„Hier gibt es Geld!“

Investor Matthias Storch über das Gründen in Mannheim

 

Sein erstes Startup ist gefloppt, doch schon das zweite war der Startschuss für eine erfolgreiche Karriere als Business Angel. Mit seiner Good Brands AG investiert der Mannheimer Matthias Storch heute in gute Ideen und Marken – und kann selbst das Gründen nicht lassen. Im Concept-Store seiner Lifestyle-Marke BUTIQ im Quartier Q 6 Q 7 haben wir ihn zum Interview getroffen: ein Gespräch über Scheitern und Wiederaufstehen, nervige Elevator Pitches und was Mannheim Gründerstädten wie Berlin voraus hat.

 

Mannheimer erkennt man gewöhnlich am Slang. Du klingst aber ziemlich hochdeutsch – wie kommt‘s?

Ja, ich kling‘ schon fast norddeutsch, aber tatsächlich sind meine Eltern Ur-Mannheimer. In Talk-Shows kann man Monnemer ja immer am Dialekt erkennen, und da bin ich ganz froh, dass man mir das nicht beigebracht hat. Als ich hier im neuen BUTIQ-Store wieder viel mit Handwerkern zu tun hatte, hab‘ ich mal es versucht mit „Do, mach mol schneller, Longer…“ Aber ich befürchte, das hat mir keiner abgenommen.

 

 

Als Ur-Mannheimer hast Du dann doch in Heidelberg studiert, stimmt‘s? Was war Dein Plan?

Statt Betriebswirtschaft in Mannheim, fand ich Volkwirtschaft in Heidelberg spannender. Ein konkretes Berufsziel hatte ich nicht, mir war nur klar, dass ich mich nie irgendwo anstellen lassen würde. Mit einem Kommilitonen und einem Bekannten gründete ich 2001 dann die Werkshaus GmbH. Dahinter stand die simple Idee, eine CRM-Software an Versicherungs- und Finanzmakler zu verkaufen. Das hat zwar geklappt, aber das Geschäft machte nicht wirklich Spaß, und das Team hat nicht funktioniert. Also haben wir die Firma abgewickelt und unseren Kredit mühsam abbezahlt.

 Wie hat es sich angefühlt, mit dem ersten Startup zu scheitern?

Ich kenne wenige, die mit der ersten Gründung gleich erfolgreich waren. Scheitern gehört dazu. Man lernt so viel dabei – das ist super. Und dann einfach weitermachen.

 

 

Wie hast Du weitergemacht?

Mit der marktform GmbH und der Plattform Förderland, die ich 2003 mit einem guten Freund gestartet habe. Das Thema Gründung hat mich ja schon immer interessiert, und aus eigener Erfahrung wusste ich, dass man als Gründer damals komplett ahnungslos war – es gab nur wenig Informationen. Also haben wir ein branchenspezifisches Portal für Gründer und Unternehmer entwickelt und ins Netz gestellt. Mit unserer Redaktion wurden wir schnell zum größten Info- und Nachrichtenportal zu dem Thema – und schließlich wurden wir 2010 von einem großen Verlag gekauft.

Woher kommt Dein Antrieb zu gründen?

Das frage ich mich auch – und ich habe keine Ahnung. Meine Großeltern waren Angestellte, mein Vater Arzt, meine Mutter Lehrerin und auch meine Brüder haben da keinerlei Ambitionen. Ich hatte einfach nie dieses Sicherheitsdenken. Ich finde aber auch, dass man als Startup gar nicht so mutig sein muss. Viel mutiger ist es, aus einem festen Angestelltenverhältnis heraus in die Selbstständigkeit zu gehen. Denn es ist schwierig, einen erreichten Lebensstandard wieder zurückzuschrauben.

Dir geht es also vor allem um den Spaßfaktor?

Ja, ich wollte einfach immer nur machen, was mir Spaß macht. Das Thema ist eher nebensächlich, wenn die Marktsituation spannend ist – egal ob es um Socken oder Medikamente geht.

 

Zu den Socken kommen wir gleich, aber lass uns erst mal über Medikamente reden. Mit apomio hast Du 2010 ein Preisvergleichsportal für Medikamente gegründet. Erzähl mal.

Das Thema Preisvergleich war damals noch recht neu und ich hatte mit Freunden eine Software für den Apothekenmarkt programmiert. Das Business war nicht einfach – denn die Apothekenlobby hat massiv dagegen angekämpft. Doch wir hatten eine Marktlücke entdeckt und konnten mit niedrigen Kosten sehr gutes Geld verdienen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich damals für das Thema maximal einen halben Tag in der Woche gearbeitet – und das Ding lief trotzdem. Aber leider ist dann das passiert, was häufig passiert: es gibt Probleme mit dem Team. Der eine möchte mehr Gehalt, der andere mehr investieren, der andere verkaufen …

Und was wolltest Du?

Ich ließ mich da schließlich rauskaufen – ein klassischer Management-Buy Out.

Die alte Frage: mit Freunden lieber Bier trinken oder Geschäfte machen?

Die Erfahrung ist leider: man sollte versuchen das eher zu trennen – einfach, um nach Feierabend oder am Wochenende sich nicht auch noch über‘s Geschäft zu unterhalten. Das schließt in meinem Fall aber nicht aus, mit meinen aktuellen Geschäftspartnern auch befreundet zu sein.

 

Bist Du Einzelkämpfer oder Teamplayer?

Ich bin kein Einzelkämpfer, da würde ich untergehen. Ich brauche jemand, der meine Arbeit sinnvoll ergänzt. Ich bin derjenige, der vorausrennt, der alte Wände abreisst, um Neues zu schaffen – und dann muss da jemand sein, der alles stabil aufbaut und weiterentwickelt. Organisatorisch bin ich nicht besonders gut und deshalb ist es auch so wichtig, mit Marc Langner einen Partner bei der Good Brands AG zu haben, der sich bei allen Investitionen komplett um die Betriebswirtschaft kümmert.

Wie bist Du vom Gründer zum Investor geworden?

Ich hatte von Förderland und Apomio ein bisschen Geld auf dem Konto und habe dann begonnen in andere Startups zu investieren. Weil ich Technik mag, zunächst in in gute Teams mit guten Ideen zu Themen wie Software-as-a-service. Meine private Matthias Storch Ventures GmbH wurde dann von der Good Brands AG ersetzt.

 

 

Welche Vorteile hat eine Aktiengesellschaft?

Es ist zwar ein großer Aufwand, aber wirtschaftlich ein großer Vorteil, an der Börse gelistet zu sein – es erleichtert den Einstieg externer Investoren. Das Wissen dazu kommt von meinem Partner Marc Langner. Er studierte Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Controlling, Management und Informationssysteme und war unter anderem bei Beteiligungsmanager aktiv und betreute Portfolio-Gesellschaften.

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, in Socken zu investieren – oder anders gefragt: wie kam es zur Gründung des Labels Von Jungfeld?

Das ist tatsächlich eine Mannheimer Story: nachdem ich mit ein paar Technik-Investments auf die Schnauze gefallen war, hatte ich Lust auf eine ganz andere Richtung. Als ich dann Maria Pentschev und Lucas Pulkert bei einem Ideen-Pitch im Technologiezentrum Mafinex erlebte, wollte ich mit den beiden unbedingt was machen – das hatte aber noch nichts mit Socken zu tun. In das Thema haben wir uns dann gemeinsam reingearbeitet.

Welteroberung mit bunten Socken: die Von Jungfeld-Macher Maria Pentschev und Lukas Pulkert. Foto: Von Jungfeld

 

Bei der TV-Show „Höhle der Löwen“ wurde von Jungfeld von der Jury abgelehnt, inzwischen sind aber prominente Investoren wie Joko Winterscheidt an Bord. Wie läuft’s?

Wir mussten einiges Geld investieren, aber gerade beginnt das Thema echt Spaß zu machen, weil die Marke inzwischen sehr bekannt ist. Neben Joko Winterscheidt ist auch Anton Jurina, der Gründer des Fairtrade-Modelabels Armedangels beteiligt, außerdem Chrono24-Geschäftsführer Tim Stracke und Handelsexperte Peter Sudholt. Jetzt muss man sehen, was strategisch klug ist: entweder weiter ausbauen oder eventuell verkaufen, wenn der richtige Moment gekommen ist. Wir haben glücklicherweise alle Optionen und können das gelassen angehen.

Was ist Dein Rat für junge Gründer mit guten Ideen: wie kommt man an Geld?

Ich bin kein großer Freund von öffentlichen Förderungen und hab auch selbst nie groß was in Anspruch genommen. Allein die Antragsstellung ist meist so kompliziert und langwierig, dass wir gesagt haben: lass uns in dieser Zeit lieber was arbeiten. Außerdem braucht man dann für alles einen Business-Plan – und ehrlich gesagt: ich hab‘ noch keinen einzigen geschrieben – reine Zeitverschwendung.

Die Gründer des Startups Herrenfahrt: Andreas Werner und Sebastian Steininger

 

Was ist der bessere Weg zum Ziel?

Es fehlt an Seed-Finanzierungen! Bei Elevator Pitches nervt es mich immer, dass da Leute sitzen, die so tun als seien sie Investoren, aber die meisten von Ihnen wollen sich nur wichtig fühlen. Mentoren sind noch schlimmer, vor allem wenn sie kein Geld geben, aber dennoch Anteile wollen – das ist der Knaller. Dabei wäre es so wichtig, mehr mutige Seed-Finanzierer zu haben.

Wie Eure Good Brands AG?

Zum Beispiel! Unser Vorgehen ist so: wenn wir uns für ein Startup entschieden haben, leisten wir die Erstfinanzierungen und sorgen dafür, dass die ersten Umsätze fließen. Dann akquirieren wie externe Investoren in den Folgerunden. In unserem Fall muss jungen Gründern mit guten Ideen aber klar sein: wenn ihr eine Seed-Finanzierung von uns wollt, dann müsst Ihr auch nach Mannheim kommen, denn wir werden in der Frühphase kein Unternehmen unterstützen, das schwierig erreichbar ist.

 

 

Und Mannheim ist ja noch dazu ein guter Standort, um Folge-Investoren zu finden, oder?

Absolut, das ist aus meiner Sicht sogar der entscheidender Vorteil gegenüber klassischen Gründerstädten wir Berlin! Ich denke, es ist noch viel zu wenig bekannt, dass hier sehr viel Geld ist – bei etablierten Unternehmen wie SAP, BASF, Roche, Südzucker, Bilfinger & Berger und wie sie alle heißen. Darüber hinaus gibt es aber noch weitere Gründe nach Mannheim zu kommen: hier kann man sehr gut studieren und die Unis und Hochschulen bieten ein super Netzwerk. Dann gibt es die acht Gründungszentren – und schließlich sind die Stadt und die Region sehr cool und lebenswert.

Du arbeitest und lebst in Mannheim – könntest Du Dir überhaupt vorstellen, woanders das Zelt aufzuschlagen?

Nein, ich liebe es, in Mannheim zu wohnen – ich fühle mich hier total wohl. Ich habe hier Familie und kenne alle schönen Ecken. Wenn ich am Wochenende mit dem Rad durch den Waldpark an den Rhein fahre, oder in ein paar Minuten draußen in der Pfalz bin, dann fehlt mir nichts. Die Lebensqualität hier ist einfach super. Die Kosten sind vergleichsweise niedrig – und man kann hier noch dazu gut ausgehen und Spaß haben. Aber noch mal: diese Story reicht alleine nicht aus. Meine Botschaft an alle Startups da draußen ist eine andere: hier gibt‘s Geld für Gründer!

Interview: Ralf Laubscher / LA.MAG Content. Corporate. Communication.

Fotos: Daniel Lukac


www.goodbrands-ag.com

www.butiq.de

www.jungfeld.com

 

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