Cloudrail

Der Reiseadapter für die digitale Zukunft

Der digitale Wandel ist überall. Das „Internet der Dinge“ besteht aus Kühlschränken, Handys, PCs, der Cloud und den Leitungen dazwischen. Zwischen all diesen Instanzen gibt es Schnittstellen, die gekoppelt sein müssen. Damit das klappt, haben Felix Kollmar und David Mann in Mannheim das Unternehmen Licobo gegründet und die Software-Lösung “CloudRail“ entwickelt – für maximale Datensicherheit und funktionierende Schnittstellen. Wir haben Felix im Technologiezentrum MAFINEX getroffen, um zu erfahren, was „CloudRail“ einzigartig macht.

 

CloudRail – eine Eisenbahn zwischen den Wolken?

Ja, so ungefähr – wir verbinden die Wolken miteinander! Unser Ziel ist es, Dinge kompatibel zu machen. Vor allem Cloudsysteme, Apps und Software oder smarte Geräte. Es gibt heute sehr viele Insellösungen und unser Ziel ist es, alle Inseln miteinander zu vernetzen. Wir bewegen uns damit im „Internet der Dinge“ und liefern dazu eine Technologie-Komponente – aktuell vor allem für cloudbasierte Lösungen.

 

Das heißt, Ihr tragt dazu bei, dass mein PC beispielsweise mit einem Cloud-Anbieter wie Dropbox kommunizieren kann?

Ja, genau. Wir kümmern uns jedoch nicht um Endkunden, sondern um Softwareentwickler, die eine Smartphone-App oder eine Cloudlösung aufsetzen. Wir machen diese Software dann kompatibel mit anderen Programmen wie zum Beispiel Dropbox. Heutzutage werden immer Systeme eingebunden, sei das ein Cloud-Storage oder Soziale Netzwerke. Jede Software hat viele Verbindungen nach außen – und da setzen wir an.

Wenn ich mir eine App baue und einen Facebook-Button integriere, dann könnte dieser Button von Euch sein?

Könnte durchaus sein, denn wir sind sehr stark auf Android und iOS unterwegs. Unser Fokus ist zwar Cloud Storage mit Anbietern wie Dropbox oder Google-Drive, aber ein zweiter großer Bereich sind tatsächlich die Social-Log-In-Buttons, die kommen oft von uns. Aber auch andere Bereiche wie Payment oder Point-of-Interest decken wir ab. Die populärsten Integrationen sind unser Zielmarkt.

Damit das Internet der Dinge funktioniert braucht es sogenannte APIs – also Application Programming Interfaces. Kannst Du uns in zwei Sätzen erklären, was das genau ist?

APIs sind die Schnittstellen. Viele Unternehmen versuchen, ihre Systeme zu öffnen, um externen Partnern zu erlauben an ihre Lösungen anzudocken. Wenn zum Beispiel eine App mit Dropbox „sprechen“ soll, geschieht das über die Dropbox API.

Wenn ich mir das mal physisch vorstelle: wäre ein API so etwas wie ein digitaler Dolmetscher, der beide Unternehmen kennt, beide Strukturen kennt und übersetzt, weil unterschiedliche Sprachen gesprochen werden?

Jain … sagen wir, ich bin Dropbox und möchte mein System über eine Schnittstelle öffnen. Dann baue ich eine Schnittstelle, die für mich gut funktioniert. Danach kommt Microsoft mit OneDrive und baut sich auch eine Schnittstelle, dann kommt GoogleDrive und baut noch eine Schnittstelle. Dann gibt es schon mal drei verschiedene Schnittstellen, die unterschiedliche Sprachen sprechen und unterschiedlich zu benutzen sind. Das ist das ganz, ganz große Problem! Wenn ich eine App baue, weiß ich nicht, welcher Cloud-Storage mein Endkunde benutzen will, also muss ich alle anbinden und alle kompatibel machen. Das heißt jedes Mal eine eigene Anbindung programmieren.

 

Ein großer Aufwand!?

Ja, eine einzelne Integration für jeden Dienst. Wir setzen genau hier an und bieten mit unserem Produkt „CloudRail“ eine universale Schnittstelle an.

Einen Universaladapter wie beim Strom?

Genau. Der digitale, universale Reiseadapter, der für alles funktioniert.

Profitiert Ihr von den ständigen technologischen Veränderungen?

Ja, die Schnittstellen ändern sich immer wieder und mit CloudRail nehmen wir die erneute adaptive Arbeit den Softwareentwicklern ab. Sobald CloudRail integriert ist, muss sich der Entwickler keine Gedanken mehr über die Integration machen.

 

Zahlen Eure Kunden für die einzelne Nutzung oder wie ist da Euer Geschäftsmodell?

Wir haben ein großes kostenloses Angebot: man kann CloudRail komplett kostenfrei benutzen, es ist dann nur gebrandet, also CloudRail ist als Logo sichtbar. Danach haben wir dann Premium-Pakete, die pro Monat und pro App abgerechnet werden. Da gibt es drei unterschiedliche Pakete mit unterschiedlichen Features wie etwa API-Statistiken oder API-Change-Management.

Je erfolgreicher die Apps Eurer Kunden sind – desto mehr Umsatz für Euch?

Nein, das ist immer der gleiche Preis. Wir haben ein relativ niedriges Pricing, es gibt das Gratisangebot und danach startet man bei 19 Euro pro Monat. Wir sind klar auf den Massenmarkt ausgelegt, denn wir wollen die Art, wie APIs konsumiert und integriert werden, revolutionieren. Wir richten uns klar an die populärsten Services und nicht an kleine Spezial-Anbieter. Wir wollen einen Standard setzten, wie Entwickler mit APIs umgehen.

 

Was genau ist daran revolutionär?

Dass wir den Adapter gebaut haben! Wir haben ein dreigliedriges System. Zunächst muss ein Provider wie Stripe oder Paypal gefunden werden, der zum Beispiel eine Kredtikartenzahlung abwickeln will. Diesen kann man über unsere Plattform finden und – zweiter Schritt – super einfach über unsere abstrahierten Interfaces integrieren. Der dritte Schritt ist dann die Wartung. Man schätzt, dass pro Integration eine Arbeitswoche pro Jahr für die Wartung drauf geht. Das sparen die Entwickler mit uns ein, weil wir die Schnittstelle immer aktuell halten. Dropbox hat zum Beispiel gerade die zweite Version ihrer Schnittstelle veröffentlicht, was einen großen Programmieraufwand für alle Entwickler bedeutete, die eine Software mit Dropbox-Anbindung haben. Die Entwickler hingegen, die CloudRail nutzen, müssen gar nichts machen.

Und das gab es vorher noch nicht? Kaum zu glauben!

Es gab hier und da mal Ansätze, vor allem für den Enterprise-Markt.  Auf dem Massenmarkt hat das aber nicht wirklich funktioniert. Wir haben den Mittelsmann rausgenommen und übertragen die Daten Peer-to-Peer, also zum Beispiel zwischen Dropbox und der Handy-App. Dadurch fallen bei uns quasi keine Infrastrukturkosten an. Damit können wir das günstige Pricing darstellen. Vorteile wie Datenschutz und Ausfallssicherheit kommen noch dazu.

Euer Unternehmen Licobo GmbH habt Ihr bereits 2012 gegründet – CloudRail kam aber erst später 2014 ins Portfolio?  

Das ist eine komplizierte Geschichte… Unsere GmbH Licobo sollte zunächst ein smartes Adressbuch verkaufen. Das Projekt haben wir aber irgendwann aufgegeben. Im Endeffekt haben wir mit CloudRail eine zweite Firma gegründet, aber das alte Firmenkonstrukt, die GmbH übernommen. Nach außen treten wir heute nur noch als CloudRail auf.

Gegründet habt Ihr als Duo – Du mit Deinem Partner David Amann. Wie ist die Rollenverteilung und wie viele Mitarbeiter habt Ihr heute?

Endeffekt war David immer der Techi von uns, der kreative Nerd. Ich habe Nachrichtentechnik studiert, kenne mich also eher mit der Hardware aus. Ich habe mich dann eingearbeitet, verstehe die Welt, in der wir uns bewegen, aber ich code nicht mehr selbst.  Ich mache heute das Produktmanagement – meine Schnittstelle zur Technik – und kümmere mich um Marketing, Sales und den ganzen andern Kram. David hat dann das operative Geschäft verlassen und heute sind wir zu fünft, plus zwei aktive Business Angels. Aktuell bauen wir gerade eine Division in Indien auf. Den ersten Mitarbeiter haben wir schon eingestellt.

Wie eröffnet man eine Zweigstelle in Indien? Hinfliegen und recherchieren?

Nein, das geht alles remote. Einer unser Business Angel ist ein mittelständisches Unternehmen, das in Indien 35 Leute sitzen hat. Die haben ein Büro, in das wir Leute integrieren können. Für uns eine sehr günstige Variante eine Workforce aufzubauen.

 

Mit Eurem Know-How könntet Ihr auch entspannte 9-to-5-Jobs als Angestellte haben – warum habt Ihr Euch mit einem Startup lieber selbstständig gemacht? 

Die Idee hat uns gereizt. Ich war schon in ein paar Firmen involviert und hatte eine Mini-Gründung hinter mir. Und nach dem Studium hatten wir nichts zu verlieren und wollten sehen, wie weit wir kommen. Ganz klassisch.

Warum seid Ihr 2012 ins Mannheimer Technologiezentrum MAFINEX gezogen?

Wir sind zuerst in einen der Seed-Räume für Gründer gezogen und dann schon kurz darauf in ein eigenes Büro. Das hat uns schon sehr geholfen, das macht den Auftritt gleich offizieller! Wir kamen auf ein anderes Level und haben einen Praktikanten einstellen können, das hat uns extrem geholfen. An der Hochschule fehlten damals noch die Strukturen für Gründungsförderung, was sich aber wohl auch verbessert hat. Gut war dagegen die Beratung durch die Mannheimer Wirtschaftsförderung.

Wie gut ist Mannheims Startup-Ecosystem?

Die Gründerzentren, die Mannheim hat, sind natürlich genial! Das gibt es in keiner anderen Stadt! Die Startup-Community wird immer besser, die Sichtbarkeit nach außen genauso. Das war 2012 noch ein echtes Problem. Zu verbessern wäre der Zugang zu Kapital. Das ist aber überall ein Problem. Und wenn man sich als Startup in seiner Nische weiterentwickelt, könnten man noch spezifischere Beratungsangebote gebrauchen, zum Beispiel Mentoren, die sich im Thema gut auskennen. Ein Accelerator wäre was, aber das gibt es hier bisher noch zu selten.

 

Also ist konkrete Wissensvermittlung und Förderung durch Mentoren für Tech-Startups essentiell?

Auf jeden Fall. Es ist super, in der frühen Gründungsphase jemanden zu haben, der Druck macht, der auf die Fallstricke hinweist! Klar, Du kannst dir Hilfe holen, aber das ist immer eine Hürde. Den Mentor triffst du zwei Mal pro Woche, er ist im Thema drin, hält dich auf Kurs und kann dich auf die Dinge hinweisen, die du nicht auf dem Schirm hast und über die du sonst stolperst.

 


Interview: Paul Heesch

Fotos: Ricardo Wiesinger

www.cloudrail.com

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