Coworking im BauteilB

Paul Heesch über Mannheims neuen Coworking-Space BauteilB

Neu im Gründungszentrum Mafinex: ein Coworking-Space für Freelancer und Startups mit Tech-Bezug. BauteilB-Macher Paul Heesch über eine Einladung zu leben, zu arbeiten, zur Inspiration und Vernetzung.

 

Paul, wusstest Du vor fünf Jahren, was Coworking ist?

Kaum! Das war die Zeit, als ich zum ersten Mal von Coworking gehört habe. In Berlin waren gerade die ersten Spaces für „digitale Nomaden“ entstanden. Meine Vorstellung davon war damals, dass ich mit dem Laptop nach Berlin fahre, tagsüber gemütlich im Coworking-Café arbeite, nachts ins Berghain gehe und dann wieder nach Hause jette.

Und was bedeutet Coworking heute für Dich?

Coworking bedeutet nicht nur, dass Menschen gleichzeitig in einem Raum zusammenarbeiten, sondern dass eine Gemeinschaft entsteht: eine Community, die gemeinsame Werte teilt: Coworker wollen so gemeinsam arbeiten, dass letztlich alle davon profitieren. In einem wirklich guten Coworking-Space wird aus „zusammen arbeiten“ dann „zusammenarbeiten“.

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Du hast als Mitgründer der Breidenbach Studios schon mehrere Coworking-Spaces aufgebaut, und in das neue BauteilB ist Deine ganze Erfahrung eingeflossen. Was macht dieses Coworking besonders?

Beim Aufbau der Breidenbach Studios in einer Heidelberger Industriebaracke habe ich gelernt, dass Coworking mehr braucht, als WLAN und Schreibtische – im Winter zum Beispiel eine gute Heizung! Im Ernst: aus eigenem Erleben erfährt man, auf was es ankommt. Wichtig ist für Freelancer und Gründer mit kleinem Budget eine gut funktionierende Infrastruktur samt Kaffeemaschine und Putzdienst – so kann man sich auf die eigene Arbeit konzentrieren. Das Besondere ist, dass hier nicht nur technisch alles funktioniert, sondern die Arbeitsumgebung individuell und angenehm ist – und das war im ansonsten sachlich gestalteten Gründungszentrum Mafinex auch die Herausforderung. Und was mir persönlich am wichtigsten ist: der Spirit, der Coworking seine transformative Kraft gibt.

 

Ist es ein Klischee, dass IT-Startups sich eher wenig für Design und gute Gestaltung interessieren?

Ja, ich denke das ist ein Klischee. Spätestens mit „Big bang theory“ ist Nerd-tum ja auch hip und Popkultur geworden. Die Reaktionen sind jedenfalls durchweg positiv – alle finden die Räume sehr schön und überlegen, ob sie bei uns einziehen oder nicht mal ihr Büro umgestalten sollten.

Du hattest freie Hand bei der Gestaltung. Wie würdest Du das Ambiente beschreiben?

Das Ziel war ein moderner, klarer, aber gemütlicher Style. Hier im Mafinex stellt man immer wieder fest, dass die Bürotüren der Firmen immer offen sind – niemand will allein und abgeschirmt arbeiten. Deshalb haben wir die Wände herausgenommen und die Räume geöffnet. Alles wurde in satten Farbtönen gestrichen und ich habe viel Zeit auf Ebay-Kleinanzeigen verbracht, bis ich zum Beispiel wunderbar erhaltene Stilmöbel aus der Sonntagsstube eines Bauernhofs für unser „Wohnzimmer“ gefunden habe. Das ergibt spannende Kontraste zu den selbst gebauten Schreibtischen, die wir mit ergonomisch geformten Stühlen kombiniert haben.

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Mit Robert Reiz von Versioneye ist bereits der erste Coworker eingezogen und es gibt zahlreiche Interessenten. Welche Vorteile bietet Coworking für Gründer?

Coworking bedeutet bei uns: Arbeiten fühlt sich nicht wie Arbeiten, sondern wie Leben an. Was nicht bedeutet, dass hier nicht hart gearbeitet wird. Niemand glaubt, dass man hier reinkommt, Café Latte trinkt und alles passiert von selbst. Früher war es einfach wichtig, einen Job zu haben – ob das Umfeld inspirierend war, war den Leuten eher egal. Heute geht es darum, eine sinnhafte Tätigkeit auszuüben, in einem möglichst guten Umfeld und mit inspirierenden Menschen. Die Leute kommen bewusst hierher, weil sie hier besser arbeiten können als zuhause. Weil sie in der eigenen Wohnung unkonzentriert sind und kein Austausch möglich ist. Die Kommunikation ist offen und transparent und so bildet sich schnell eine Community. Coworking kompensiert etwa bei Freelancern auch den Mangel an Eingebundenheit in ein Team.

 

Du hast im C-HUB bereits ein anderes erfolgreiches Coworking aufgebaut. Wird die Nachfrage in Mannheim ständig größer?

Ja, das denke ich! Wenn ich in meine Kristallkugel schaue, sehe ich, das Coworking weltweit immer größer wird… In Coworking Spaces wird die Netzkultur das erste Mal physisch. Das ist etwas ganz Besonderes und das werden immer mehr Menschen erkennen!

Welche Coworking-Modelle werden im BauteilB angeboten?

Wir bieten Arbeitsplätze für 33 Personen. Die Mindestmietdauer ist ein Tag, man kann sich aber auch dauerhaft einmieten. Man kann als Coworker ohne lange Vertragsbindung einfach mal sein Geschäftsmodell testen. Und wir bringen hier Leute zusammen, indem wir Starter mit Investoren vernetzen. Wenn wir sehen, dass eine gute Idee am Start ist, stellen wir Kontakte her. Unser Ziel ist es immer für jeden Coworker ein passendes Angebot zu bieten, um Potenziale freizusetzen. ist Übrigens IST auch die Umgebung schön: Der Stadtteil Mannheim-Lindenhof liegt direkt am Rheinufer und ist sehr zentral. Nur ein paar Minuten vom Hauptbahnhof und der Innenstadt entfernt.

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Wird das BauteilB noch erweitert werden?

Wir werden das Angebot im Mafinex noch weiter ausbauen, unter anderem mit einer Lounge, mit Urban Gardening und wir werden mit Foodtrucks für ein spannendes Gastroangebot sorgen. Das Mafinex wird so eine eigene kleine Gründer-City mit fast 500 Menschen, die hier ihre Unternehmen entwickeln.

Wie erlebst Du die Entwicklung der Mannheimer Startup-Szene?

Sie ist sehr dynamisch. In Mannheim hat man schon sehr viel Erfahrung mit Startup-Förderung und als Gründer muss man hier nicht um Aufmerksamkeit kämpfen, sondern wird sehr gut beraten und vernetzt. Mannheim ist einfach offen für Leute mit guten Ideen. Das empfinde ich als sehr angenehm und bin auch deswegen mittlerweile selbst Wahl-Mannheimer.


Mehr Infos zu BauteilB und Mafinex gibt es hier:
www.bauteilb.de
www.mafinex.de

Interview: Ralf Laubscher / LA.MAG
Fotos: Daniel Lukac

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