DE.BUS

Deutschland Business Briefing - gute Geschichten aus der Wirtschaft

Sie stehen auf gute Geschichten aus der Wirtschaft und mit dem regionalen Blog ku.bus sind sie 2016 angetreten, um eines schönen Tages dem Handelsblatt Konkurrenz machen. Unter der neuen Dachmarke de.bus starten die ku.bus-Macher jetzt in Großstädten Blog-Ableger, und nebenbei organisieren sie im Februar 2018 auch die erste TEDx-Konferenz in Mannheim. Höchste Zeit, sich mit Inhaber Oliver Brümmer und Wolf Müller-Christmann, Head of Business Development, zum Interview zu treffen.

 

Oliver, was bedeutet eigentlich „Kurpfalz Business Briefing“?

Oliver: Abgekürzt heißt das „ku.bus“ und mit diesem Blog wollen wir gute Geschichten über lokale Unternehmen erzählen – deshalb ist unser Claim „local business stories you love“.  Unser Ziel ist es, eine Brücke zwischen Corporates und Startups zu schlagen. In eigentlich jeder Stadt gibt es ja schon einen Startup-Blog. Das ist sehr weit verbreitet. Was aber fehlt, ist die Vernetzung von Corporates und Startups. Das bringe ich ja auch aus meinem Job in der Unternehmensberatung mit.

 

 

Warum der doppelte Fokus?

Oliver: Weil ich immer mehr an der Corporate-Seite gearbeitet habe und immer der Überzeugung war, dass nicht nur Startups Innovieren können und die interessanten Geschichten liefern, sondern das Corporates das sehr wohl auch können. Die haben nämlich die Kohle. Das heißt nicht, dass sie von der Organisation her besser aufgestellt sind. Im Gegenteil, da gibt es krasse Immunsysteme gegen Neues und gegen Innovationen. Aber Budget ist bei den Konzernen massenhaft vorhanden. Die können einem Gründer-Team eine halbe Million zur Verfügung stellen. Der Startup-Hype muss auch mal relativiert werden.

 

 

Ein Beispiel?

Wolf: Letzte Woche waren wir bei Fiege in Worms. Das ist ein großer Kontraktlogistiker, der unterschiedliche Logistikzentren in Deutschlandweit betreibt. Die haben jetzt Pick-by-Vision eingeführt: Mit der Google-Glass kann man die Waren einscannen und hat dabei die Hände frei, um zu kommissionieren. Bei solchen Innovationen sind die Großen oft deutlich flexibler, eben auch wegen des Budgets. Da – sagen wir – lohnt es sich, auch mal die Corporates anzuschauen. Die haben auch Innovation-Storys. Wenn man beides verbindet, dann hat man einen guten Mix.

 

Eure Begeisterung für solche Geschichten hat euch dann dazu gebracht, einen Business-Blog zu starten?

Wolf: Ja, die Geschichten in den Firmen sind schon echt beeindruckend. Vor allem einen 360°-Grad-Blick ins Unternehmen zu bekommen, finde ich extrem spannend. Im Unternehmen drin zu sein, die Storys zu identifizieren und diese dann viel intensiver machen zu können, als zum Beispiel eine Tageszeitung wie der Mannheimer Morgen. Wir sagen eher: eine Story reicht, die aber richtig! Die Faszination für gute Geschichten steht am Anfang von de.bus!

Und wie verdient man damit Geld?

Oliver: Über die Werbeanzeigen auf dem Blog. Wir verstehen uns als Medienunternehmen. Die große Ambition ist es, Business Briefing Deutschland zu einem ernsthaften Konkurrenten vom Handelsblatt zu machen. Das ist natürlich weit in die Zukunft gedacht, aber mit unserer Markenarchitektur, die es uns erlaubt, in die Regionen rein zu gehen, haben wir dem Handelsblatt tatsächlich etwas voraus!

 

 

Die Regionalität?

Oliver: Genau, dass wir regional unterwegs sind. Die Informationen kommen aus den Regionen, werden aber überregional dargestellt. Wenn du derjenige bist, der das Ohr nah am Markt hat, bist du ein ernst zu nehmender Player. Dafür müssen wir natürlich noch viel lernen, viele Strukturen aufbauen und so weiter.

Ihr wart aber vorher nicht journalistisch tätig?

Oliver: Ich habe schon zwei Bücher geschrieben, zwei Seniorenratgeber Technik, haha – für Windows 7 und das I-Pad 2. Letzteres habe ich dann sogar selbst verlegt. Ein bisschen vorbereitet war ich also schon. Die ersten Storys auf ku.bus habe ich selbst geschrieben. Und ich halte es auch für wichtig, dass das jeder bei uns mal macht, um ein Gespür dafür zu bekommen, was es heißt, eine Geschichte auf Papier zu bekommen. Vor allem, weil es so schwierig ist, Business emotional zu erzählen. Vor allem braucht es da aber einfach gute Geschichten.

 

 

Wie kommt Ihr an die ran?

Wolf: Eigentlich immer über Leute, die wir kennen! Weil wir beide aus der Region kommen, sind wir hier auch so stark. Über die Jahre hinweg sammelt man einfach viel Wissen über die regionale Wirtschaft und baut Beziehungen auf, die einen dann zu den wirklich interessanten Geschichten bringen.

Ihr seid mit ku-bus gestartet – und jetzt wollt Ihr mit de.bus deutschlandweit skalieren?

Oliver: Ja, wir wollen ein größeres Team aufbauen, was kein großes Problem sein sollte, weil man bei uns die Möglichkeit hat, an wirklich interessanten Themen zu arbeiten. Allerdings brauchen wir für ein deutschlandweites Produkt, noch ein paar Techies bei uns im Team, damit technisch alles einwandfrei ist. Dass wir so schnell skalieren könnten, hätte ich am Anfang auch nicht gedacht. Bis Mitte 2018 wollen wir so weit sein.

 

Warum habt Ihr in Mannheim gegründet?

Oliver: Weil ich Mannheimer bin! Ich bin in Feudenheim zur Schule gegangen, habe mein Abitur hier gemacht und nach Auslandsstationen in New York und Paris hat es mich wieder hierher gezogen. Und ich werde auch hier bleiben, weil ich mich hier einfach pudelwohl fühle. Was uns hier an Unterstützung geboten wird – ob Räume oder Beratung, das ist schon alles super hier!

Wolf: Ich komme zwar nicht aus Mannheim, aber aus Heidelberg und fühle mich auch sehr wohl in der Region. Es gibt hier den perfekten Mix aus Großstadt und ländlicher Natur.

Euer neuestes Projekt ist eine ku.bus Bus-Tour, eine Rundfahrt, bei der ihr lokale Unternehmen und interessante Speaker präsentiert.

Oliver: Und bei der das Fachliche im Fokus steht. Klar, das ist immer auch Networking. Aber wir haben gesagt, wir kuratieren unsere Sprecher. Wir nehmen kein Bier-Sponsoring von Welde und kein Geld von der MVV, die auf unserer Tour besucht werden. Stattdessen haben wir die Sprecher und Themen selbst ausgewählt, damit wir wirklich unabhängige Qualität bekommen! So garantieren wir fachlichen Austausch. Die Zeit im Bus soll für den fachlichen Austausch nutzbar sein und bei den Vorträgen soll man echt etwas lernen!

 

 

Wer ist die Zielgruppe Eurer Bus-Tour?

Wolf: 50 Prozent Startups und 50 Prozent Corporates, Gründer und Geschäftsführer von jungen Unternehmen und Mitarbeiter von etablierten Unternehmen wie Roche, Heidelberg Cement und Co.

Und die Leute haben Zeit, einen ganzen Tag im Bus zu verbringen?

Oliver: Da sind manche schon skeptisch, ja. Aber wir haben W-LAN im Bus und man kann arbeiten. Was wahrscheinlich nicht passieren wird, weil die Gespräche zu interessant sein werden. Wir haben eine Moderatorin engagiert, die durch den Tag führen wird. Es gibt kurze Vorstellungsrunden im Bus und die Leute lernen sich kennen und es entsteht Austausch. Der Gewinn ist dann höher, als der Ausfalltag kostet.

 

 

Euer drittes Projekt ist die erste TEDx-Konferenz in Mannheim. Wie habt ihr das geschafft?

Oliver: Bei der TEDx European Space Agency in Holland haben sie ein sagenhaftes Event hingelegt. Es stand eine Astronautin auf der Bühne und hat von ihren Erfahrungen berichtet und danach kam der Koch auf die Bühne, der die Astronauten-Nahrung hergestellt hat. Das war eine super-geile Veranstaltung, die mich inspiriert hat. Dann habe ich mich informiert, wie das abläuft und wo ich mich bewerben muss, um selbst eine TEDx zu machen.  Ich habe dann eine erste E-Mail nach New York geschickt, wo TEDx sein Headquarter hat. Keine Antwort. Auch auf die zweite nicht. Ich habe gemerkt, so funktioniert das nicht und habe es über Kontakte versucht, was dann langsam Früchte trug, aber auch nochmal ein halbes Jahr gedauert hat.

 

 

Und jetzt hat es geklappt!

Oliver: Ja, aber sie haben gesagt: „Ok, du darfst aber nicht sofort ein großes Event organisieren, sondern fängst erst mal klein an!“ Es gibt die Studentenlizenz bis 100 Teilnehmer und die große Lizenz mit 500 und mehr Teilnehmern. Für letztere muss man selbst schon einmal an einer globalen TED-Konferenz teilgenommen haben. Das ist dann auch die Art und Weise, wie sie Geld verdienen. Zum einen musst du Videos hochladen auf TED.com. Zum anderen musst du die Teilnahme an der TED-Konferenz mit rund 7.000 Euro bezahlen.

Und damit kann man Geld verdienen?

Oliver: Nein, mit TED kann man kein Geld verdienen. Hier geht es um die Sache.

 


Interview: Paul Heesch / LA.MAG Content. Corporate. Communication.

Fotos: Sebastian Weindel

ku.bus

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