabian Klein: Ich habe in Heidelberg Politikwissenschaften studiert. Später dann im Ausland einen Master in Internationalen Beziehungen gemacht. Mit meinen Studienfächern bin ich der Exot bei den Studybees. Julia und ich haben uns in Paris während eines Auslandssemesters kennengelernt. Dort haben wir den gleichen Kurs besucht und uns angefreundet. Schon in Paris haben wir uns häufig darüber ausgetauscht, was für Möglichkeiten es geben könnte, nach dem Abschluss im Bereich Education zu gründen.

Julia: Der Kurs hieß übrigens Crisis-Management sehr praktisch für Gründer. Alexandra und ich kennen uns vom gemeinsamen BWL-Studium in Mannheim. Später während des Masterstudiums haben wir zusammen als Werkstudentinnen bei dem Mannheimer Erfolgs-Startup Stocard gearbeitet.

Alexandra: Das war eine sehr inspirierende Zeit. Julia hat bei Stocard im Human Resources Management gearbeitet, ich im Business Development. In der Zeit haben wir gemerkt, dass wir uns super ergänzen und toll zusammenarbeiten. In dem Jahr haben wir die Mannheimer Startup-Szene für uns entdeckt. Super Atmosphäre, junge motivierte Leute – das hat uns definitiv die Angst vorm Gründen genommen.

 

 

Habt ihr heute noch Kontakt zu euren ehemaligen Chefs bei Stocard?

Julia: Na klar! Sie haben uns sehr ermutigt, den Schritt in die eigene Selbstständigkeit zu wagen und uns wichtige Tipps am Anfang gegeben..

 Wart ihr früher eher „Am-Ball-Bleiber“ oder „Auf-Den-Letzten-Drücker-Lerner“?

Fabian: Wir sind da sehr unterschiedlich. Julia ist zum Beispiel eher die langfristige Planerin. Ich war immer derjenige, der das Semester über wenig für die Uni getan. Kurz vor den Klausuren habe ich dann angefangen, mich extrem intensiv vorzubereiten. Immer erst wenn’s ernst wurde.

Julia: Bei BWL in Mannheim ist es fast unmöglich am Ball zu bleiben, das ist einfach zu viel Lernstoff. Jede Veranstaltung vor- und nachzubereiten geht gar nicht. Zum Semesterende hast du sechs oder sieben Klausuren in nur zwei Wochen. Da muss man mit der Vorbereitung früh loslegen, aber das Semester läuft ja noch und der Stoff bleibt klausurrelevant bis zum Schluss. Da herrscht enormer Leistungsdruck, der eine Planung fast unmöglich macht.

 

 

Welche Kurse findet man auf eurer Webseite?

Julia: Unser Fokus liegt auf den Wirtschaftswissenschaften. Es gibt aber auch Kurse für Ingenieure, zum Beispiel Technische Mechanik und Höhere Mathematik. Auch für Juristen in unteren Semestern haben wir eine Menge im Angebot. Die Vorbereitung aufs Staatsexamen überlassen wir aber den Repetitoren. Wir helfen eher Anfängern, sich in die Materie einzufinden.

Fabian: Bei uns dreht sich viel um Methodik. Grundmodule zum Studienstart – darin liegt bis jetzt unser Schwerpunkt.

Ihr bietet auch Kurse für Abiturienten an. Wie passen die mit Crashkursen für Studenten zusammen?

Julia: Für Abiturienten haben wir Mathe-Crashkurse im Programm. Das bietet sich an, weil wir tolle Tutoren an Bord haben, die auch den Abi-Stoff voll draufhaben. Der wird im ersten Semester an der Uni vorausgesetzt, wodurch sich thematisch ein fließender Übergang ergibt.

 

 

Wie rekrutiert Ihr an den Universitäten Eure Tutoren?

Fabian: Studenten können sich bei uns Kurse wünschen und wir suchen dann aktiv die passenden Tutoren. Bei Studybees gehen jeden Monat 500-600 Kurswünsche ein. Oft mailen uns auch potentielle Tutoren an und sagen, was für Kurse sie geben wollen. Meistens sind das Studenten, die schon Erfahrung im Unterrichten haben. Wir sichten die Bewerbungsunterlagen, schauen uns die Noten an und führen dann entweder ein Skype-Gespräch oder treffen die Leute persönlich. Wir machen mit jedem eine kleine Lehrprobe und lassen uns was erklären. Häufig zeigt sich, dass Noten nicht alles sind. Es kommt besonders auf didaktische und pädagogische Fähigkeiten der Tutoren an.

Julia: Notencheck, Lehrprobe und Erfahrung als Tutor sind die Eckpunkte, auf die wir uns bei der Qualitätssicherung verlassen. Hinzu kommt eine Evaluation all unserer Kurse, auf die legen wir viel Wert.

Stellt ihr auch die Räumlichkeiten vor Ort?

Julia: Ja klar, wir übernehmen die komplette Organisation und mieten auch die Seminarräume.

Fabian: Unsere Tutoren können sich komplett auf die Inhalte ihrer Lehre konzentrieren, wir kümmern uns um den ganzen Rest.

Welches sind die Abläufe bei der Erschließung eines neuen Standorts, Osnabrück zum Beispiel?

Fabian: Erstmal checken wir, wie viel Leute ein Fach studieren. Wir überprüfen die Marktsituation und machen Testkurse um zu sehen, wie das Angebot ankommt. Witzig, dass du ausgerechnet Osnabrück ansprichst. Da sind wir seit kurzem tatsächlich vertreten und unser Angebot kommt sehr gut an.

Seid ihr auch persönlich vor Ort und macht euch ein Bild?

Fabian: Am Anfang war das so, da war immer einer von uns bei Kursbeginn persönlich vor Ort. Mittlerweile müssen wir nicht mehr überall selbst hin, da helfen uns die Erfahrungen die wir „on the ground“ gesammelt haben. Wir sind wirklich gut vernetzt mittlerweile.

 

 

Gibt es Universitätsstädte, die euch besonders beeindrucken, die ihr vorher nicht kanntet?

Fabian: Da fällt mir spontan Hohenheim ein. Eine eher kleine Uni hier im Süden. Oft sind es die kleinen Städte, in denen unser System besonders schnell Fuß fasst. Das hängt mit der Mund zu Mund Propaganda zusammen: an kleineren Hochschulen spricht es sich einfach schneller rum, dass wir ein tolles Angebot haben.

Wieviel Studenten sind bei Studybees in einem Kurs?

Fabian: Meistens um die 20 Personen. Also weniger als in einem Uni-Tutorium. Auf jeden Fall deutlich weniger Studenten als in den meisten Vorlesungen.

Julia: Die maximale Größe liegt bei 30-35 Personen, eine Mindestzahl gibt es nicht. Wir geben uns große Mühe, alle Kurse stattfinden zu lassen. Es wäre schlimm, wenn Studenten fest mit einem unserer Kurse rechnen und der dann abgesagt werden muss. Es gab sogar schon wirklich kleine Kurse mit nur 2-4 Teilnehmern.

 

 

Wie funktioniert euer Geschäftsmodell?

Fabian: Wir erheben eine Kursgebühr und tragen die Kosten für den Raum, den Tutor und das Marketing. Die Nachhilfeplattform, die zu Beginn noch zentraler Bestandteil unseres Businessmodells war, ist mittlerweile gratis. Sie liegt uns nach wie vor am Herzen, auch wenn wir damit kein Geld verdienen. Nicht jedes Fach hat genug Studenten, dass es von uns bedient werden kann. So bleiben wir hilfreich, auch wenn wir keinen Kurs anbieten können.

Julia: Wir haben eine Menge Erfahrungswerte gesammelt und wissen welche Kurse besonders stark nachgefragt werden. Das Tolle am Mafinex ist, dass es hier eigene Seminarräume gibt, in denen wir manche Kurse direkt anbieten können.

 

 

Wie reagieren Universitäten auf euch?

Julia: Wir werden gelegentlich mit Kritik von Professoren konfrontiert. Die sind der Meinung, dass Studenten, die die Vorlesungen regelmäßig besuchen, keine Hilfe benötigen. Die Durchfallquoten bei BWL sprechen aber eine ganz andere Sprache. Viele Studenten haben Probleme mitzukommen und das ist alles andere als verwerflich. In der Schule ist Nachhilfe etwas ganz Normales, warum soll das nicht auch an der Uni so sein?

Alexandra: Oft sind es gerade unsere Crashkurse, die dafür sorgen, dass Studenten das nötige Interesse für den Stoff ihres Profs entwickeln. Wir sorgen ja nicht dafür, dass Vorlesungen substituiert werden, sondern bieten eine sinnvolle Ergänzung. Bei uns lernen Studenten in der Gemeinschaft die Inhalte, die wirklich relevant sind. Das ist besser, als alleine in der Bibliothek zu sitzen und das falsche Buch zu lesen.

Fabian: Damit nehmen wir auch viel Druck von den Studenten. Das gelingt uns durch inhaltliche Vorbereitung. Im Endeffekt geht es im Studium ja darum, etwas zu lernen und mitzunehmen und nicht sich zu quälen.

Gibt es Stars unter euren Tutoren?

Fabian: Auf jeden Fall gibt es die. Die Erfolgsfaktoren sind Humor, Charme und Kommunikationsfähigkeit. Für viele unserer Tutoren ist Studybees weit mehr als nur ein Nebenjob. Die haben wirklich den Willen ihren Kommilitonen zu helfen. Bei uns kann man als Tutor echte Erfolgserlebnisse verbuchen. Es ist toll zu sehen, wie der Druck von den Studenten weicht. Jeder Tutor hat seinen Anteil daran, wenn Studenten erfolgreich ihre Klausuren meistern. Manche Tutoren bleiben uns sogar noch nach dem Abschluss als Lehrkräfte erhalten.

 

 

Welche Bedeutung hat Mannheim für euch?

Julia: Für die Studybees ist Mannheim die perfekte Homebase. Wir profitieren von der Nähe zu den Hochschulstandorten Heidelberg, Karlsruhe, Kaiserslautern und Darmstadt.

Alexandra: Die Gemeinschaft und der rege Austausch der Startups im Mafinex sind einfach super. Mit Road Ads, Mister Trip, Elaspix und Zingoo haben wir uns lange das Stockwerk geteilt.

Fabian: Julia, die ursprünglich aus dem Ruhrgebiet stammt und Alexandra, die in der Ukraine geboren und in Nürnberg aufgewachsen ist, wohnen schon lange hier. Vor ein paar Monaten bin auch ich von Heidelberg nach Mannheim gezogen und bin begeistert. Von hier aus machen wir weiter, bis jeder Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland die Studybees kennt.


Interview: Andreas Stanita / LA.MAG Content. Corporate. Communication.

Fotos: Sebastian Weindel

www.studybees.de

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