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Das Mannheimer Modelabel hat den Ideenstark-Wettbewerb gewonnen –
mit nachhaltigem Style

Christiane Illius, Jessica Padmanabhan und Helga Behrmann haben sich während des Studiums in Mannheim kennengelernt. Heute betreiben sie das Modelabel SOOME und ihren EcoShowroom mit einem klaren Ziel: Style und Nachhaltigkeit perfekt zu verweben.

 

SOOME steht für „social organic original modern easy.“ Wie seid ihr auf den Namen gekommen und wie spricht man ihn richtig aus?

Christiane Illius: Mannheimer sprechen es gerne so aus wie man’s schreibt – richtig ist aber die englische Aussprache. Mittlerweile sagt es kaum noch jemand falsch: Ein schönes Zeichen dafür, dass man uns mittlerweile kennt.

Jessica Padmanabhan: Inspiriert hat uns das finnische Wort Suomi, so nennen die Finnen ihr Land. Übersetzt heißt das soviel wie Saatland. Das passt gut, weil auch wir unsere Idee weitertragen möchten.

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Ihr kennt Euch vom Studium. Erzählt doch mal –was habt ihr studiert und wie kam die Idee zum eigenen Modelabel?

Jessica: Christiane, Helga und ich haben Grafikdesign in Mannheim studiert. Nach dem Abschluss sind wir in den Beruf gegangen, haben uns aber nie aus den Augen verloren. Die Initialzündung zu soome kam Jahre später von Christiane.

Christiane: Die Idee hatte ich schon Mitte der 90er, damals war eine Umsetzung aber noch unrealistisch. Als Grafikdesignerin hat es mich frustriert, dass ich nichts von Bestand geschaffen habe. Flyer und Prospekte haben eine kurze Halbwertszeit. So kam die Idee ein eigenes Modelabel zu kreieren, eines bei dem besonders auf Nachhaltigkeit geachtet wird. Ich wollte etwas Positives bewirken. Für mich war klar, dass ich das mit meinen Freundinnen auf die Beine stellen möchte. Soll ja auch Spaß machen.

Und dann gründen drei Grafikdesignerinnen ein Modelabel?

Jessica: Ich bin die Einzige, für die Mode komplett Neuland war. Helga und Christiane haben vor dem Grafikstudium Mode studiert und davor ganz klassisch eine Schneiderinnenausbildung gemacht.

Christiane: Das macht nichts, Jessica hat ein besonderes Händchen für alles Organisatorische. Sie kümmert sich bei uns um das Marketing und um die Finanzen.  Ein bisschen Nähen haben wir ihr mittlerweile aber beigebracht.

SOOME ist ja eine Abkürzung und steht für social organic original modern easy – was steckt dahinter?

Christiane: Social bedeutet, dass wir unsere Mitarbeiter mit Respekt behandeln und angemessene Löhne zahlen. Unsere Näherinnen sind handverlesen und kommen hier aus der Region. Das spart Transportkosten und ist sehr effizient. Organic sind unsere Materialien. Wir verwenden ausschließlich GOTs-zertifizierte Stoffe und reine Naturprodukte.

Jessica: Original ist im Sinne von Individualität zu verstehen, sowohl in Sachen Style als auch Stückzahl. Die ist bei uns limitiert. Modern sind unsere Kollektionen, die wir gezeitigt zeitlos gestalten. Die Stücke sollen unseren Kundinnen lange Freude bereiten. Easy ist SOOME, weil wir unkomplizierte Mode machen. Unsere Kollektion kann man zu jedem Anlass tragen.

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Eure ökologischen Maßstäbe liegen voll im Trend. Wie empfindet ihr, dass mittlerweile auch Modekonzerne in diesem Geschäft mitmischen?

Jessica: Das stimmt, da ist viel Bewegung im Markt. Es wurde mittlerweile auch ein bisschen zum Hype, aber wir machen es aus Überzeugung. Die Entwicklung hat Vorteile. Von Jahr zu Jahr gibt es auf den Textilmessen mehr Angebot, tollere Farben und bessere Materialien. Am Anfang waren wir mit unseren hohen Ansprüchen Sonderlinge, mittlerweile findet zum Glück ein Prozess des Umdenkens statt.

Christiane: Es ist toll zu erleben, dass jüngere Generationen keinen Konflikt zwischen Öko und Fashion sehen. Das Bewusstsein für Konsum ändert sich. Das merkt man auch bei anderen Themen, etwa bei Ernährung und Mobilität. Qualität und Herkunft von Materialien werden immer wichtiger. So gesehen begrüße ich es, dass auch H&M-Kunden heute die Möglichkeit haben für kleines Geld nachhaltig zu konsumieren. Ich hoffe, dass die Konzerne es ernst meinen und nicht bloß mit auf den Bio-Zug aufspringen. Es ist an der Zeit, dass sich etwas ändert.

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Wann hat das Umdenken bei euch eingesetzt?  

Christiane: In meiner Jugend hieß öko noch: Keine Cola, kein Ketchup, kein Fernsehen und nur Vollkornbrot. Das war die Zeit, als Yogaklamotten nicht sexy und sportlich waren.

Jessica: Genau so bin ich aufgewachsen. Die Klamotten sahen schlimm aus und waren sackig. Als Kind und auch als Teenager war ich engagiert im Naturschutz. Dann kam eine Phase in der ich mit all dem nichts zu tun haben wollte. Irgendwann merkt man aber, dass vieles richtig war. Zum Glück birgt ökologisch bewusster Konsum heute nicht mehr die gleichen Vorurteile mit sich wie damals.

Ihr habt Euch in Mannheim kennengelernt, seid ihr auch hier aufgewachsen?

Christiane: Also ich bin waschechte Mannemerin.

Jessica: Ich komme aus dem Kreis Bergstraße. Mittlerweile wohne ich in Weinheim, pendle aber schon immer nach Mannheim – erst zum Studieren, jetzt zur Arbeit. Das Tolle an der Region ist, dass alles so nah beieinanderliegt. Vom beschaulichen Weinheim ins urbane Mannheim ist es nur ein Katzensprung.

Christiane: Helga, die dritte im Bunde, ist ursprünglich aus der Pfalz. Mittlerweile wohnt sie in Berlin und schreibt dort ihre Doktorarbeit zum Thema Zukunft der Mode. Das hat viele Vorteile für uns. Wir haben jetzt unseren eigenen Trendscout in der Hauptstadt. Helga kommt regelmäßig nach Mannheim und wir haben eine super Anlaufstelle, wenn wieder die Fashionweek ansteht.

 Seht ihr Euch als Teil der lebendigen Mannheimer Gründerszene?

Christiane: Das ist ein kniffliges Thema. Wir arbeiten parallel zu SOOME alle in unserem Beruf. Ich bin Dozentin an der Modeschule, Jessica ist Grafikerin. Mit unserem beruflichen Background sind wir schon seit Jahren selbständig und fallen damit teilweise durchs Raster der Gründerszene. Zuschüsse gab’s für uns nie, obwohl wir uns darum bemüht haben. Das Thema Textilproduktion wird in Mannheim nicht sehr groß geschrieben. Klar, Dorothee Schumacher hat es vorgemacht, man kann auch von hier aus sehr erfolgreich tolle Mode machen. In den Schoß fällt es einem aber nicht.

Jessica: Vieles mussten wir uns erst erkämpfen. Wir haben da unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Für viele waren wir konzeptionell wohl einfach nicht ausreichend kommerziell aufgestellt. Trotzdem stehen wir jetzt hier in unserem EcoShowroom und können stolz sein auf das, was wir geschafft haben.

Erklärt doch mal den EcoShowroom im Mannheimer Palais Lanz – wie kam es zu der Idee und was ist das Konzept?

Jessica: Ein großer Zufall. Für unsere erste Ausstellung waren wir auf der Suche nach einer außergewöhnlichen Location und bekamen das Angebot, doch das Erdgeschoss des wundervollen Baudenkmals der französischen Belle-Époque-Architektur zu füllen.

Christiane: Damals haben wir unter Platzmangel gelitten. Helga und ich hatten kleine Ateliers die sehr charmant waren, aber wir hatten einfach nicht genug Stauraum und keine Möglichkeit unsere Kollektion zu zeigen. Nach der erfolgreichen Ausstellung ergab sich die Möglichkeit im Palais zu bleiben. Da mussten wir zuschlagen. Wir fühlen uns hier sehr wohl: wunderschöne Architektur, tolles Licht und dieser Atelier-Charme durch die großen Loft-Fenster.

Ihr stellt seit kurzem hier nicht alleine aus, wer sind eure Partner?

Jessica: Gleichgesinnten wollen wir hier eine Plattform bieten. Junge Labels können sich acht Wochen lang bei uns präsentieren Alle zwei Monate veranstalten wir eine Vernissage mit kulturellem Rahmenprogramm. Bei den Events stellen wir auch unsere neuen Entwürfe vor. So wandelt sich der EcoShowroom ständig und bleibt spannend. Geöffnet haben wir immer donnerstags von 15 bis 20 Uhr und samstags von 15 bis 18 Uhr.

Christiane: Bei unserer ersten Ausstellung sind CharLe aus Berlin dabei, Fremdformat aus Heidelberg, Kerzenslust aus Mannheim, Evermind aus Köln und Pearls of Laja aus München. Präsentiert werden Schmuck und Accessoires, Herren-, Jeans- und Kindermoden. Alle Produkte sind nachhaltig und fair produziert.

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Ihr habt gerade einen Grund zu feiern. Gratulation zum Gewinn des Ideenstark-Wettbewerbs der MFG Baden-Württemberg

Jessica: Dankeschön! Das war wirklich eine riesige Überraschung, damit hatten wir nicht gerechnet. Als ich die Beschreibung gelesen habe, hab ich uns da zunächst gar nicht gesehen. Ich dachte das wäre nur was für Leute aus der Film- und Medienbranche. Jetzt sind wir auf wundervolle Weise eines Besseren belehrt worden.

Christiane: Den Ideenwettbewerb zu gewinnen ist etwas Besonderes – 100 Teilnehmer insgesamt, 24 in der Endrunde und wir holen den Preis! Die Jury hat uns in drei Interviewrunden nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst. Die waren top informiert und haben da gebohrt, wo’s weh tut. Jetzt sind wir total gespannt, was uns bei den Coachings erwartet. Die Gewinner erhalten die Möglichkeit ein Jahr lang an Workshops und Seminaren teilzunehmen, bei denen man zusätzliches Business-Knowhow erwirbt.

Der eigene Showroom, der Gewinn beim Ideenstark-Wettbewerb: alles richtig gemacht! Habt ihr eine Message für Leute, die sich gerade überlegen zu gründen?

Christiane: Mich würde es freuen, wenn mehr Gründer ihrem Herzen folgen würden. Ich kann euch nur dazu ermuntern. Rechnet nicht im Vorfeld schon eure Träume klein, traut euch einfach.

Jessica: Wir versuchen das Motto zu leben: Man muss was tun mit Herz, Hand und Verstand. Das entspricht genau unserer Aufgabenteilung.

 


www.soome.de

Interview: Andreas Stanita

Fotos: Daniel Lukac

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