Stocard

Den kompletten digitalen Geldbeutel im Fokus

Wer gewinnt gegen Apple und Google das Wettrennen um die perfekte Mobile Wallet? Vorne dabei: das Mannheimer Startup Stocard. Die drei Gründer David Handlos, Björn Goß und Florian Barth arbeiten im Kreativwirtschaftszentrum C-HUB am nächsten Meilenstein ihrer weltweit erfolgreichen Kundenkarten-App.

 

David, wollt Ihr den Bargeld-Geldbeutel jetzt komplett abschaffen?

David Handlos: Der komplette digitale Geldbeutel ist jetzt tatsächlich unser Fokus. Wir wollen der weltweit führende Mobile Wallet-Anbieter werden, und der nächste große Schritt ist die Integration von Mobile Payment in unsere App. Die technische Infrastruktur für mobiles Bezahlen hat sich wesentlich verbessert, und uns fasziniert die Vorstellung, das Einkaufen der Zukunft noch einfacher und komfortabler zu machen. Grundsätzlich liegt der Fokus weiterhin auf dem gesamten Einkaufserlebnis – mit Funktionen wie alle Kundenkarten auf einem Gerät zu haben, Angebote und Punktekonten abfragen zu können.

 

 

Die Stocard Gmbh habt Ihr erst 2012 gegründet. Inzwischen ist das Unternehmen auf über 25 Mitarbeiter angewachsen und Eure App ist ein globaler Bestseller. Habt Ihr mit dieser schnellen Entwicklung gerechnet?

Björn Goß: Als ich 2010/11 mit David auf Campertour in Australien war, haben wir überlegt, was man mit Smartphones so alles anstellen kann. Eines Tages erzählte mir David am Strand von dem mit Kundenkarten überfüllten Geldbeutel seiner Freundin. Die Idee einer Karten-App hat uns sofort fasziniert, und schon auf dem Rückflug haben wir erste Skizzen auf Servietten gemalt. Als dann auch unser Kommilitone Florian Barth die Idee gut fand, war klar: da kann etwas Großes entstehen.

Hattet Ihr während der Gründungsphase gute Berater?

Florian Barth: An der Uni Mannheim werden Gründer generell gut unterstützt – und auch wir wurden sehr gut beraten. Aber ehrlich gesagt haben wir uns mit Gründungsfragen nicht lange aufgehalten. Als Startup ist es wichtig, sein Produkt immer im Fokus zu behalten und sich nicht zu sehr ablenken zu lassen. Wir sind bis heute eine produkt- und tatengetriebene Firma, das prägt unsere DNA.

 

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Wie kommt man als Tech-Startup schnell an Investoren-Gelder?

Björn Goß: Ich habe in Mannheim Wirtschaftsinformatik studiert, David Betriebswirtschaft und Flo hat am Informatik-Lehrstuhl geforscht. Wir hatten anfangs kein weitreichendes Netzwerk. Mit ersten Kontakten konnte uns Professor Woywode weiterhelfen, aber wir mussten auch einfach ins kalte Wasser springen und an viele Türen klopfen.

Auf was muss man bei Verhandlungen mit Investoren achten?

David Handlos: Wir haben vorwiegend mit Investoren gesprochen, die zumindest eine von zwei Bedingungen erfüllten: Gründungserfahrung und Know-How oder ein Netzwerk im Retail-Bereich. So kamen wir unter anderem ins Geschäft mit Shortcut Ventures, der Beteiligungsgesellschaft Alstin von Carsten Maschmeyer, oder in den früheren Phasen unserer Gründung dem HTGF, Gameforge Gründer Klaas Kersting und unserem Mannheimer Partner Engelhorn. Letztes Jahr kam dann noch Rocketship aus dem Silicon Valley auf uns zu, weil sie unser rasantes Wachstum bemerkt haben.

Wie wichtig ist der persönliche Draht zu Investoren?

Björn Goß: Sehr wichtig, denn manche von ihnen sitzen ja auch mit im Board und das Ziel ist eine nachhaltige und erfolgreiche Zusammenarbeit. Deshalb haben beispielsweise David und Flo Rocketship am Rande einer Google-Konferenz in Palo Alto persönlich besucht und ich habe mich auch während eines Urlaubs in Kalifornien mit ihnen getroffen. Die persönliche Chemie muss stimmen – auch unter den Gründern.

Eine Old School-Weisheit sagt ja: mache niemals Geschäfte mit Freunden. Ist in Eurem Fall das Gegenteil das Erfolgsmodell?

Florian Barth: Ich kann nur Positives berichten – wir sind immer noch beste Freunde! Unser Team aus fantastischen Leuten ist einer unserer großen Erfolgsfaktoren. Dazu gehört auch ein familiäres und offenes Betriebsklima, das es jedem Einzelnen ermöglicht, sich einzubringen und sein Stück zu Stocard beizutragen. Goodies wie freie Getränke, frisches Obst und Sandwiches finde ich top – das gibt’s bei uns auch. Aber erst mit dem richtigen Spirit wird daraus ein Paket. Mit dem C-HUB haben wir ein modernes und kommunikatives “zu Hause” gefunden, das mit Flair, tollem Blick über die Stadt und der Lage mitten im Jungbusch hier sicherlich auch einiges beiträgt.

 

 

Was muss man beachten, wenn man schnell wächst und über 25 Mitarbeiter beschäftigt? 

David Handlos: Unser Job ist es, dem Team den Rücken freizuhalten. Alle können sich auf ihre Arbeit fokussieren, während ich mich beispielsweise um Strategisches oder Administratives wie eine Finanzierung kümmere, damit das Team das Produkt noch besser machen kann. Wir sind nicht gewachsen, weil wir viel Geld für Marketing ausgegeben haben – wir haben uns über das Produkt entwickelt. Dabei sind uns Zahlen wichtig und messbare Daten, um das Wachstum zu belegen oder zu widerlegen.

Wie ist die Rollenverteilung?

Björn Goß: David war immer IT-begeistert, kommt aber aus der Betriebswirtschaft. Er hat unsere erste Webseite und ein paar Grafiken gemacht. Flo war technisch immer am tiefsten drin, kümmerte sich um die Android-App und hat technisch extrem tiefes und breites Know-How. Ich war für die iOS-App zuständig und musste mir alles hart erarbeiten. Irgendwann kam der Punkt mir einzugestehen, dass andere Leute das besser können. In einem schnell wachsenden Unternehmen kommen aber immer wieder neue Themen hinzu; zur Zeit kümmere ich mich beispielsweise intensiv um unsere Mobile Payment Lösung. Ich muss aber auch mit vielen Vertragsparteien verhandeln und es ist oft nicht mehr ganz so aufregend wie am Anfang, als wir bei Pizza und Mate die ganze Nacht entwickelt haben.

 

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Was treibt Euch an – und an was muss man glauben?

Björn Goß: Einfach an das, was einem Spaß macht! Wenn ich irgendwo als Teil eines großen Konzerns am Schreibtisch gesessen wäre, wären Überstunden kein Spaß gewesen. Für mich war es immer faszinierend, ein Produkt zu formen, das von Millionen von Leuten benutzt wird. Es war eine sehr coole Erfahrung, als ich zum ersten Mal jemanden an einer Kasse mit unserer App gesehen habe.

Ist es für ein spezialisiertes Tech-Unternehmen wie Stocard schwer, gutes Personal zu finden?

Florian Barth: Es ist immer eine Herausforderung, die richtigen Leute für ein Team zu finden.  Ein Vorteil ist, dass wir rund um Mannheim eine einmalige Dichte technisch orientierter Unis haben: mit der TU Darmstadt, dem Karlsruher KIT, Kaiserslautern und den Unis und Fachhochschulen in Mannheim und Heidelberg. Die Konkurrenzdichte junger Startups hält sich noch in Grenzen und für Leute aus der Region, die Lust haben mit uns an einem millionenfach genutzten Produkt mit extrem starkem Wachstum zu arbeiten, sind wir eine erstklassige Anlaufstelle.

David Handlos: Am wichtigsten ist aber, dass die Leute Lust auf ein cooles Produkt haben – genau wie wir! Unsere Mitarbeiter haben Lust sich einzubringen und die Auswirkungen ihrer Arbeit direkt zu sehen, sich und die Firma weiterzuentwickeln und ein Teil von Stocard zu sein.

Was sind Eure Lieblings-Apps – außer Stocard?

Björn Goß: Das ist lustigerweise eine Frage, die wir auch neuen Teammitgliedern stellen. Ich persönlich nutze die Camera-App sehr häufig, weil ich viele Bilder mit meinem iPhone mache. Daneben fallen mir spontan WhatsApp, Google Maps, Amazon und Spotify ein.

Welche Rolle spielt Mannheim für Stocard?

Florian Barth: Die Stadt ist sehr engagiert, um die Community mit Initiativen wie Events zu stärken. Darüber hinaus hat uns die Stadt zum Beispiel mit der Vermittlung in das Gründungszentrum Altes Volksbad in der Neckarstadt-West und später ins C-HUB intensiv unterstützt. Die Mannheimer Infrastruktur für Gründer ist super.

 

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Wenn Ihr mal nicht rund um den Globus unterwegs seid: wo trifft man die Gründer von Stocard?

Björn Goß: Zum Einen im Office mit dem Team. Sonst lebe ich zur Zeit – vor allem aus privaten Gründen – in Stuttgart. Am Wochenende bin ich aber noch oft zwischen Mannheim und Heidelberg unterwegs, da ich hier noch einen Freundeskreis habe, dem ich sehr verbunden bin. Ich bin aber tatsächlich gerne und viel unterwegs, auch am Wochenende.

Florian Barth: Außerhalb des “Stoffice” treibe ich mich gern auf Tech-Meetups und Events in der Region herum. Den Kopf frei bekomme ich in meiner Freizeit mit einem Brett unter den Füßen – je nach Jahreszeit auf Schnee oder Wasser.

David Handlos: Wenn wir nicht gerade ein Büro in einem anderen Land aufbauen, meistens im C-HUB und privat in einem Cafe in der Neckarstadt Ost.

 

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Interview: Ralf Laubscher / LA.MAG

Fotos: Daniel Lukac


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