Monomer

Thomas Mrokon über die Marke Monomer und eine neue Ära der Schmuckdesigns

Mit dem Startup Monomer hat der Architekt und Designer Thomas Mrokon die Schmuckgestaltung revolutioniert. Mit modernster CAD-Software in Kombination mit State-of-the-Art 3D-Druck-Technologie lässt sein Team filigrane Kreationen entstehen, die im Bereich der klassischen Goldschmiedekunst undenkbar sind. Im Mannheimer C-HUB haben wir Thomas zum Interview getroffen.

 

Thomas, Du bist vor drei Jahren nach Mannheim gekommen. Dein erster Eindruck?

Ich hatte noch dieses alte Bild im Kopf: eine Industriestadt mit eher wenig Kultur. Da ich aus Offenbach komme, das mit ähnlichen Vorurteilen zu tun hat, hat mich das nicht abgeschreckt. Als Architekt fiel mir dann aber auf, dass Mannheim viel Geld in bauliche Erneuerung steckt. Mannheim wirkt heute modern – und man spürt sofort, dass die Stadt boomt.

 

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Warum hast Du Dein Startup Monomer in Mannheim gegründet?

Wir haben im Rhein-Main-Gebiet Investoren für unsere Geschäftsidee gesucht, sind aber trotz vieler Pitches und Gespräche mit Business Angels nicht fündig geworden. Dann haben wir den Radius auf Rhein-Neckar ausgedehnt und mit dem Mannheimer Beteiligungsfonds sofort einen engagierten Investor gefunden. Wir hatten zunächst ein Büro im Alten Volksbad, haben dann aber im Gespräch mit Christian Sommer von der Mannheimer Gründungszentren GmbH erfahren, dass 2015 das Kreativwirtschaftszentrum C-HUB eröffnet. Das war der Impuls, mit Monomer in den Jungbusch zu ziehen.

 

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Wie erlebst Du die Gründerszene der Stadt?

Ich war sehr erstaunt, wie viel hier für die Gründungs-Förderung getan wird und wie groß die Startup-Community ist – das kennt man sonst höchstens aus Berlin. Mit acht Gründungszentren gibt es in Mannheim sogar eine größere Vielfalt, und man ist hier nicht einseitig auf Kreativwirtschaft und IT fixiert. Und es hat uns natürlich sehr gefreut, den Mannheimer Existenzgründerpreis 2015 zu erhalten.

Du bist ein erfolgreicher Architekt, aber seit 2014 fokussierst Du zu 100 Prozent auf Deine Schmuck-Marke Monomer. Warum?

Es war nicht einfach, mich von der Architektur zu trennen. Ich habe große Planetarien-Projekte in Heidelberg und München realisiert, aber irgendwann dachte ich: Es wird nicht spannender, wenn Du noch ein Drittes baust. Ich liebe die Abwechslung und habe jetzt großen Spaß daran, diese Idee zu entwickeln, die mich seit 2005 fasziniert.

Die Idee, einzigartige Schmuckstücke im 3D-Druck herzustellen?

Ja, mit dieser Idee kam damals eine Bekannte zu mir. Ich setzte Ihren Entwurf mit einem CAD-Programm um, und schon bald hatten wir eine schöne Kette aus dem 3D-Drucker vor uns liegen. Wir waren damals echte Pioniere – und seitdem hat sich dieser Schmuckdesign-Virus bei mir eingenistet.

Wann hast Du realisiert, dass die Idee wirtschaftliches Potenzial hat?

Von 2010 bis 2014 habe ich Monomer nebenher gemacht. Als die Resonanz immer besser wurde, habe ich 2014 beschlossen, die GmbH zu gründen und Vollgas zu geben.

Welche Eigenschaft braucht man, um die professionelle Komfortzone zu verlassen und als Quereinsteiger etwas Neues zu starten?

Ich bin risikofreudig – weil ich an mich selbst glaube. Wenn man mit Ehrgeiz und Strategie an eine Sache rangeht, kann man alles schaffen, auch als Quereinsteiger in der Schmuckbranche. Und ich habe ja noch dazu den Vorteil, mein digitales CAD-Handwerkszeug erhalten zu haben.

Was magst Du am meisten an Deinem neuen Job?

Als Architekt mag ich die technische Komponente des Zeichnens und die technische Fertigung. Es macht mir aber auch extrem viel Spaß, kreative Ideen in Schmuck umsetzen zu können. Die ersten Kollektionen habe ich noch alleine entwickelt, aber seit kurzem habe ich mit Julia Weisbrod eine Absolventin der Schmuckdesign-Hochschule Pforzheim im Team, die ich gerade in die CAD-Welt der Architekten einarbeite. Zusammen lassen wir ein völlig neuartiges Schmuckdesign entstehen, wie es mit klassischen Handwerkstechniken nicht ausführbar wäre. Ich persönlich arbeite am liebsten mit purem Material wie Echtgold oder Platin – das ist am Beständigsten.

Haben Goldschmiede Angst vor Eurer Geschäftsidee?

Teilweise löst unsere Technik bei Goldschmieden die Angst aus, irgendwann nicht mehr gebraucht zu werden. Die meisten sehen uns aber als das, was wir tatsächlich sind: eine interessante Bereicherung, eine exklusive Nische für Menschen, die einzigartigen Schmuck zu schätzen wissen. Wir sind übrigens schwer kopierbar, weil wir sehr genau darauf achten, wie sich das Thema 3D-Druck technisch entwickelt. Wir halten deshalb engsten Kontakt mit den innovativsten Technologie-Anbietern.

Wo siehst Du Monomer im Jahr 2020?

Die Strategie ist es, unsere Präsenz bei aktuell 60 hochwertigen Händlern konsequent auszubauen. Das Ziel ist es, eine internationale Marke zu kreieren – mit einem unverwechselbaren Look. Ich würde nicht ausschließen, die Marke mal zu verkaufen, denn bei meinen täglichen langen Autofahrten kommen mir ständig neue Ideen. Es gibt noch viele Herausforderungen.

 

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Du pendelst jeden Tag von Frankfurt nach Mannheim. Warum eigentlich?

Das hat rein familiäre Gründe. Monomer bleibt dem Standort Mannheim treu – zumal auch Mitarbeiter wie unser Mannheimer Lokalpatriot Markus Rudolph von hier kommen – und niemals wegziehen würden.

Dann ist er auch der derjenige, der Dich hätte warnen können, dass jeder echte „Monnemer“ den Firmennamen Monomer wie „Monnemer“ ausspricht.

Haha, damals war Markus leider noch nicht bei uns, deshalb haben wir das erst entdeckt, als die Lieferanten immer nach dem „Monnemer“ gefragt haben. Inzwischen ist das ein Running Gag. In Wahrheit kommt Monomer als dem Altgriechischen: „monos“ bedeutet „einzeln“ und „meros“ steht für „Teil“; der Name steht also für die Philosophie der Individualität und für das Einzelteil.

Inzwischen bist Du ja schon selbst Mannheimer Lokalpatriot. Wo trifft man Dich, wenn Du in Mannheim unterwegs bist?

Entweder entführen mich meine Mitarbeiter in die neuesten Restaurants oder ich jogge quer durch die Stadt – zumindest gedanklich, denn Zeit habe ich dafür nur selten. Ein neuer Lieblingsort von mir ist aber die Multihalle im Herzogenriedpark, die ich beim Fotoshooting zu diesem Interview zum ersten Mal gesehen habe und die mich seitdem fasziniert. Die hölzerne Rautenstruktur, die der renommierte Architekt Frei Otto realisiert hat, ist ästhetisch ähnlich angelegt, wie die Strukturen unserer Schmucklinie Argos. Ich bin allerdings entsetzt, dass die sanierungsbedürftige Multihalle nun abgerissen werden soll – da wäre ich glatt bereit, eine Mannheimer Initiative zum Erhalt dieses architektonischen Schmuckstücks zu gründen.

 

Interview: Ralf Laubscher / LA.MAG

Fotos: Daniel Lukac


www.monomer.com

www.c-hub.de

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