Der Soundtrack Deines Lebens

Groovecat - das Mannheimer Startup mit der App für große Musikmomente

Aus der Popakademie heraus haben drei junge Mannheimer das Startup elceedee UG gegründet und mit Groovecat eine App für große Musikmomente entwickelt. User können ihre Videos mit gestreamter Musik unterlegen und den „Soundtrack ihres Lebens“ kreieren.  Ein cleveres Konzept, das bereits den Music WorX Pitch gewonnen hat und in das der Beteiligungsfonds Wirtschaftsförderung Mannheim GmbH und Business Angel Dr. Andrea Kranzer nun einen sechstelligen Betrag investieren. Wir trafen einen der drei Gründer und CTO Joshua Weikert und Entwickler Laurin Quast zum Interview.

 

Leute, bitte erklärt mal: wie funktioniert Groovecat?

Mit Groovecat kannst du Deine Musikmomente einfangen und mit Deinen Freunden auf unserer Plattform teilen – also wann immer die Musik die du gerade hörst, perfekt zu deiner Stimmung und Umgebung passt. Wir sind sozusagen ein alternatives soziales Netzwerk für Musikliebhaber und –entdecker, Musikerinnen und Musiker, eine Mischung aus Snapchat, Spotify und Shazam mit der du den Soundtrack deines Lebens festhalten kannst. Außerdem geht es bei Groovecat  weniger um die Person selber, wie man es aus Social Media eigentlich gewohnt ist, sondern mehr um das was man sieht, was man dabei hört und vor allem, wie man sich dabei fühlt.

 

Entwickler Laurin Quast mit CTO Joshua Weikert.

 

Wie geht das genau?

Stell‘ Dir vor, Du hörst gerade mit Deinem Smartphone Musik, zum Beispiel über Spotify oder Apple-Music. Du sitzt in der Bahn und schaust aus dem Fenster und der Song, der gerade läuft, passt einfach perfekt zum Augenblick: draußen ist es vielleicht regnerisch oder die Sonne scheint …

… und die Bahn ist pünktlich…

… genau – und Du fühlst dich superhappy. Dann kannst Du Dein Handy rausnehmen, unsere App starten und den Moment einfangen. Die App erkennt den Song der gerade in Deinem Streaming-Dienst (oder deiner Umgebung) läuft und verknüpft ihn automatisch mit dem Video, das Du gerade aufnimmst. Dieses Gefühl und das daraus entstehende audiovisuelle Paket nennen wir Musikmoment.

 

 

Wie funktioniert das genau?

Wir speichern oder vervielfältigen nichts. Wir identifizieren den Song, der gerade gespielt wird und speichern die Info zusammen mit dem Video, um ihn dann als Musikmoment teilen zu können. Der User hat außerdem die Möglichkeit, eine Stimmung damit zu verknüpfen: euphoric, sad, happy oder so.

Wie verdient Ihr damit Geld?

Jeder Musikmoment ist ein Daten-Set, das wir B2B-Kunden zur Verfügung stellen können. Wir verdienen nicht am User, sondern an den anonymisierten Daten und es gibt keinen Rückschluss auf den einzelnen User. Wir können aber sagen: Menschen, die diesen Song hören, fühlen sich damit meistens happy. Das bieten wir dann beispielsweise Agenturen an, die sich mit Audiobranding befassen und auf der Suche nach einem passenden Musikstück für eine Werbesituation sind. Dieser Use-Case lässt sich natürlich auch auf weitere Bereiche wie Film oder Games anwenden.

Und was macht die Agentur mit der Info?

Sie können emotionale Schlüsselwörter in unsere B2B-Suchmaschine eingeben und erhalten dann als Ergebnis einige dazu passende Musikstücke. Zum Beispiel suchen sie für einen Videoclip nach Musik, die Menschen mit Alleinsein und Glück verbinden und bekommen dann von uns eine sehr valide Information darüber, welche Musikstücke dazu passen. Die Ergebnisse können sie dann zum Beispiel für ihr Audiobranding nutzen. Das ist ein Prozess, der im Moment noch analog und dadurch sehr langwierig und kostenintensiv ist. Wir erzeugen den Mehrwert, dass wir diesen Prozess und die Menschen dahinter durch eine explorative, digitale und datenbasierte Suchmaschine unterstützen.

Ihr baut dafür eine künstliche Intelligenz auf?

Könnte man so sagen, wir versuchen aber erst einmal Algorithmen aufzustellen, die ohne künstliche Intelligenz wertvolle Aussagen treffen können. Im Endeffekt wird es aber schon darauf hinauslaufen. Wir wollen nämlich über Machine Learning so weit kommen, dass wir auch dort Aussagen und Vorhersagen treffen können, wo noch gar keine Daten vorliegen: Dieser Song wird höchstwahrscheinlich euphorische Gefühle auslösen! In Zukunft wollen wir dann Musik auf Muster untersuchen, auf bestimmte Akkorde etwa, so weit sind wir aber noch nicht.

 

 

Wie viele App-Nutzer benötigt ihr, um valide Daten zu erhalten?

Schwierige Frage! Das kann ich adhoc gar nicht beantworten. Es geht eher darum, wie viele Musikmomente wir brauchen. Unser eigenes Zwischenziel sind 10.000 Musikmomente, wir gehen davon aus, damit valide Aussagen treffen zu können.

Von Eurer Idee sind jetzt auch andere überzeugt: Ende April sind der Beteiligungsfonds Wirtschaftsförderung Mannheim GmbH und Business Angel Frau Dr. Andrea Kranzer mit einem sechsstelligen Betrag bei euch eingestiegen. Dann kann es jetzt ja richtig losgehen, oder?

Das ist auf jeden Fall unsere erste richtige, solide Finanzierung, wir sind echt dankbar dafür! Es war nicht selbstverständlich, dass ein so komplexes Thema wie unseres überzeugen würde! Aber im Endeffekt passt es einfach super zu Mannheim, einer Musikstadt mit der Popakademie, dem Maifeld Derby, der Feuerwache, dem Jetztmusik Festival und vielem mehr, den ganzen kleinen wie großen Sachen die hier passieren. Wir hatten mit unserer Business Angel Dr. Andrea Kranzer und Eligiusz Skwara von „Concept 2 Capital“ auch echt gute Berater, die uns geholfen haben. Ohne die beiden hätten wir das nicht geschafft.

Wie lief das ganze ab?

Wenn ein Platz im Fonds frei wird, dann wird ein Wettbewerb ausgerufen, man kann sich bewerben und pitchen. Wir haben da gewonnen und den ersten Verhandlungsslot bekommen. Nach erfolgreichen Verhandlungen hatten wir schließlich einen Deal und haben unsere Investorinnen und Investoren an unserem Unternehmen beteiligt.

 

 

Was macht Ihr mit dem Geld?

Vor allem die Personal- und Entwicklungskosten bis 2019 tragen und die App auf den Markt bringen. Und wir sind schon auf der Suche nach einer Anschlussförderung, damit wir Anfang 2019 noch mehr Gas geben können! Als erstes wollen wir jetzt die Android-Entwicklung vorantreiben.

Noch kann man Eure App nicht runterladen, oder?

Doch! Wir sind seit letzter Woche mit unserer ‚Closed Beta’ im App Store.

Im Moment aber nur fürs iPhone?

Ja, uns gibt es im Moment nur für iOS, Google kommt dann in ein, zwei Monaten. Wir entwickeln mit einer relativ neuen Technologie, die für beides ausliefern kann, aber wir haben im Moment relativ knappe Ressourcen, was die Android-Entwicklung angeht. Deswegen suchen wir auch gerade noch weitere Android-Entwickler.

Ihr wollt jetzt erst einmal mit 500 Nutzern anfangen?

Wir fangen mit einer kleineren Zahl an Nutzern an, mit denen wir den Market-Fit erreichen wollen. Lieber mit einer kleinen Gruppe starten, ein richtig gutes Produkt herstellen, das die Leute gut verwenden können, anstatt ein Produkt auf den Markt zu werfen und sofort zu skalieren obwohl das Produkt eigentlich noch nicht bereit dafür ist; weil es keinen Mehrwert liefert und das Ganze nur ein Strohfeuer bleibt. Und es ist spannend zu sehen wie sich unsere bisherige Community über Musik vernetzt. Letztens erst hat mir eine Freundin erzählt, dass sie von einer anderen Groovecat-Nutzerin erkannt wurde und diese zu ihr gesagt hat: Hey, ich kenne dich doch von Groovecat, ich feier deine Musik! Das hat sie und uns natürlich gefreut.

 

 

Arbeitet ihr schon mit Spotify als Partner zusammen?

Nein, wir benutzen im Moment deren ganz normale Entwickler-Schnittstelle. Apple-Music wird dann auch bald dazukommen.

Stimmt es, das die Idee zu Groovecat an der Popakademie in Mannheim entstanden ist?

Ja, wir sind Absolventen der Popakademie im Master-Studiengang „Music and Creative Industries“. Da haben wir uns kennen gelernt und die Idee für Groovecat ist dort in der Projektwerkstatt entstanden.

Nicht in einer Jungbusch-Kneipe?

Vorgelagert schon… Aber als die Idee konkreter wurde, sind wir damit in die Projektwerkstatt gegangen, dort können Studenten ein Projekt einreichen. Damals war der Fokus noch anders: Wer hört was, wann und wo? Nach der Projektwerkstatt haben wir beim Wettbewerb BW goes Mobile 10.000 Euro gewonnen und mit dem Geld haben wir dann gegründet – aufhören konnten wir dann ja schlecht mehr! Danach war im Studium nämlich vorgesehen, dass man ein Praktikum macht. Unsere Kommilitonen gingen zu Sony, Universal und Co. Wir haben uns gesagt, wir machen ein Praktikum bei uns selbst, wir gründen mit den 10.000 Euro und stellen uns quasi als Praktikanten ein.

Inzwischen seid Ihr zu viert, Laurin Quast ist neu in eurem Team.

Ja, wir standen immer vor dem Problem, dass wir im Team keinen Entwickler hatten. Uns fehlte jemand, der das Projekt versteht und voll Bock drauf hat. Wir waren schon sehr erfolgreich, waren beim Hamburger Music Worx-Accelerator und haben einige Preise gewonnen. Das aber immer mit sehr einfachen Prototypen, weil wir nie die Kapazität hatten, etwas Besseres herzustellen. Das Problem war, dass wir einen Entwickler brauchten, um ein Produkt zu machen, aber ein Produkt brauchten, um genug Geld für einen Entwickler zu haben – eine Zwickmühle. Bis wir auf verschlungenen Wegen Laurin trafen und feststellten, das ist genau der coole Dude, der uns gefehlt hat! Jetzt lassen wir ihn nicht mehr los (lacht)…

 

 

Mittlerweile sind Markus und Jakob in Berlin und Ihr beide hier in Mannheim. Warum?

In Berlin sitzen die großen Labels, Soundcloud und viele andere Musikfirmen, die Szene ist dort größer und wir können das Netzwerk dort nutzen, um uns bekannt zu machen. Außerdem haben wir die Möglichkeit bekommen, mit anderen Music-Startups bei Axel Springer im „The Venue Berlin“ zu sitzen, dem neuen Music-Tech Space für Innovationen an der Schnittstelle von Musik, Technologie und Journalismus. Das dezentrale Arbeiten funktioniert auch ganz gut, die Herausforderung ist da natürlich die Kommunikation. Mannheim war, ist und bleibt aber unser Unternehmenssitz und die Heimat von Groovecat. Wir haben hier sehr gute Voraussetzungen, außerdem bin ich hier geboren und finde es cool! Berlin hat das Problem, dass es so unverbindlich ist und selten konkret wird, außerdem ist man einer von vielen. In Mannheim kennt man alle Akteure persönlich und kann sie jederzeit ansprechen, insbesondere Sonja Wilkens von der Wirtschaftsförderung der Stadt Mannheim ist von Anfang an eine riesengroße Hilfe für uns gewesen, bis heute. Mannheim ist klein und groß genug.

Jetzt geht es in die Betaphase?

Genau. Die jetzige Version muss noch ein bisschen aufpoliert werden. Analysetools und Co. müssen noch eingebunden, das Interface und die UX optimiert werden. Wir sind im Moment noch nicht für alle User, sondern nur mit einem Einladungscode zugänglich. Man kann uns aber eine E-Mail schreiben und einen Code anfragen. Richtig an den Start gehen wir im August.

 

 

Habt ihr schon mit Kunden gesprochen? Ist das Interesse da?

Ja, haben wir! Und das Interesse ist da! Potentielle B2B-Kunden in den Entwicklungsprozess einzubinden ist ein ganz essentieller Teil unserer Arbeit. Und das Feedback auf unseren Ansatz Musik ganz anders als bisher zu kategorisieren, kommt bei den Kunden sehr gut an. Wenn zum Beispiel Mercedes eine Agentur beauftragt, nach einem Song für die nächste Werbung zu suchen, dann ist das einfach mit hohen Kosten, zeitlichem Aufwand und ganz besonders hoher Unsicherheit verbunden, ob ein Musikstück auch wirklich passt. Und genau da setzt unsere B2B-Suchmaschine zur Musikauswahl an…

Und seht Ihr Euch als Software- oder Musik-Unternehmen?

Beides! Die Musikindustrie hat ja mit MP3 und Filesharing die Disruption durch den digitalen Wandel als erstes erlebt, ist deswegen aber auch schon am weitesten damit. Musik und Software gehören längst zusammen!


Interview: Paul Heesch / LA MAG

Fotos: Ricardo Wiesinger

www.groovecat.de
www.facebook.com/groovecat

Markus Schwarzer CEO Business Administration & Marketing
Jakob Höflich CCO Business Communication & Consulting
Joshua Weikert CTO Product Manager, Digital Media & Webdesign
Laurin Quast Full Stack Developer iOS & Android, React Native & Node.js




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