Maifeld Derby

Festivalmacher Timo Kumpf über die Zukunft des Derbys

Die Leser des Musikmagazins Intro haben das Mannheimer Maifeld Derby auf Platz 2 der besten Festivals in Deutschland gewählt. Wir haben mit Festivalmacher Timo Kumpf über die Zukunft des Derbys, seine Konzertagentur Karakter Live und seine Erfahrungen als Gründer in Mannheim gesprochen.

 

Timo, Du hast im Juni gerade wieder das Maifeld Derby veranstaltet – wie lief‘s denn in diesem Jahr?

Dieses Jahr lief es super! Bands zufrieden, Besucher happy, Helfer familiär vereint – dieses Jahr hat alle Besonderheiten des Maifeld Derbys eindrucksvoll bestätigt. Der hohe Qualitätsanspruch bei Musik, Produktion, Infrastruktur bis hin zum Essen ­– das ist dieser ganz besondere Mailfeld-Vibe.

Das Derby wird immer stärker überregional und auch international wahrgenommen. Dieses Jahr war auch der Sender Arte dabei und hat gefilmt – eine Bestätigung für Dein Festival-Format?

Ja, wir hatten erstmalig eine Kooperation mit Arte Concert, die die beiden Hauptbühnen fast komplett gestreamt haben. Die Konzerte konnte man zum Teil live im Netz verfolgen und sind nun in der Mediathek. Das ist schon was ganz Besonderes für unser kleines Boutique-Festival. Unsere Reputation ist national und international sehr ordentlich, aber das betrachte ich als Ritterschlag. Ich hab‘ Jahre daran gearbeitet bis die sich schlussendlich von selbst gemeldet haben.

2010 hast Du Deine Konzertagentur Karakter Live 2010 in Berlin gegründet. Wie kam es, dass Ihr inzwischen Euren Sitz in Mannheim habt?

Zunächst begann alles damit, dass ich vom Odenwald nach Mannheim gezogen bin und hier an der Popakademie studiert habe. Gegründet haben wir dann in Berlin und dort habe ich nach meinem Abschluss an der Popakademie auch von 2008 bis 2012 gelebt. Gemeinsam mit meinen Kommilitonen Peter Putz und Maximilian Schenkel haben wir uns in Berlin als Startup selbst durchgeschlagen. Unsere Booking-Agentur „Karakter Live“ hat ihren Sitz heute in Mannheim, unsere Mutter-Agentur „Karakter Worldwide“, um die sich Peter und Maximilian kümmern, in Berlin. Die Kollegen machen Künstlermanagement und da ist der Standort Berlin schon noch unumgänglicher, da sich dort nun mal ein Großteil der Musikindustrie befindet.

Welche Vor- oder Nachteile hat der Standort Mannheim im Vergleich zu Berlin?

Im Büro der Kollegen hab ich immer einen Arbeitsplatz in Berlin, den ich auch mindestens alle zwei Monate besetze, da ich regelmäßig zu Terminen in der Hauptstadt bin. Seit der Rückkehr nach Mannheim haben sich für mich aber eher neue Chancen aufgetan, als dass mir der Standortwechsel Nachteile gebracht hätte. Ich bin stets im Austausch mit den offiziellen Anlaufstellen des Mannheimer Startup-Netzwerks und habe zum Beispiel am Kreatech-Programm teilgenommen, das finanzielle Förderung bietet. Das hat sehr geholfen, ebenso wie unser Büro im Existenzgründungszentrum Musikpark im Jungbusch. Hier ist es cool für uns, aber nicht optimal, weil ich eigentlich eine größere Flexibilität mit mehr Lagerflächen bräuchte. Deshalb habe ich eher die Bestrebung, etwas außerhalb alles auf einem Fleck zu haben. Die Konversionsflächen sind in diesem Zusammenhang eine fantastische Chance für Mannheim und damit auch für uns eine große Hoffnung. Allgemein ist es super so eng mit den offiziellen Stellen zusammen zu arbeiten und immer eine Anlaufstelle zu haben.

Wie siehst Du die Zukunft des Maifeld Derbys in Mannheim?

Für das Festival ist es schon ein schwieriger Standort, da wir ja eher versuchen neue Trends früh zu präsentieren, welche normalerweise erst etwas später hier ankommen. Wenn ich eine Gangsterrap-Show veranstalte, dann rennen mir die Leute hier die Bude ein und wenn man einen Grammy Award-Gewinner holt, heißt es schon mal: „kenn isch ned, will isch ned!“ Aber insgesamt bietet Mannheim und die Region eine gute Infrastruktur für Konzertveranstalter, es gibt sehr gute Locations etwa die Alte Feuerwache, das Capitol oder die Halle02. Und Mannheim ist für mich einfach das Manchester Deutschlands: eine sehr ehrliche Stadt mit sehr herzlichen Menschen!

Was wünschst Du dir für’s nächste Jahr?

Ich wünsche mir vor allem, dass das Team zusammenbleibt und es auch sonst keine Veränderungen oder Beeinträchtigungen gibt. Never stop a running horse! Ansonsten freue ich mich über den Zuspruch der Politik und Öffentlichkeit. In diesem Jahr war auch Mannheims Oberbürgermeister gleich mehrere Tage zu Besuch. Das hat mittlerweile Tradition und es geht hier nicht um Sehen und Gesehen werden, sondern darum, die Kunst auf der Bühne zu erleben. Das schätze ich sehr. Ebenso war die Music Commission Mannheim vertreten, mit der wir eng zusammenarbeiten. Den Kulturausschuss hatte ich auch eingeladen, aber da kam leider wenig Resonanz. Vielleicht ja dann nächstes Jahr.

Du bist in einem kleinen Ort im Odenwald aufgewachsen und hast dann in Berlin gelebt, gegründet und gearbeitet. Wo siehst Du Dich in zehn Jahren?

Die Zwischenstation in Berlin war für mich eine persönlich, eine wichtige und prägende Zeit, aber Mannheim war schon immer die Bezugsstadt, auch wenn Darmstadt und Heidelberg geografisch fast näher an meiner Heimat Odenwald dran waren. Und als mein Traum-Studiengang an der Popakademie angeboten wurde, da musste ich nicht lange nachdenken. Hier in der Region will ich alt werden. Zum Jahresbeginn bin ich in die Mannheimer Neckarstadt-Ost gezogen – und diese Umgebung genieße und schätze ich sehr.


Interview: Paul Heesch

Fotos: Daniel Lukac

www.maifeld-derby.de

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