Food-to-Market-Hack

Ein Hackerthon der anderen Art

Im März startet im Kreativwirtschaftszentrum C-HUB der „Food-to-Market-Hack“. Organisiert wird das Event von Startup Mannheim im Auftrag vom Eppelheimer Unternehmen WILD Flavors & Specialty Ingredients, das zum Lebensmittelkonzern ADM gehört. Wir sprachen mit den drei Organisatoren Attif Gharbi, Maria Uhlmann und Jonas Neidinger über den Hackerthon und die Chancen für Lebensmittel-Startups.

 

Ein Lebensmittel-Hackerthon? Treffen sich da 50 junge Leute in der Großküche?

Attif Gharbi: Das Event dreht sich nicht um das Kochen, sondern verfolgt einen Go-to-market-Ansatz. Wir suchen nach Gründern mit neuen Ideen, die innovative Produkte vermarkten wollen. Wie positioniere ich das Produkt? Wie muss ich die Zielgruppe ansprechen? Wie muss man das Produkt anpreisen? Pack ich das Produkt zu „Hello Fresh“ mit in die Box? Oder gehe ich zu Lidl oder Nestlé?

Jonas Neidinger: Deshalb heißt das Event auch Food-to-market-Hack. Hack kommt von Hackerthon, also einer Veranstaltung, bei der an einem Wochenende Prototypen programmiert werden. Wir programmieren allerdings nicht, sondern überlegen uns Marketing-Konzepte.

 

Die Organisatoren: Jonas Neidinger, Attif Gharbi und Maria Uhlmann

 

Wie läuft das dann genau ab?

Attif Gharbi: Wir haben innovative Produkte, die alle market-ready sind. Wir suchen Leute, die Lust haben, diese Produkte an den Markt zu bringen und das dann auch mit Feuer und Flamme versuchen und nicht nur beim Event mitmachen und nur das Preisgeld von 4000 Euro mitnehmen. Wir wenden uns an Leute, denen vielleicht ein Produkt fehlt oder die den großen Aufwand scheuen, ein Produkt selbst zur Marktreife zu entwickeln. Gerne können die Teilnehmer Gründungserfahrung haben. Für jemanden die/ der sich selbstständig machen will, ist das ein super Paket.

Jonas Neidinger: Wir werden die Ideen und Produkte vorher nicht veröffentlichen. Erst auf dem Hackerthon erfahren die Teams, um welche Produkte es geht. Es gibt voraussichtlich drei Produkte, unter denen die Teams auswählen können. Die Produkte werden von unseren Experten vorgestellt, um sich für einen Favoriten entscheiden zu können. Begeisterung für das Produkt ist ein starker Treiber und auch Erfolgsfaktor für Startups. Wir suchen Gründer, die von einer Sache wirklich überzeugt sind, deshalb ist es wichtig, dass sie hinter ihrer Entscheidung stehen.

Maria Uhlmann: Wir lassen die Teams auch selbst entscheiden, weil wir nicht unsere Denkmuster übertragen wollen. Wir suchen ja gerade den frischen Blick der Leute, die andere Vermarktungskonzepte im Kopf haben – Store-in-store-Konzepte oder ganz andere Ideen. Bis ein Produkt beim Handel im Regal steht, muss es im Mainstream angekommen sein und es braucht zwei Jahre, bis ein Produkt dort platziert wird. Startups haben ja eine ganz andere Dynamik – bei großen Lebensmittelherstellern kann die Einführung eines neuen Produktes Jahre dauern. Nun wollen wir Leute finden, die es einfach machen.

 

 

Und wo wird gefoodhackt?

Maria Uhlmann: Zwei Tage lang im Gründungszentrum C-HUB im Mannheimer Jungbusch. Im Anschluss wollen wir in Kooperation mit Startup Mannheim direkt Gründungen vorantreiben. Auf ihrem Weg zum Kunden werden wir die Startups voll unterstützen.

… und auch auf dem Weg zu Investoren?

Jonas Neidinger: Gegebenenfalls auch das, ja! Oder wir stellen eine Erstproduktion bereit oder ähnliches. Aber wir verteilen keine Freifahrtscheine. Wir schauen uns die Konzepte sehr genau an. Die Finanzierung ist dann aber eigentlich nicht mehr so ein riesiges Problem, weil bei unseren Lebensmittelinnovationen die kostspieligen Entwicklungsarbeiten und Tests bereits erledigt sind. Es geht uns auch nicht darum, eine Investition zu leisten, um ein paar Jahre später mit einer Rendite wieder auszusteigen, sondern wir wollen wirklich nachhaltig ein Produkt aufbauen. Büroinfrastruktur, Beratung, Arbeitsplätze und so weiter bringt dann unser Partner Startup Mannheim ein.

Welche Zielgruppe hat der Food-Hackerthon im Fokus?

Maria Uhlmann: Alle, die sich berufen fühlen: Designer, Marketingexperten, junge Menschen mit guten Ideen. Wer Lust und Ideen hat, kann sich bewerben! Am Ende des Workshops kann zum Beispiel auch ein Design stehen oder ein ganz neuer Vertriebskanal.

Welche Chancen und welche Perspektiven gibt es für Startups im Foodbereich?

Jonas Neidinger: In Europa ist der Markt bei Getränken sehr gesättigt. Die Produktpalette stagniert. Aber Kelloggs hat zum Beispiel in den USA gerade für 600 Millionen Dollar ein Startup aufgekauft, die im Grunde nur ein Produkt herstellen: Protein-Riegel. Die haben in der Garage angefangen, sind mit ihrem Produkt von Store zu Fitnessstudio gelaufen und haben es angeboten. Die Verpackung hatten sie mit PowerPoint designt, aber das Produkt kam gut an und hatte einen Wahnsinnserfolg. Eine Wachstumsstrategie von großen Konzernen ist, dass andere Produktinnovationen auf den Markt bringen und die Konzerne die erfolgreichen Konzepte in ihr Portfolio aufnehmen.

 

 

Wie viele Produkte setzen sich dauerhaft am Markt durch?

Attif Gharbi: Die Quote ist schon sehr gering, deshalb braucht es ja innovative Marketing-Ideen. Wir haben selbst einen sehr großen Innovationsmotor. Das ist bei uns wie in der Mode: da hast Du zum Beispiel Jeans und T-Shirts, das sind quasi der O-Saft und die Cola, die werden auch in 20 Jahren noch da sein und konsumiert werden. Und dann hast du hippe Produkte, die nur eine Saison halten, beispielsweise Energy Drinks mit einem ganz speziellen Geschmack.

Jonas Neidinger: … Curry Wurst Energy zum Beispiel…

Tatsächlich!?

Jonas Neidinger: Ja, es gibt echt immer wieder Konzepte, die cool sind, bei denen unsere Kunden aber sagen: Das passt nicht zu uns! So sind wir dann auf Startup Mannheim gekommen. Also sprechen wir jetzt mit Leuten, die Bock haben, zu gründen. Neben guten Produktkonzepten bieten wir die technischen Voraussetzungen, Kontakte sowie Knowhow, was Lebensmittelrecht betrifft: Was darf ich auf mein Label draufschreiben? Und was muss ich draufschreiben? Das ist weder trivial, noch auf die leichte Schulter zu nehmen! Diesen Support können wir Startups beim Launchen ihres Produktes bieten.

 

 

Und wenn ein Startup ein Produkt erfolgreich vermarktet – wie sind das die Verwertungsrechte geregelt?

Attif Gharbi: Es kommt immer auf den Einzelfall an, aber ganz allgemein gesprochen verhält es sich so: Wir haben zum Beispiel die Rezeptur für ein Getränk entwickelt, dann liegt das geistige Eigentum als Urheberrecht für das Konzept bei uns. Das Startup bringt ein Produkt auf den Markt, kreiert den Produktnamen und das gesamte Vermarktungskonzept. Das Recht zur Verwertung dieser Marke liegt komplett beim Startup.


Interview: Paul Heesch / LA.MAG

Fotos: Julian Beekmann

www.wildflavors.com

www.food2market.io

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