FEMALE BUSINESS

Barbara Limbeck über das Startup-Zentrum gig7

Optimale Startchancen für die ersten Jahre: Das Gründungszentrum gig7 bietet Existenzgründerinnen und jungen Unternehmerinnen die perfekte Plattform zum Starten und Durchstarten. Wir haben die Zentrenleiterin Barbara Limbeck zum Interview getroffen.

 

Barbara, Du leitest heute das Female Business-Zentrum gig7, kommst aber aus der Werbung und warst selbst erfolgreiche Gründerin. Erzähl‘ doch mal von Dir!

Wollt Ihr wirklich wissen, wie es Anfang der 90er war? Da waren Frauen in der Werbebranche noch ein echt schwieriges Thema. Als ich 2001 Mutter geworden bin und Familie gründen wollte, war das zwangsläufige Resultat, dass ich aus der Branche raus und meinen Job an den Nagel hängen muss. Nach der Geburt meiner Tochter war ich ein halbes Jahr zu Hause und konnte nicht mehr zurück ins Agenturgeschäft, weil 24-Stunden-Erreichbarkeit und maximale Flexibilität in der Frankfurter Agenturwelt normal waren, da waren Ellenbogen angesagt. Man sah keine Möglichkeit für einen Homeoffice-Platz – eine abstruse Situation für mich als Beraterin. Ich hätte mich dagegen wehren können, aber auf die Idee bin ich damals nicht gekommen.

 

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gig7 Zentrumsleiterin Barbara Limbeck

 

Zurück in Mannheim hast Du dann für das Modeunternehmen Engelhorn den E-Commerce-Bereich aufgebaut. Wir kam es dazu?

Ich habe zuerst geschaut, ob sich Alternativen auftun und habe bei meinem damaligen Freund, der gerade die Starcoffee-Kette in Mannheim aufzog, ausgeholfen – und plötzlich ergab sich ein Kontakt zu Engelhorn. Die wollten mich für ihre neue Internetabteilung, dabei war ich doch eine klassische Konzeptionerin. Das E-Business steckte damals noch in den Kinderschuhen, aber als ich fünf Jahre später das Unternehmen verlassen habe, war der Onlinebereich die Abteilung mit der größten Umsatzsteigerung – das Geschäft ist förmlich explodiert.

Die Zeit muss ziemlich aufregend gewesen sein. Warum bist Du bei Engelhorn ausgestiegen?

Wenn ich heute in den Engelhorn-Webshop schaue, freue ich mich, denn ich weiß, dass das mein Baby ist – und ich habe in dieser Zeit auch sehr viel lernen können. Geleitet habe ich das Kundenmanagement-Team mit rund 20 Frauen, aber ich war nur halbtags da und gefühlt waren es 24 Stunden – die klassische Teilzeitfalle. Als dann eine neue Abteilungsleiterin kam, ist eine neue Idee entstanden: wie wäre es, wenn wir uns zusammentun und uns selbstständig machen?  Wir haben gegründet und uns unsere Netzwerke aktiviert: sie hat Norddeutschland übernommen und ich den Süden, um nah bei der Familie zu sein.

Wie hat es sich angefühlt, selbständig zu sein?

Es war toll! Wir haben hauptsächlich Unternehmen aus der Modebranche im Bereich Online-Service-Management betreut – das waren Marken wie Betty Barclay, Breuninger, KangaRoos oder Flipflop. Ich hatte unglaublich viel zu tun, wir waren erfolgreich und haben gutes Geld verdient, aber dann hat mich zum zweiten Mal das Frauenthema gefressen: ich war überall unterwegs – aber leider nur selten Zuhause bei meiner Familie in Mannheim. Für meine Tochter war es zu dieser Zeit schon fast normal, dass ich weg war – und das war schwierig für mich. Mein Mann hat mich unglaublich viel unterstützt, aber ich fasste dennoch den Entschluss, meinen Job schlafen zu legen.

Rückblickend die richtige Entscheidung?

Mit dem Wissen von heute hätte ich nicht aufgegeben. Ich hatte mein Problem über eine tolle Tagesmama, eine Nanny oder eine Au-pair lösen können, damit ich mir den Job besser einteilen kann. Ich war aber im Alles-oder-nichts-Modus. Genau zu diesem Zeitpunkt wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könne die Leitung des gig7 zu übernehmen – und das hat mich genau in der richtigen Stimmung erwischt. Ich war ziemlich aufgeheizt und im Bewerbungsgespräch habe ich dann erst so richtig realisiert, dass ich aufgrund meiner Biographie die richtige Person für die Stelle bin – weil ich ja alles selbst erlebt habe.

 

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Bis 2013 hatte das gig7 noch einen anderen Ansatz und war weniger wirtschaftsorientiert als heute. War es schwer, den Wechsel zu gestalten?

Die damalige Frauenbeauftragte der Stadt leitete bis dahin das gig7, und es ging mehr um die klassischen Frauenthemen mit dem Schutzgedanken – der unternehmerische Startup-Gedanke stand nicht im Vordergrund. Genau diese Ausrichtung war jetzt gefragt, aber ehrlich gesagt hatte ich anfangs noch keine Idee, wie das hier anzupacken war.

Was war das erste, das Du dann verändert hast?

Wir haben schnell damit begonnen ein frisches, hoch motiviertes Team aufzubauen und haben alte Zöpfe und Denkmuster abgeschnitten – auch wenn das anfangs für alle anstrengend war. Ich hatte nichts mit der klassischen Frauenbewegung zu tun, aber ich war neugierig, wie man das Thema Female Business im Kontext der parallel laufenden Mannheimer Startup-Aktivitäten neu aufstellen kann. Und sehr schnell habe ich gemerkt: das ist ein dankbares Thema mit enorm viel Potenzial.

Wie definierst Du Female Business?

Ich komme aus der Wirtschaft und habe zuerst überlegt: welche speziellen Bedingungen müssen erfüllt sein, wenn Frauen erfolgreich ein Unternehmen aufbauen wollen? Früher war hier im gig7 der übliche Rat: gründe erst mal als Kleinunternehmerin. Ich selbst habe aber in der Praxis gelernt: Kleinunternehmertum ist genau das Falsche, wenn Du richtig Business machen und ernst genommen werden willst. Wenn Du keine Umsatzsteuer berechnest, machst Du Dich kleiner als Du bist. Und eine saubere Buchhaltung mit einer adäquaten Rechtsform gehört zu einer erfolgreichen Gründung einfach dazu.

Beratung ist ein zentrales Thema im gig7. Was ratet ihr jungen Gründerinnen?

Gute und intensive Beratung ist tatsächlich eine unserer wichtigsten Aufgaben – und dabei nehmen wir kein Blatt vor dem Mund. Die erste Frage ist immer: willst Du wirklich oder willst Du nicht? Denn wir dürfen uns nichts vormachen: Frauen werden auch in Zukunft immer noch die Kinder kriegen und sie werden diejenigen sein, die besondere Herausforderungen bei der Lebensplanung zu bestehen haben. Egal auf welchem Level – Frauen und besonders Mütter haben immer eine Baustelle mehr als Männer. Sie brauchen aber keine Anteilnahme oder Streicheleinheiten, sondern spezifische Förderung und eine andere Kritik. Wir sagen immer: es ist völlig ok, wenn Du lieber zu Hause bleiben möchtest, um Dich um die Kinder und die Familie zu kümmern. Aber wenn Du Erfolg mit dem eigenen Unternehmen haben möchtest, dann geben wir Dir die Möglichkeit unter bestmöglichen Bedingungen starten. Also ist unsere Aufgabe völlig klar: wir unterstützen Unternehmerinnen, die wirklich starten und durchstarten wollen.

Wie läuft eine Beratung ab?

Denkbar einfach! Die Frauen rufen hier an, und wir vereinbaren einen Gesprächstermin mit einer für das jeweilige Thema passenden Beraterin. Bei einem etwa 1-stündigen Gespräch kann die Gründerin ihre Idee vorstellen und wir empfehlen dann die weiteren Schritte in Form ergänzender Beratungen.

 

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Welche Rolle spielt der exi-Gutschein?

Unser Konzept ist die Authentizität und deshalb haben wir einen Pool freier BeraterInnen im Angebot. Wer hier berät, kennt sich aus mit der Selbständigkeit und weiß genau, auf was es ankommt. Wir haben Spezialfachberaterinnen für Medizin- und Heilberufe, für Textilwirtschaft, aber auch für IT-Technologie, für Social Media sowie Kunst, Kultur- und Kreativwirtschaft. Bei uns sind alle Seminare und Workshops maßgeschneidert und nicht von der Stange. Die Beratungen und die Veranstaltungen sind kostenfrei, wenn in Baden-Württemberg in Vollerwerb gegründet wird.

Was macht das gig7 sonst noch besonders?

Viele zieht es in die bekannten Mannheimer Startup-Zentren wie C-Hub oder Mafinex, aber wir haben den großen Vorteil, in einem schönen Gründerzeithaus in den Quadraten am Rand des Jungbuschs eine besonders inspirierende Atmosphäre zu bieten. Das Kompetenzzentrum Female Business ist unser Beitrag zur Stadtentwicklung, ein besonderer Wohlfühl-Ort in einem urbanen Startup-Ökosystem.

Welche Unternehmen sind im gig7 zu Hause?

Die Mieterstruktur ist sehr frisch, 2016 hat es einen richtigen Schub gegeben und wir haben jetzt rund 30 Unternehmen im Haus. Es gibt Unternehmerinnen wie beispielsweise Simone Burel, die den Bereich Female Business in besonderem Maße unterstützen und die mit ihrem Startup „LU – linguistische Kommunikation“ mit uns kooperiert. Mit dem Konzept der „Praxis Dr. fem. Fatale“ nimmt sie sich der weiblichen Sprache an, zeigt die noch immer in den Köpfen von Wirtschaft und Gesellschaft vorhandenen Stereotypen auf. Ihre Workshops sind inzwischen in vielen großen Unternehmen sehr gefragt und Teil der Angebotswoche „360 Grad Female Business“. Oder nehmen wir Fjolla Myftari: Sie hat ihr Unternehmen My Rapunzel mit einem sehr erfolgreichen Influencer-Marketing so weit aufgebaut, dass sie nun die ersten Arbeitsplätze schafft. Wir haben hier zwar den Fokus auf das Thema Female Business, aber das bedeutet nicht, dass ausschließlich Frauen willkommen sind. Es gibt gemischte Teams im Haus, und das entspricht ja auch der Realität in modernen Unternehmen. In diesem Zusammenhang ist der Titel Gründerinnenzentrum etwas missverständlich und wir wollen das bald ändern – denn hier wird niemand ausgeschlossen.

Gibt es einen speziellen Mannheimer Gründerinnen-Spirit?

Ja, ich finde den gibt es, aber leider ist er noch draußen noch nicht richtig sichtbar und wir müssen noch viel präsenter werden. Bei den Frauenwirtschaftstagen werden wir voraussichtlich im November einen Auftritt haben und wir werden in diesem Jahr auch 15 Jahre gig7 feiern. Allerdings nicht mit einem Festakt, dafür mit einer großen Party. Dazu wird es eine Konferenz mit richtig guten Keynotes von spannenden Unternehmerinnen geben.

 

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Welchen Bezug hast Du selbst zu Mannheim?

Ich komme aus der Neckarstadt-West. Meine Eltern hatten die älteste Bäckerei der Stadt in der Laurentiusstraße – ich bin also ein Neckarstädter Gassenkind.

Kannst Du Dir vorstellen, selbst noch mal zu gründen?

Wenn ich hier allen auf die Nerven gehe oder wenn wir in den nächsten Jahren so gut arbeiten, dass die Welt sich verändert und Frauen keinen speziellen Support mehr bei der Gründung brauchen… aber sicher! Im Ernst: man soll niemals nie sagen – und meine alte Steuernummer hab ich ja auch noch.

 

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Interview: Ralf Laubscher

Fotos: Daniel Lukac


www.gig7.de

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